TROTZ FEHLENDER PERSPEKTIVE

Hinter den Kulissen: Das Waldkraiburger Haus der Kultur bereitet sich auf Lockerungen vor

Eine der letzten Veranstaltungen im Haus der Kultur im Oktober war der Auftritt von Christoph Soldan am Klavier und Dorothea von Albrecht am Violoncello. Doch bislang gibt es für die Kultur keine Öffnungsperspektive.
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Eine der letzten Veranstaltungen im Haus der Kultur im Oktober war der Auftritt von Christoph Soldan am Klavier und Dorothea von Albrecht am Violoncello. Doch bislang gibt es für die Kultur keine Öffnungsperspektive.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Ohne Kultur fehlt dir was – der Slogan der Stadt Waldkraiburg ist einem noch nie zuvor so schmerzlich bewusst geworden wie in den vergangenen Monaten. Während Gärtnereien, Friseure und Baumärkte am Montag wieder öffnen durften, gibt es für die Kultur noch keine Perspektive. Doch im Hintergrund geht die Arbeit weiter.

Waldkraiburg – Mit einem Eisberg vergleicht Museumsleiterin Elke Keipe die Arbeit im Museum. „Alles, was aktiv nach außen dringt, wie die Ausstellungen, Vorträge und Führungen, sind die Spitze des Eisbergs. Aber der größte Teil des Eisbergs liegt ja unter Wasser.“ Die Betreuung der Sammlung der wissenschaftlichen Inventarisation in den Museen der Stadt nimmt einen großen Teil der Arbeit ein. Gerade für die bleibt während des Lockdowns ausnahmsweise viel Zeit.

Audioguide und Museumsspiel

Die Inventarisation ist gerade deshalb so wichtig, weil sie Aufschluss gibt über die Herkunft der Objekte und deren Bezug zur Stadt. „Die Objekte lassen die Geschichte sprechen, die unsere Vergangenheit erst lebendig werden lässt“, sagt Elke Keiper. Doch hinter den Kulissen geht es auch um ganz einfache Dinge wie die Technik. „Wir überprüfen zum Beispiel gerade die Lichtsituation im Glasmuseum und im Wechselausstellungsbereich.“

Den Lockdown hat man im Haus der Kultur noch für zwei größere Projekte genutzt, für die im „Alltagsgeschäft“ sonst kaum Zeit sei. Ein neuer Audioguide führt durch das Stadtmuseum und kann ganz pandemiegerecht auf das Smartphone hochgeladen werden. „Außerdem haben wir ein Museumsspiel für Schulen entwickelt. Damit lernen Grundschüler die Stadtgeschichte besser kennen“, erklärt Elke Keiper.

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Obwohl es für die Kultur noch keine Perspektive gibt, die Planungen für die nächsten Ausstellungen laufen auf Hochtouren. Nach Ostern soll eine Ausstellung mit Katja Brinkmann starten. „Wir haben diese länger geplant als üblich, um einen Puffer zu haben, wenn wir nach Ostern noch nicht öffnen dürfen.“

Außerdem sind drei Themenausstellungen geplant: zu den Jubiläen der Feuerwehren der Stadt, zum Waldbad und für 2022 eine Ausstellung unter der Überschrift „Wie wir leben wollen“, in dem es um das Bauen der Zukunft gehen soll. „Wir hoffen, dass ab Frühjahr wieder Kultur möglich ist. Mit Sicherheitsvorkehrungen sollte doch etwas möglich sein.“

Jetzt bleibt viel Zeit, um die Objekte des Museums zu inventarisieren, wie das hier Claudia Gelaschwili tut.

Darauf hofft auch Alexandra Lausmann, Leiterin der Allgemeinen Kulturverwaltung. „Es ist katastrophal. Seit einem Jahr wissen wir nicht, wann es wie weitergeht.“ Alle Veranstaltungen seien auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben worden, doch manche lassen sich nicht so einfach nachholen.

„Ensembles können zum Teil nicht proben, für bestimmte Veranstaltungen hatten wir bereits so viele Tickets verkauft, sodass bei einem Ersatztermin wegen der Hygieneauflagen nicht alle Karteninhaber berücksichtigt werden können.“ Große Ensembles konnten zuletzt wegen des Mindestabstands nicht mehr auf die Bühne.

Umdenken und andere Wege gehen

In Lausmanns Schublade liegt ein fertiges Kulturprogramm. „Wir sind startbereit, wir müssen nur die losen Wollfäden zusammenfassen und Werbung machen.“ Doch wann es endlich so weit ist, ist bislang nicht absehbar. „Es fehlt eine Perspektive und das kostet Nerven.“ Einige Termine mit Künstlern sind zwar bereits geblockt, aber angekündigt werden diese erst, „wenn es sicher ist“. Bis es soweit ist, drängen sich keine Alternativen auf.

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„Ein Livestream ist zwar als Thema im Hinterkopf, aber das steckt noch zu sehr in den Kinderschuhen“, findet Alexandra Lausmann. Bei Konzerten könne es zwar eine Option sein, bei Theaterproduktionen eher weniger. Daher gibt es nur eins: Umdenken und andere Wege gehen.

Alexandra Lausmann will im Sommer die früheren „Moonlight-Shows“ wieder aufleben lassen. Auch zu den beliebten Stadtpark-Konzerten kann sie sich für samstags ein zusätzliches Angebot vorstellen. „Wir wollen die Stadt wieder beleben. Es will doch jeder wieder raus und Spaß haben.“

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