Würdevoll Abschied nehmen

In Waldkraiburg entsteht das erste Krematorium für Pferde in Bayern

Seit einigen Wochen laufen die Arbeiten für das Tierkrematorium hinter der Tierverwertungsanlage in St. Erasmus. Im März soll Einweihung sein. Huckemeyer
+
Seit einigen Wochen laufen die Arbeiten für das Tierkrematorium hinter der Tierverwertungsanlage in St. Erasmus. Im März soll Einweihung sein. Huckemeyer
  • vonUrsula Huckemeyer
    schließen

Viele Tierbesitzer wünschen sich einen würdevollen Abschied von ihrem Tier. Nicht nur von Hund und Katze, sondern auch von Pferd und Pony. Die Pegasus Tierbestattung baut aktuell in St. Erasmus bayernweit das erste Tierkrematorium für Pferde.

Waldkraiburg/St. Erasmus – Große Wellen schlugen die Pläne für ein Tierkrematorium hinter der Tierverwertungsanlage (TVA) in St. Erasmus. Die Anwohner machten mit einer Unterschriftenliste mobil, die Stadt brachte ihrerseits einen Bebauungsplan samt Veränderungssperre ins Spiel – der Anfang für das Tierkrematorium war holprig. Doch bei einem Informationsabend konnte die Berndt GmbH, welche die TVA in St. Erasmus betreibt, die Bedenken aus dem Weg räumen.

Ausgelegt ist das Krematorium in erster Linie für Pferde. Die Anwohner sorgten sich um die Luft, um erhöhtes Verkehrsaufkommen, um Lärm und um das Landschaftsbild. Kritisiert wurde auch der 27 Meter hohe Kamin, der aber nicht auf Wunsch der Betreiber, sondern aufgrund behördlicher Auflagen nötig sei, betont Konrad Meier, Geschäftsführer der TVA. Der Ort müsse jedoch keine Geruchsbelästigung befürchten, da modernste Filtertechniken dies verhindern würden. So konnten diese und weitere Bedenken von der zuständigen Berndt GmbH schließlich bereits im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden.

1100 Tonnen pro Jahr

Über die Pläne für das Tierkrematorium informiert TVA-Geschäftsführer Konrad Meier.

Statt der Bedenken rollen jetzt seit sechs Wochen Baufahrzeuge auf dem Gelände hinter der TVA an. Bisher wurde das Areal als landwirtschaftliche Fläche genutzt. Es ist von Bäumen eingewachsen, sodass eine sichtbare „Verschandelung“ des Landschaftsbildes nicht zu befürchten ist. Der Bodenaustausch ist inzwischen abgeschlossen. Auch die Fundamente für das Tierkrematorium sind bereits gegossen.

Lesen Sie auch:

Stadt Waldkraiburg macht Weg frei für Tierkrematorium

Tierkrematorium in St. Erasmus: Konsens in Sicht

Tier-Krematorium geplant: „Die Anlage rechnet sich bei sieben Pferden pro Woche“

Es entsteht eine Halle mit 475 Quadratmetern. Die maximale Kapazität liegt bei 1100 Tonnen pro Jahr. Im Klartext heißt das: Nach Inbetriebnahme der Anlage sollen pro Woche etwa fünf Pferde kremiert werden. Für Kleintiere wie Hunde und Katzen ist eine Sammelkremierung beabsichtigt. „Unser Unternehmen ist seit dem Jahr 2000 gemeinsam mit dem Tierschutzbund an einem Tierkrematorium in München beteiligt“, unterstreicht Konrad Meier und weist so auf eine langjährige Erfahrung in diesem Bereich hin.

Vorreiterrolle in Bayern

Die Feuerbestattung von Pferden ist in Deutschland erst seit 2017 erlaubt. Die intensive Beziehung zwischen Mensch und Pferd soll auch nach dem Tod des Tieres nicht enden, lautet das Credo der Pegasus Tierbestattung. Das Unternehmen übernimmt in St. Erasmus eine Vorreiterrolle, denn es gibt bayernweit kein weiteres Krematorium, das Pferde einer Feuerbestattung zuführt. Konrad Meier erklärt: „Wir garantieren eine würdevolle Verabschiedung, weil wir wissen, wie hart es Pferdebesitzer trifft, wenn sie sich von ihrem meist langjährigen Wegbegleiter trennen müssen.“

Das Einzugsgebiet des Tierkrematoriums erstreckt sich über ganz Deutschland. Wenn der jeweilige Veterinär grünes Licht gibt, wird das verstorbene Tier mit einem Spezial-Fahrzeug abgeholt. Die Feuerbestattung dauert bis zu acht Stunden und kostet zwischen 2200 und 3000 Euro. Nach der Kremierung kann der Pferdebesitzer die Asche seines Tieres mit nach Hause nehmen.

Die Pegasus Tierbestattung nimmt für die Anlage rund drei Millionen Euro in die Hand. Das Krematorium soll im März 2021 eröffnet werden.

Kommentare