"Ich würde es sofort wieder machen"

Alle Hände voll zu tun: Christina Schiffner arbeitete in Quito an einer Schule. Sie übernahm vor allem den Englischunterricht für die unteren Jahrgangsstufen. Foto re
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Alle Hände voll zu tun: Christina Schiffner arbeitete in Quito an einer Schule. Sie übernahm vor allem den Englischunterricht für die unteren Jahrgangsstufen. Foto re

365 Tage in einem fremden Land. Die Waldkraiburgerin Christina Schiffner ließ sich auf dieses Abenteuer ein. Nach ihrem Abitur im vergangenen Jahr machte sich die 19-Jährige auf den Weg nach Südamerika und zieht nach einem Jahr Auslandseinsatz an einer Schule ein rundum positives Fazit. "Ich würde es sofort wieder machen."

Waldkraiburg - Christina Schiffner suchte nach dem Abitur eine neue Herausforderung. Über den Bund der Deutschen Katholischen Jugend und die Erzdiözese München-Freising kam die junge Waldkraiburgerin zu einem Auslandseinsatz. Mit 17 anderen Freiwilligen verbrachte sie eine unvergessliche Zeit in Argentinien, Bolivien, Chile oder Ecuador.

Christina wurde mit sechs anderen Helfern in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, eingesetzt. Sie machte sich mit großer Freude auf die Reise, denn sie "wollte immer schon im Ausland arbeiten." Die angehende Studentin ging davon aus, dass sie in einer Schule im Süden der Stadt Schülerinnen und Lehrer mit dem Computerraum vertraut machen soll. Doch es kam anders: Die "Mädchenschule" besuchten auch Buben.

Zudem wurde sie nicht im Computerraum eingesetzt, sondern als Lehrkraft der Jahrgangsstufen eins bis sieben. Nach einer kurzen Schnupperphase von etwa zwei Wochen, in der sie den ecuadorianischen Lehrern beim Unterricht über die Schulter blickte, übernahm sie die Funktion der Englischlehrerin. Später kamen die Fächer Mathematik und sogar Spanisch dazu.

Die Organisation "weltwärts" war Träger dieses Aufenthalts. Sie übernahm den Flug und zahlte Miete und Aufenthaltskosten bei den Gastfamilien.

Zudem gab es rund hundert Euro Taschengeld im Monat. Luxus war nicht drin. "Man musste schon billig einkaufen und Kinoaufenthalte oder Klamotten wurden teils von meinem eigenen Geld bezahlt, weil es einfach nicht genug war."

Christina Schiffner wohnte im Norden der 1,8-Millionen-Stadt Quito, in dem eher die reichen Bürger zu finden sind. Von hier aus musste sie täglich eine Stunde Bus fahren, um die Schule im Süden zu erreichen. Die Gegensätze zwischen Nord und Süd empfand sie als "krass". Die Menschen im Süden haben kaum einen Job, sie erhalten keine staatliche Hilfe. Um an Geld zu kommen, müssen Kinder zum Beispiel Schuhe putzen. Die Schule besuchen sie deswegen nicht. Zudem gibt es im südlichen Bereich der Stadt viele Kriminelle. "Drogen werden einfach auf offener Straße angeboten." Auch Taschendiebe treiben sich hier rum, wie Schiffner am eigenen Leib erfahren musste. Ihre Kamera wurde gleich in der ersten Woche gestohlen. Seitdem hatte sie ihre Tasche immer im Blick und merkte sich eins: "Ab jetzt musst du aufpassen."

Im Norden dagegen sitzt die reichere Bevölkerung. "Hier war es nicht unüblich, Menschen mit einer Rolex zu sehen." Trotz der Gegensätze würde Christina Schiffner sofort wieder hinfliegen. "Es war eine tolle Erfahrung, die mich darin bestärkt hat, ab Herbst "soziale Arbeit" zu studieren. Ich habe gemerkt, dass mir die Arbeit mit Kindern einfach liegt." Ab und zu habe sie schon Heimweh gehabt, vor allem in der Weihnachtszeit, da in Ecuador Sitten und Tradition anders sind, als sie es von Deutschland gewohnt ist. Ein Päckchen der Eltern half, die traurige Zeit zu überwinden.

Von September bis Juli dieses Jahres war die 19-Jährige an der Schule. Als die Kinder in ihre Ferien entlassen wurden, arbeitete Christina Schiffner für einen Monat noch bei einem Straßenkinderprojekt und einer Kindertagstätte mit, in der sie für die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung zuständig war.

Eins stand immer fest: "Abbrechen wollte ich nie." Vor allem die Kinder in der Schule haben sie dazu gebracht, es durchzuziehen. Diese seien komplett anders als die Kinder in Deutschland, erzählt Schiffner. "Die Kleinen sind total offen. Sie kennen dich nicht, rennen aber sofort auf dich zu und umarmen dich. Auch wenn du gar nicht ihre Sprache sprichst. Das fand ich klasse."

In Deutschland seien die Kinder eher zurückhaltend und schüchtern, wenn sie fremde Menschen treffen, da ihnen von zu Hause schon eingetrichert wird, dass man mit Fremden nicht spreche.

Die ganze Art der Bewohner sei viel lebensfreudiger. So gebe es hier unzählige Feste, bei denen alle zusammenkommen und einfach feiern. "Es war einfach immer etwas los und eine wunderschöne Zeit." So gut hat es der Waldkraiburgerin gefallen, dass sie Quito und "ihre" Kinder schon nächstes Jahr wieder besuchen mäöchte. tof

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