Ideengeber und Gestalter: Kraiburgs Bürgermeister Herbert Heiml zieht zum Abschied Bilanz

„Ein Bürgermeister muss Prioritäten setzen“, sagt Herbert Heiml. Der 68-Jährige hat sie gesetzt und in der Marktgemeinde Kraiburg, in der er insgesamt seit 30 Jahren als Gemeinderat, Zweiter Bürgermeister und Bürgermeister Kommunalpolitik machte, viel bewegt. Nach acht Jahren an der Spitze des Marktes räumt Heiml sein Büro im Rathaus. Grundner

Er war Ideengeber, Projektentwickler und Gestalter: Dr. Herbert Heiml, der jetzt als Kraiburger Bürgermeister den Abschied nimmt. Und auch darauf hat er geachtet: dass Kommunalpolitik in der Marktgemeinde manchmal sogar Unterhaltungswert hatte.

Hans Grundner

Kraiburg – Ein guter Bürgermeister muss Prioritäten setzen. Davon ist Dr. Herbert Heiml (CSU) überzeugt. Er hat sie gesetzt in seiner Zeit an der Spitze der Gemeinde Kraiburg. Hat Ideen entwickelt, Projekte angestoßen, Maßnahmen durchgesetzt. Darauf hat Heiml seinen Schwerpunkt gelegt. „Wer soll‘s denn sonst machen, grade in einer kleinen Gemeinde wie Kraiburg?“, fragt der 68-Jährige, der mit dem heutigen Donnerstag aus dem Amt scheidet.

Nicht alles sei gelungen, nicht um jedes Detail habe er sich kümmern können, nicht jeden Geburtstag besucht, nicht alle Vereinsversammlungen. Das ist bei einem ehrenamtlichen Bürgermeister, selten genug für eine Gemeinde mit über 4000 Einwohnern, schlicht nicht mehr drin im Zeitbudget.

Finanzen, Naturbad, Baugebiete – stolz auf einige Erfolge

Schwierige Grundstücksverhandlungen, die Kontakte mit Landratsamt und vielen anderen Behörden, zu denen er gute Verbindungen aufgebaut habe, waren dagegen immer Chefsache. Selbst für die Baugebiete habe er die ersten groben Entwürfe selber skizziert, sagt er, ehe dann die Planer übernahmen.

Ohne Partner geht es nicht, kommt nichts voran in der Kommunalpolitik. Heiml weiß, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Bürgern, Landratsamt und anderen Behörden ist, mit Gemeinderat, Verwaltung, den politischen Vertretern der Region in München und Berlin. Sie haben ihren Beitrag geleistet zu einigen Ergebnissen, die er seit 2011, als er für den erkrankten Vorgänger Michael Loher die Amtsgeschäfte übernahm, erreicht hat und auf die er stolz ist. Gerne zeigt er die Grafik her, aus der hervorgeht, wie sich die Haushaltslage des Marktes unter seiner Verantwortung entwickelt hat. 2010, kurz nach der Finanzkrise, übertrafen die Schulden die Rücklagen um drei Millionen Euro. 2019 hat Kraiburg 1,35 Millionen Euro mehr Rücklagen als Schulden. Dabei hat die Gemeinde ihren größten Gewerbesteuerzahler verloren.

Beim Hochwasserschutz Gemeinde viel Geld gespart

Die vier Baugebiete, die in seiner Amtszeit ausgewiesen wurden, waren ihm „ein großes Anliegen“. Von Anfang an habe er sich für den Ausbau des Hochwasserdamms eingesetzt. Der Trassenverlauf, der zum Tragen kam, gehe auf seine Initiative zurück. 600 000 Euro habe er der Gemeinde damit gespart. Und er freut sich darüber, dass der Markt heute mit dem Bischof-Bernhard-Saal für 550 000 Euro Eigenanteil eine „wunderbare Versammlungsstätte“ und gemeinsam mit der Kirche ein Baudenkmal erster Güte erhalten habe. Der historische Marktplatz ist durch Sanierungsmaßnahmen attraktiver geworden. „Kurz nach meiner Wahl im Oktober 2012 standen neben dem Rathaus noch drei Ruinen.“ Deren Sanierung ist das Verdienst privater Investoren. Heiml hat geholfen, dafür die Voraussetzungen zu schaffen.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Und zum Finale seiner Amtszeit gab’s nach langem Warten sogar beim Naturbad-Projekt gute Nachrichten. „Der Zuwendungsbescheid ist da“, konnte er am Dienstag im Gemeinderat vermelden. 289 800 Euro Zuschuss fließen aus einem Förderprogramm des Bundes. Zusammen mit den Leader Plus Mitteln hat Heiml für das Naturbad, das das 2015 geschlossene Freibad ersetzen wird, und ein benachbartes Freizeitgelände insgesamt 700 000 Euro FöFörderung an Land gezogen. Gestern Abend setzte er kurzfristig der Spatenstich für das Bad an.

Der ewige Kampf mit dem Denkmalamt

Dass bis heute erzählt wird, er hätte das Bad am liebsten für immer zugesperrt und das Projekt bis zuletzt verzögert, ärgert ihn fürchterlich. Fuchsteufelswild kann der 68-Jährige werden, wenn derlei Gerüchte und Verdächtigungen anonym verbreitet werden. In so mancher Gemeinderatssitzung hat er deshalb öffentlich Luft abgelassen und deutlich gemacht, dass er zum Verein der Freunde der deutlichen Aussprache zählt. So kennt man ihn auch beim Denkmalamt.

Wenn Heiml das Gefühl hat, dass die Weiterentwicklung der Gemeinde von einer Mitarbeiterin der Denkmalpflege blockiert wírd, ist es vorbei mit der Diplomatie. Da platzt ihm schon mal die Hutschnur. „Mich stört die Rigidität des Denkens. Da wird um jeden Reichsformatziegel gekämpft. Das geht an der Realität vorbei.“

Kommunalpolitik hatte dank Heiml auch Unterhaltungswert

Kommunalpolitik in Kraiburg konnte in diesen Jahren durchaus Unterhaltungswert haben. Heiml hat zuverlässig einen maßgeblichen Beitrag geleistet. Nicht immer zur Freude aller Gemeinderäte. Die UWG-Fraktion hat ihn deshalb sogar einmal mit einem Antrag zur Begrenzung der Sitzungsdauer einzubremsen versucht.

Die Geschichte ist ein großes Potenzial für Kraiburg, und sie ist zugleich Belastung. Das habe trotz Städtebauförderung Eigenmittel gebunden, und sei mit ein Grund für ein Defizit, das der scheidende Bürgermeister in seiner Amtszeit einräumt: „Den Straßenbau im Außenbereich haben wir ein bisserl vernachlässigt.“

Beim ersten Anlauf 2002 gescheitert

Mit der Übergabe der Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin Petra Jackl endet für Heiml eine lange Zeit in der Gemeindepolitik. Seit 1990 gehörte der Zahnarzt dem Gemeinderat an,, wurde 1996 Zweiter Bürgermeister. Schon bei der Kommunalwahl 2002 bewarb er sich aussichtsreich um den Bürgermeisterposten – und scheiterte. „Einen Monat lang war ich enttäuscht, beleidigt.“ Im Nachhinein glaubt er, dass es gut so war, erst recht aus der jetzigen Erfahrung heraus, wie viel Arbeit, Ärger und Stress dieses Amt bedeutet. Das hätte sich mit den Aufgaben in der Praxis und in der Familie nicht vertragen. Er könne eigentlich nur dankbar sein, dass er 2002 nicht gewonnen habe. Bei der Wahl zehn Jahre später waren ganz andere Voraussetzungen gegeben.

Lesen Sie auch:

Herbert gegen Goliath

Der Hochwasserdamm – wichtig für Kraiburg

Jackl macht‘s: CSU-Kandidatin ist die erste Frau auf dem Kraiburger Bürgermeisterstuhl

Heiml konnte das Amt ausfüllen. Anstrengend war es trotzdem. Aber eben auch sehr interessant. Ganz kann er deshalb noch nicht aufhören mit der Kommunalpolitik. Nach sechs Jahren im Kreistag hängt er dort eine Amtszeit dran. Ein Thema hat es ihm besonders angetan: die Krankenhausfusion. „Ich bin der Meinung, dass die nächsten sechs Jahre wegweisend werden, ob die Fusion gut und fair funktioniert.“

Kommentare