Ein Hochzeitstag wie im Kabarett: Ehepaar Kroll aus Waldkraiburg erinnert sich

Brunhilde Krollfreute sich reisig, als Bürgermeister Robert Pötzsch ihr und ihrem Mann Anton zur diamantenen Hochzeit gratulierte. Bachmaier

Brautstrauß vergessen, Hochzeitskleid gerissen, gefrorenes Weihwasser: „Unser Hochzeitstag war film- und fernsehreif“, sagt Brunhilde Kroll. Der Ehe hat das nicht geschadet. Seit 60 Jahren sind Anton und Brunhilde Kroll verheiratet. Jetzt haben sie ihre „Diamantene“ gefeiert.

Waldkraiburg – Wie war’s damals vor 60 Jahren? Auf diese Frage winkt 79-Jährige ab: „Es war eiskalt, als wir – einen Tag nach dem Standesamt – in der Waldkraiburger Bunkerkirche geheiratet haben. Erst hat mein Mann schon den Brautstrauß vergessen – aber die Blumen wären eh erfroren.“

„Bei der Trauung habe ich geschlottert vor Kälte“

Dann hat die Trauungsmesse mit dem damaligen Pfarrer Krebs auch noch sehr lange gedauert. „Ich habe nur geschlottert vor Kälte und konnte gar nicht mehr beten. Zudem war ich bereits im achten Monat schwanger.“

Brautkleid am Boden festgefroren und zerrissen

Bühnenreif ging es weiter Brunhilde Kroll erinnert sich wie heute: „Vom Weihwasser-Sprenkeln des Pfarrers hatte mein Anton lauter gefrorene Büschel im Haar und mein Tüllkleid ist unten herum am Boden angefroren. Beim Aufstehen ist alles abgerissen und mein Brautkleid war dann ein Stück kürzer.“

Die Papiere des Bräutigams sind ewig nicht aus Polen gekommen

„Im Elternhaus haben wir dann im kleinen Kreis gefeiert, zum Essen gab es eine Halbe Bier, es war ja eine arme Zeit“, weiß Anton noch.

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Der Bräutigam stammt aus Laurahütte bei Kattowitz in Oberschlesien. Dort ist er am 14. September 1939 geboren. 1944 musste er mit seiner Mutter fliehen. Über Österreich, München-Laim und weitere Stationen kamen sie dann einige Jahre nach Gumattenkirchen und 1955 nach Waldkraiburg. Der Vater musste jedoch in Polen bleiben. Erst 1987 kam er nach Deutschland zu seiner Familie. Bei der Eisengießerei Klein erlernte Anton Kroll den Beruf eines Modellschreiners und arbeitete später bei der Firma Dickow-Pumpen, 40 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand.

Bis vor einem Jahr noch Rock‘n‘Roll getanzt

Seine Frau, eine geborene Pöschmann, kam am 29. August 1940 in Silberbach, Kreis Graslitz im Sudetenland auf die Welt und wuchs mit zwei Geschwistern auf. Nach der Ausweisung kam die Familie zuerst ins Schwäbische, dann nach Rosenheim und 1952 nach Waldkraiburg, wo Brunhilde Kroll bei der Firma Pöschmann, die ihrem Onkel gehörte, Stickerin gelernt hat und später auch Heimarbeit ausführte.

Sie hat schon immer leidenschaftlich gern getanzt, besonders „Rock’n Roll“, wofür sie damals schon den ersten Preis bekam. Bis vor einem Jahr legte sie noch eine „heiße Sohle aufs Parkett“.

Im „Weißen Hirsch“ hat es gefunkt

Wie so viele Waldkraiburger lernte sich das Paar im legendären „Weißen Hirsch“ kennen. Dort hat es bei ihnen „gefunkt“. Nachdem endlich die erforderlichen Papiere für den Bräutigam aus Polen eintrafen, konnten sie heiraten.

Das Eheglück wurde mit einer Tochter und einem Sohn gekrönt und inzwischen freut sich das Jubelpaar über zwei erwachsene Enkel. 1972 bezog die Familie ihr neu erbautes Eigenheim in der Birkenstraße, wo sie sich die bekennenden Waldkraiburger sehr wohl fühlen.

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Nach nur einem Monat war Hochzeit

Zu Brunhildes Hobbys zählten Theaterbesuche und langjähriges Turnen, Anton ist künstlerisch begabt, malt und töpfert. Zusammen waren sie beim Radln oder Joggen aktiv, unternahmen viele Reisen und genießen ihren Garten.

Zur großen Freude der Eheleute kam auch Bürgermeister Robert Pötzsch, um mit einem Blumenstrauß zur diamantenen Hochzeit zu gratulieren. Brunhilde Kroll, die in letzter Zeit mit gesundheitlichen Problemen und den Folgen eines Sturzes zu kämpfen hatte: „Wenn es mir heute nicht gut gegangen wäre, aufgestanden wäre ich trotzdem, wenn Sie uns schon besuchen.“

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