Im Alter noch auf die Matte: Drei Senioren bringen Jukuren-Karate nach Waldkraiburg

Karate ist auch ein Sport für Senioren: Das Jukuren-Karate bringen Roland Gänsler (von links), Ernst Dörfler und Heiko Franke nach Waldkraiburg.
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Karate ist auch ein Sport für Senioren: Das Jukuren-Karate bringen Roland Gänsler (von links), Ernst Dörfler und Heiko Franke nach Waldkraiburg.
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
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Kraftlos und auf Hilfe angewiesen: So sehen viele Menschen Senioren. Doch die Zeiten ändern sich. Ernst Dörfler (68), Roland Gänsler (66) und Heiko Franke (67) aus Waldkraiburg kennen sind seit mehr als 50 Jahren Freunde und starten nach etlichen Jahren als Karateka wieder durch.

Waldkraiburg – Was ist so außergewöhnlich an den Drei? Letztes Jahr feierte der VfL Waldkraiburg, Sparte Karate, ihr 50-jähriges Jubiläum. Ernst, Roland und Heiko gehörten zu den ersten Mitgliedern, die 1969 das Karate in der Region bekannt gemacht hatten. 2019 hatten sie ihre Gürtel bereits schon seit vielen Jahren zu Hause im Kleiderschrank vergraben. Als Rentner trauten sie es sich nicht zu, sich gegenseitig auf die Matte zu werfen.

Fitness und Gesundheit als Ziel

Doch Trainer Achim Ljapoci merkte beim Jubiläumstraining letztes Jahr, dass in den drei Senioren noch immer das Karateherz schlägt: „Macht Senioren-Karate. Das macht Spaß und es tut eurer Gesundheit gut.“ Die drei Waldkraiburger kamen letztlich zu dem Entschluss „Wir sind wieder dabei!“ und holten ihre Karateanzüge aus ihren Schränken. Nicht nur das: Sie bringen das Jukuren-Karate (Karate für ältere Menschen/Späteinsteiger) nach Waldkraiburg. Einmalig im Landkreis und vor allem gibt es deutschlandweit nur wenige Trainingsstätten. Das neue Senioren-Karate des Vfl Waldkraiburg befindet sich aktuell im Aufbau.

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„Durch Corona geht nur alles relativ langsam voran. Wir haben das Problem, dass wir nicht in der Halle trainieren können. Man ist ein bisschen eingeschränkt“, erklärt Roland Gänsler. „Beim Jukuren-Karate handelt es sich um einen Breitensport mit den Zielen Fitness und Gesundheit. Trainiert wird traditionelles Karate mit Kata und Partnerübungen, dagegen nur wenig Jiyu-Kumite (Übung im Freikampf)“, setzt der agile Karateka fort. „Desto älter man wird, umso mehr lassen Balance, Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit nach. In unserem Senioren-Karate beschäftigen wir uns viel mit Atmung und Koordination.

Ernst Dörfler bei einem Bruchtest mit sieben Dachziegeln.

Das Mentale wird gestärkt. Mit Stockübungen trainieren wir die Koordination. Damit kann man auch gut Schwindel bekämpfen“, erklärt Ernst Dörfler, der einst zu den ersten Karatekas in Waldkraiburg gehörte. Bedenken, dass der Sport zu gefährlich oder anstrengend für ältere Menschen sein könnte, sind unbegründet. Das Trainingsprogramm ist speziell für ältere Menschen zugeschnitten.

Ihrer Leidenschaft bis heute treu

Fragt man die drei Karatekas, wie sich ihr Sport im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, schwelgen sie in ihren Erinnerungen. Die Anfänge waren bei allen drei unterschiedlich, doch trotzdem haben sie viele Gemeinsamkeiten. Während ihrer mehrjährigen Kampfkunst-Pause hielten sich alle Drei mit Sport fit, blieben aber trotz allem ihrer Leidenschaft – dem Karate – treu. Nicht m Verein, aber zuhause machten sie ihr Kata-Training weiter.

Roland Gänsler punktet mit einem Fauststoß bei der Kreismeisterschaft 1974

Als sie vergangenes Jahr wieder aktiv ins Karate einstiegen, war für sie klar, dass sich im Laufe der Jahrzehnte einiges geändert hatte. „Heute darf kein Blut mehr fließen. Die Wettkampfregeln wurden stark entschärft. Die Intensität ist gleich geblieben, aber nicht mehr die Härte“, sagt Ernst Dörfler. Als sie vor 51 Jahren unter Leitung des Gründers Hartmut Johner mit dem Sport begannen, gehörten Verletzungen dazu. Damals trainierten sie mit Eisenschuhen, machten mit zehn Kilo schweren Bleiwesten kilometerlange Läufe am Inn. Mit einem Makiwara (eine Art Holzpfosten) übten sie Schläge und Fußstöße. Liegestützen wurden auf den Knöcheln gemacht und Dachziegeln mit den Fäusten zerschlagen. Heute wäre so etwas unvorstellbar.

Karate stärkt das Selbstvertrauen

Wer einmal sein Herz an diesen Sport verloren habe, bleibt dabei. Jetzt stehen Gesundheit und Spaß an erster Stelle. Sie wollen sich selbst fordern und die mentale, wie auch körperliche Fitness mit Karate erhalten. „Wenn wir jemals angegriffen werden, wissen wir, dass wir uns wehren können. Karate stärkt das Selbstvertrauen. Das fehlt vielen Menschen. Deshalb ist das Jukuren-Karate für jeden ab 50 Jahren geeignet. Auch für Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden“. Selbst 90-Jährige können vom Sofa auf die Matte wechseln.

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