Heute sind Kirchen leer – vor 50 Jahren braucht Waldkraiburg dringend weiteres Pfarrzentrum

Nach dem Kardinalsbesuch im Juni 1970 sollte es noch vir Jahre dauern, bis zum Spatenstich für das PFarrzentrum Maria Schutz. Der erste Gottesdienst wurde im Dezember 1975 gefeiert.
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Nach dem Kardinalsbesuch im Juni 1970 sollte es noch vir Jahre dauern, bis zum Spatenstich für das PFarrzentrum Maria Schutz. Der erste Gottesdienst wurde im Dezember 1975 gefeiert.

Heute sind die Kirchen leer, vor 50 Jahren wusste die katholische Stadtpfarrei nicht, wohin mit den Gläubigen. So rasant wuchs die Bevölkerungszahl Waldkraiburgs.

Waldkraiburg und die Welt – Bei einem Besuch von Erzbischof Julius Kardinal Döpfner tragen die Vertreter der Stadtpfarrei Christkönig um Pfarrer Rudolf Haderstorfer ihre Sorgen vor. Innerhalb von sechs Jahren ist die Zahl der Katholiken in Waldkraiburg von 8000 auf 14 000 gestiegen. Vor allem der Stadtteil Süd wächst enorm. Es sei nicht mehr möglich, dort den Gottesdienst in der Beethoven-Schule abzuhalten, appelliert der Pfarrgemeinderatsvorsitzende und spätere Zweite Bürgermeister Anton Kindermann an den Kardinal, endlich grünes Licht für den Bau eines weiteren Pfarrzentrums zu geben (Maria Schutz; Anm. d. Red.).

Der Bau einer Notkirche im Westen der Stadt (Johann Nepomuk; Anm. d. Red.) sei „dankbar begrüßt“ worden, aber auch dort brauche es bald einen Kirchenneubau. Bürgermeister Josef Kriegisch drängt vor allem auf einen weiteren Kindergarten.

Pfarrei Pürten will zu Waldkraiburg

Die Pfarrei Pürten muss sich darauf einstellen, nach dem Ausscheiden von Pfarrer Jammers keinen eigenen Pfarrer mehr zu bekommen. Im Dekanat Mühldorf sind nur noch 28 Priester tätig, 1980 sollen es Prognosen zufolge noch zehn sein. Pürten muss sich dann mit einer größeren Pfarrei zusammentun. Bei einer Befragung der Gläubigen stimmen fast 70 Prozent dafür, sich einem Pfarrverband Waldkraiburg anzuschließen. 30 Prozent orientieren sich nach Kraiburg.

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Maria Schutz feiert Jubiläum

Deutschland gegen Italien 1970: Das Jahrhundertspiel

Einen Beat-Schuppen machen die Jugendlichen von Christkönig im ehemaligen Pfarrsaal in der Bunkerkirche auf. Alle zwei Wochen treffen sich 60 bis 70 junge Leute zu Tanz und Unterhaltung.

Adi Schlagmann (der spätere Dritte Bürgermeister; Anm. d. Red.) wird neuer Vorsitzender des mächtigen SPD-Ortsvereins, der 590 Mitglieder zählt.

Gummiwerk fügrt gleitende Arbeitszeit ein

Das Gummiwerk Kraiburg geht neue Wege bei der Arbeitsorganisation und führt versuchshalber die gleitende Arbeitszeit ein. Ohne Genehmigung der Vorgesetzten können Mitarbeiter innerhalb eines festgesetzten Zeitkorridors bestimmen, wann sie in der Früh die Arbeit aufnehmen und wann sie sie am Nachmitttag beenden, damals ein Novum.

Die Gerardis aus Italien, eine weltberühmte Akrobaten-Familie, macht Station in Waldkraiburg. Weil der Circus, bei dem sie unter Vertrag waren, Pleite ging, finden sie vorübergehend Unterschlupf bei ihren Freunden, den Waldkraiburger Hochseilakrobaten von der Familie Stey.

Legendäre WM-Spiele in Mexiko

Es zählt zu den legendären WM-Spielen einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Die Elf von Trainer Helmut Schön nimmt im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Mexiko gegen England Revanche für die WM-Niederlage von 1966. Bis zur 68. Minute führte England schon mit 2:0, dann drehte die deutsche Mannschaft das Spiel durch Tore von Beckenbauer und Seeler und das Siegtor durch Gerd Müller in der Verlängerung.

Im Halbfinale Deutschland gegen Italien setzen die Mannschaften dann noch eins drauf. Vom „Spiel des Jahrhunderts“ reden und schreiben die Kommentatoren. In der dramatischen Partie rettet ausgerechnet Italien-Legionär Schnellinger durch ein Tor in der 90. Minute die deutsche Mannschaft in die Verlängerung. Dort fallen noch fünf weitere Treffer. Hin und her wogt das Spiel. Doch auch zwei Tore von Gerd Müller reichen nicht, um ins Endspiel einzuziehen. Das bestreitet Italien gegen Brasilien. hg

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