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Herausragende Sammlung

Im weiten Umkreis konkurrenzlos: Das Glasmuseum Waldkraiburg ist eine Freude - nicht nur für Kenner

Fast 3000 Gläser umfasst die Sammlung im Waldkraiburger Glasmuseum. Unter den ältesten und wertvollsten Stücken nimmt der Zwischengoldpokal (Mitte) aus der Zeit um 1730 eine besondere Stellung ein.
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Fast 3000 Gläser umfasst die Sammlung im Waldkraiburger Glasmuseum. Unter den ältesten und wertvollsten Stücken nimmt der Zwischengoldpokal (Mitte) aus der Zeit um 1730 eine besondere Stellung ein.
  • Erika Fischer
    VonErika Fischer
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Es begann mit einer kleinen Privatsammlung nordböhmischer Gläser aus dem 19. Jahrhundert. Vor zehn Jahren ist daraus ein veritables Glasmuseum im Waldkraiburger Haus der Kultur geworden.

Waldkraiburg– Unter den nahezu 3000 Gläsern, die im Besitz des Stadtmuseums Waldkraiburg sind, ist wohl eines der ältesten und wertvollsten der Zwischengoldpokal aus der Zeit um 1730. Der damalige Leiter des Museums, Dr. Rupert Schreiner, hatte ihn auf einer Auktion für 4000 Mark ersteigert. Der Förderverein Stadtmuseum schenkte ihn der Glassammlung. Das gute Stück steht stellvertretend für eine herausragende Sammlung, die die Geschichte der böhmischen Glasindustrie dokumentiert.

Erika Rahnsch war die treibende Kraft

Nicht wegzudenken aus der Entstehungsgeschichte des Glasmuseums ist Erika Rahnsch, die ihr Waldkraiburger Lebenswerk in dieser Ausstellung sieht und auf einen unerschöpflichen Wissensschatz in ihrer Privatsammlung zurückblicken kann. „Im Koppe ist noch alles deutlich vorhanden, nur die Beene wollen nicht mehr so recht!“, meint die 91-Jährige schmunzelnd in ihrem Haidaer Dialekt.

An die Geschichte der Waldkraiburger Glasindustrie erinnerte Erika Rahnsch (von links) mit den Glasveredlern Harry Zahn, Horst Preibisch, Bruno Helzl und Jutta Klein (knieend).

Die Liebe zum Glas wurde ihr nicht in die Wiege gelegt

Dabei war Rahnsch, die in Falkenau-Kittlitz geboren wurde, die Liebe zum Glas keineswegs in die Wiege gelegt worden. „Um nach 1945 der Zwangsarbeit in einem Bergwerk zu entgehen, hab ich mich in einem Betrieb als Glasmalerin versucht – und es hat sogar Spaß gemacht!“

Privatsammlung von Erich Kieslich wurde immer weiter aufgestockt

Der Ausgangspunkt des Museums war die Privatsammlung von Erich Kieslich, der in den 1950er-, 60er-Jahren, angeregt durch seinen Schwiegervater R. B. Markowsky und dessen Glasveredlungsbetrieb vor allem nordböhmische Gläser aus dem 19. Jahrhundert besaß. „145 Gläser kamen dann durch die Sammlung Pfohl dazu“, erzählt Erika Rahnsch.

1977 wurden in der heutigen Dieselschule einige davon in fünf Vitrinen gezeigt und zum „Heed`schen Fest“ der Haidaer ein Jahr später kam eine sechste dazu. Die beiden Töchter von Sammler Kieslich, Sunhild und Gudrun, übergaben den Schatz schließlich in die Obhut der Stadt, die ihn zunächst im Rathaus lagerte.

Seit 1989 im Haus der Kultur

Zu Beginn der 90er-Jahre fand sich endlich eine Heimat im neu erbauten Haus der Kultur. 1989 war Dr. Rupert Schreiner Museumsleiter geworden, der den Grundstock legte für eine Erweiterung durch seine intensive Ankaufspolitik. Zum ersten Mal fand schon im August 1990 eine vierwöchige Sonderausstellung statt, der weitere folgten.

Exponate aus der Blütezeit der Haidaer Glasindustrie

Ankäufe in Auktionshäusern aus der Blütezeit der Haidaer Glasindustrie und aus dem beginnenden 20. Jahrhundert, die vorwiegend durch Spenden heimischer Banken und Firmen und Übereignungen möglich wurden, ergänzten die Sammlung. Auch der Förderverein Stadtmuseum spielte dabei eine wichtige Rolle.

Unzählige Arbeitsstunden in die Ausstellung gesteckt

Ein neuer Abschnitt in der Museumsgeschichte begann 1995 mit Dr. Karsten Karstens. Der Archäologe machte die Glasherstellung und -veredlung zu seiner besonderen Aufgabe, „und das klug, einfühlsam und sehr tüchtig“, so Erika Rahnsch. „Wochenlang waren wir täglich vor- und nachmittags im Einsatz. Aber bei mir war nun wirklich das Interesse an schönen Dingen und besonders am Glas zur zweiten Natur geworden.“

So wurde eine große Dauerausstellung mit 70 Vitrinen im Haus der Kultur aufgebaut. Glasveredler schenkten so manches aus ihrer Produktion dem Museum, sodass die Sammlung schon auf 1700 Stücke angewachsen war.

Zu einem Highlight wurde im Jahr 2000 der historische Festzug zum 50. Stadtjubiläum, an dem sich der Förderverein mit einem Festwagen zur Glasindustrie beteiligte. Schließlich zählte diese mit einer Glashütte in der heutigen Berliner Straße und zahlreichen kleineren Veredlungsbetrieben in den ersten Jahrzehnten der Gemeinde zu den wichtigsten Branchen in der Stadt.

2011 schlug Geburtsstunde des Museums

Die Geburtsstunde des Glasmuseums schlug dann 2011. Die heutige Museumsleiterin Elke Keiper konnte damals den ersten Teilabschnitt eröffnen. Mit dabei natürlich Erika Rahnsch in vollem Einsatz: „Wir haben fieberhaft ausgewählt, abgestaubt, poliert, Glaswerkzeug hervor gesucht. Im November wurde schließlich der große Ausstellungsraum der Öffentlichkeit präsentiert.“

„Man findet im weiten Umkreis keine vergleichbare Schau dieser ausgefeilten Handwerkskunst und nicht nur bei „Kunst und Krempel“ würde man viel Geld für so manches Stück bieten“, ist Erika Rahnsch, die wohl beste Botschafterin des Waldkraiburger Glases, überzeugt.

Das Glasmuseum im Haus der Kultur

Das Glasmuseum im Haus der Kultur ist sicher nicht nur eine Fundgrube für schöne Gläser aus drei Jahrhunderten, sondern geht der Frage nach, wie der Rohstoff Glas in einer Mundglashütte geblasen und anschließend veredelt wird. Vom heißen Arbeitsplatz der Glasschmelzer und Glasmacher führt der Weg zu den Handwerkern und Künstlern, die mit Pinsel, Schleif- und Gravurmaschinen die Verschönerungen ursprünglich in Handarbeit ausführten. Später schickten Glasfirmen die zerbrechlichen Kostbarkeiten auf die Reise um die ganze Welt. Schwerpunkte der Sammlung bilden die nordböhmischen Erzeugnisse aus den Fachschulen Haida und Steinschönau rund um ein inszeniertes Biedermeierzimmer. Vitrinen mit Exponaten des Historismus und Jugendstils sind zu sehen, aber auch moderne Gläser der jungen Waldkraiburger Nachkriegsbetriebe, die Zeugnis geben vom Aufbauwillen in der neuen Heimat. fis

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