Kraftakt in Waldkraiburg

Ehrenamtliche arbeiten 3.000 Stunden für ein „Corona-konformes“ Feuerwehrmuseum

Etliche Mitglieder haben bislang rund 3000 ehrenamtliche Stunden in den Umbau des Feuerwehrmuseums investiert. Ohne einen solchen hätte das Museum wohl nicht wieder öffnen können.
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Etliche Mitglieder haben bislang rund 3000 ehrenamtliche Stunden in den Umbau des Feuerwehrmuseums investiert. Ohne einen solchen hätte das Museum wohl nicht wieder öffnen können.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Nach der Corona-Pause hat das Feuerwehrmuseum Bayern seit Anfang August wieder geöffnet. Ein Kraftakt für die Mitglieder: Denn in knapp 3.000 ehrenamtlichen Stunden wurde das Museum komplett neu gestaltet. Aber auch ohne dem finanziellen Zuschuss aus dem Kulturförderprogramm „Neustart“ hätte das Museum längst nicht wieder geöffnet.

Waldkraiburg – Seit Mai dürfen Bayerns Museen wieder Besucher empfangen. Doch zu diesem Zeitpunkt war an eine Öffnung des Feuerwehrmuseums nicht zu denken. „Wir haben das Museum komplett auf links gedreht“, sagt Vorsitzender Alexander Süsse. Alle Regale abgebaut, die Hallen fast leer geräumt und die Ausstellung neu konzipiert: Das Museum habe sich völlig verändert.

Waschanlage für die Bobby-Cars

Aber nur auf dieser Basis habe man ein Hygienekonzept erstellen können: Mit Einbahnregelung geht es an den vielen Feuerwehr-Fahrzeugen auf einer Fläche von rund 4000 Quadratmetern vorbei, die Helmausstellung ist neu gestaltet, Gleiches ist mit der Blaulichtausstellung passiert. Auch im Detail sei einiges anders geworden.

„Das Thema Multimedia ist bei uns mehr im Kommen“, erklärt Süsse. Eine Kooperation mit einem Unternehmen mache es möglich, Tablets Besuchern zur Verfügung zu stellen. An den Fahrzeugen könne man sich über einen QR-Code die Beschreibung auf das eigene Smartphone laden.

Noch bleiben die bei Kindern beliebten Bobby-Cars in der Ecke. Denn damit die Kinder wie gewohnt auf den kleinen Fahrzeugen durch das Museum flitzen können, müssen sie nach jedem Gebrauch desinfiziert werden. Zu viel Aufwand für die Ehrenamtlichen des Museums. Deshalb arbeite man gerade mit Hochdruck an der ersten automatischen Bobby-Car-Waschanlage. „Wir versuchen, dass wir sie in den Sommerferien noch in Betrieb nehmen“, sagt Süsse.

Doch bei allen Ideen, welche die Mitglieder in den Umbau eingebracht haben, eines lässt sich nicht ersetzen: „Das Feuerwehrmuseum lebt davon, dass Besucher hier vieles anfassen dürfen. Aber wegen Corona ist das gerade nicht möglich. Ein Mitmach-Museum ist somit vorerst nicht realisierbar.“ Ein Einschnitt, der sich nicht 1:1 ersetzen lasse.

Arbeiten gehen noch weiter

85 Mitglieder hat der Verein bundesweit, die hinter ihrem Verein stehen. Aus Hamburg, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen waren sie gekommen, um beim Umbau des Museums zu helfen. In knapp 3000 ehrenamtliche Stunden haben sie dem Museum einen neuen Anstrich verpasst. Die Arbeiten gehen im Hintergrund noch weiter, bis Jahresende könnten es bis zu 5000 Stunden. Doch damit allein war es nicht getan. Das Kulturförderprogramm „Neustart“ hat das Feuerwehrmuseum mit einem Zuschuss von rund 35 000 Euro bedacht. „Ohne das Geld und ohne die Mitglieder wäre ein Umbau nicht möglich gewesen. Aufgeben – dieser Gedanke war nicht unrealistisch“, sagt Süsse.

Gewinn für beide Seiten

Der Trägerverein hat die coronabedingte Zwangspause als Chance verstanden. „Wir hatten endlich Zeit, langjährige Ideen zu berücksichtigen und konnten wichtige Dinge einfließen lassen, die wir schon länger umsetzen wollten“, sagt Süsse. Drei Jahre blieben ausgediente Vitrinen aus dem Nationalmuseum, jetzt endlich haben sie ihren Platz im Museum gefunden.

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„Um Flächen intelligent zu nutzen, dienen sie als Raumtrenner, um die Besucher durch die Ausstellung zu führen“, erklärt Süsse. Ein Gewinn für beide Seiten: Hygienevorgaben lassen sich auf diese Weise umsetzen, das Museum gewinnt gleichzeitig an Attraktivität für den Besucher. „Unsere obereste Maxime war: Das Museum soll nicht nur anders werden, sondern auch besser.“ Entsprechende Rückmeldungen von den Besuchern würden dies bestätigen.

Rettungsgassensimulator muss noch warten

Vergangenes Jahr hat der Trägerverein den Rettungsgassensimulator erstmals auf einer Messe in Köln vorgestellt. Im Feuerwehrmuseum war er immer noch nicht im Betrieb. Daran wird sich wohl so schnell nichts ändern. „Wir haben noch keine Lösung, wie wir dabei den Schutz der Besucher gewährleisten können“, sagt Vorsitzender Alexander Süsse.

Nach drei Jahren sind ausgediente Vitrinen aus dem Nationalmuseum in die Ausstellung integriert worden.
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