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Ehemaliger Vorsitzender von „Mühldorf ist bunt“

Hoch engagiert und stolz auf Waldkraiburg: Warum Harthmut Lang erstmal eine Pause braucht

Mit der Kunst der Seele eine Sprache geben: Die Kunsttherapie half Hartmuth Lang bei seinen Problemen, damit hatte er selber Erfolg – wie hier in der Flüchtlingsarbeit.
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Mit der Kunst der Seele eine Sprache geben: Die Kunsttherapie half Hartmuth Lang bei seinen Problemen, damit hatte er selber Erfolg – wie hier in der Flüchtlingsarbeit.
  • Jörg Eschenfelder
    VonJörg Eschenfelder
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Harthmut Lang ist stolzer Waldkraiburger, engagiert, diskussionsfreudig und in der Stadt bekannt wie der berühmte bunte Hund. Doch jetzt tritt er kürzer. Wie er wurde, wer er ist, warum er eine Pause braucht und was danach geplant ist.

Waldkraiburg – Hartmuth Lang sitzt entspannt auf seiner Couch. Seine Kaffeetasse hat er neben sich auf der Sitzfläche abgestellt. Es besteht nie eine Gefahr, dass sie umkippt. Der 63-Jährige ruht in sich. Er ist entspannt. Auch dann, wenn er von den Wendepunkten seines Lebens erzählt.

Lang ist bekannt – unter anderem als Vorsitzender des Vereins „Mühldorf ist bunt“, als unerschrockener Diskutant mit Andersdenkenden. Damit ist Schluss. Denn auch Langs Kraft und Energie sind nur begrenzt. Er braucht jetzt Ruhe und muss auf seine Gesundheit achten.

Engagement fordert seinen Tribut

„Wir haben vor Kurzem unser drittes Enkelkind bekommen“, freut sich Lang. Gleichzeitig hat er in der Familie einen Pflegefall und als Kunsttherapeut in einer heilpädagogischen Tagesstätte einen sehr fordernden Beruf. Außerdem muss er wegen Corona immer wieder in der Pflege aushelfen. Hinzu kam abends und an den Wochenenden sein ehrenamtliches Engagement. „Ich muss jetzt einfach herunterfahren.“ Nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Daher hat er vor einiger Zeit den Vorsitz bei „Mühldorf ist bunt“ in jüngere Hände gegeben. „Ich bin aber nicht ausgetreten.“ Er nimmt sich „nur“ eine Auszeit. „Nächstes Jahr gehe ich in Rente. Dann werde ich sicher wieder das eine oder andere Projekt machen.“

Ehrenamtliches Engagement gehört zu ihm wie seine sonore Stimme, sein Stolz auf Waldkraiburg, seine Familie und seine Kunst. „Ich werde es vermissen.“ Es sei wichtig, „auch was für die Allgemeinheit“ zu tun, den Egoismus zurückzustellen und auch mal zu verzichten. „Mir kann es doch nur gut gehen, wenn es auch der Gesellschaft gut geht. Zum Glück gehört für mich, wenn ich jemandem geholfen habe.“

Warum er stolz auf Waldkraiburg ist

Lang wuchs mit vier Brüdern und einer Schwester in Waldkraiburg Süd auf. Anders als seine Brüder und zwei seiner drei Töchter blieb er Zeit seines Lebens in Waldkraiburg. Hier sind seine Wurzeln. Hier ist seine Heimat. Als Jugendlicher war er in der katholischen Jugend aktiv und hat damals freiwillig in der Stiftung Attl gearbeitet. Erstes ehrenamtliches Engagement, aber (noch) kein Lebensthema.

Damals entstand sein „Stolz auf Waldkraiburg“. „Hier gibt es immer schon ein Zusammen, ein Wir. Bei uns waren in der katholischen Jugend von den Hauptschülern bis zu den Gymnasiasten alle in einer Gruppe. Auch Türken. Das war überhaupt kein Problem.“

Anfang der 1980er-Jahre verschlug es den gelernten Installateur als Schlosser in das Münchner Heizkraftwerk Süd. Als der Grüne Punkt und die Mülltrennung aufkamen, rutschte er in die Abfallbrache und wurde Entsorgungsberater: zunächst rund um München, dann bayern- und schließlich bundesweit. 20 Jahre lang. Um fünf Uhr früh fuhr er von Waldkraiburg los, telefonierte und verhandelte im Auto. Anschließend folgte Termin auf Termin, und abends schrieb er im Hotel E-Mails. „Ich kam nicht zum Abschalten.“ Er lebte mehr aus dem Koffer als in Waldkraiburg.

Ein Knall als Glückfall

2012 dann der Knall. „Ich hatte einen Burn-Out.“ Und Lang kam in Berührung mit der Kunsttherapie. Der Knall wurde zum radikalen Neuanfang.

Mit der Kunst Menschen zu helfen, „mit der Kunst der Seele und den Gefühlen eine Sprache zu geben“, das begeisterte und fesselte ihn. Lang machte neben seiner Arbeit eine vierjährige Ausbildung zum Kunsttherapeuten und sammelte damit in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit erste Erfahrungen.

2017 folgte mit 58 Jahren der Schnitt: Er kündigte, suchte sich eine Stelle als Kunsttherapeut und, da die damals noch rar waren, machte er noch Ausbildungen zum Pflege- und Betreuungsassistenten.

Auszeit von der Lebensaufgabe

Lang ist zufrieden: „Ich hatte immer das Glück, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein und die richtigen Impulse zu bekommen. Es freut mich, dass ich es mit Malen geschafft habe.“ Lang hat seine Lebensaufgabe gefunden. Doch jetzt braucht er erneut eine Auszeit.

Lang wäre nicht Lang, wenn er für die Zeit danach nicht schon Pläne hätte: Sei es im Verein „Mühldorf ist bunt“ oder für seine Heimatstadt. Er hat aber auch private Projekte wie Wanderungen entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, und natürlich möchte er wieder Malen. Auch wenn Hartmuth Lang jetzt kürzer tritt, könnte er mit Paulchen Panther sagen: „Ich komme wieder; keine Frage.“

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