Mehrjährige Haftstrafen

Harte Drogen für fast 100.000 Euro waren für Konsumenten im Raum Waldkraiburg bestimmt

Ein halbes Kilo Kokain wollten die Angeklagten im Raum Waldkraiburg verkaufen.
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Ein halbes Kilo Kokain wollten die Angeklagten im Raum Waldkraiburg verkaufen.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Im dreitägigen Drogenprozess gegen zwei albanische Staatsangehörige, die zwischen März und Dezember 2019 Endkonsumenten im Raum Waldkraiburg mit Betäubungsmitteln versorgt hatten, verhängte das Landgericht Traunstein am Dienstag zwei Haftstrafen – fünf Jahre neun Monate gegen einen 36-Jährigen und zwei Jahre neun Monate gegen einen 22-Jährigen.

Traunstein/Waldkraiburg – Der Jüngere hatte vor der Sechsten Strafkammer ein Geständnis abgelegt, der andere einen Teil der Vorwürfe bis zuletzt zurück gewiesen.

„Nur 500 Gramm“ Kokain

Staatsanwältin Linda Arnótfalvy bezeichnete im Plädoyer die Vorwürfe der Anklage als nahezu bestätigt. Einzig die Zahl der Drogengeschäfte beider Männer im ersten Tatkomplex sei etwas zu reduzieren. Der zweite Vorwurf mit Übernahme von Kokain von einer Frau in Ismaning bei München durch den 36-Jährigen und Weiterverkauf durch den 22-Jährigen beziehungsweise einen Dritten sei durch Aussagen anderer Beteiligter bewiesen. Zugunsten der Angeklagten sei nicht von Heroin, sondern von dem nicht ganz so gefährlichen Kokain sowie nicht von einem Kilo, sondern von „nur 500 Gramm“ auszugehen.

Immense Menge für den Straßenverkauf

Nicht glaubhaft sei die Behauptung des 36-Jährigen, er sei nur „Bunkerhalter“ in Waldkraiburg für den eigentlichen Hintermann gewesen. „Er war selbst Täter“, so die Staatsanwältin. Beide Angeklagte seien selbst Rauschgiftkonsumenten gewesen. Strafschärfend wirke die „immense Menge harter Drogen mit einem Straßenverkaufspreis von knapp 100 000 Euro“.

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Für den 22-Jährigen, der mit seinen Angaben zur weiteren Aufklärung beigetragen habe, forderte Arnótfalvy eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, dazu einen Wertersatz von 9000 Euro. Der 36-Jährige habe Kontakt zu Hinterleuten gehabt und mit 485 Gramm eine große Menge Kokain gelagert. Er solle für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis und Wertersatz in Höhe von 21 000 Euro leisten.

Den Jüngeren wie einen Diener gehalten

Der nicht vorbestrafte 22-Jährige habe im Auftrag des Mitangeklagten gehandelt, hob Verteidiger Dr. Kai Wagler aus München heraus. Noch bevor der 36-Jährige vernommen worden sei, habe sein Mandant ein volles Geständnis abgelegt und „wertvolle Aufklärungshilfe“ geleistet. Der 22-Jährige sei nach Deutschland gekommen, um auf dem Bau zu arbeiten. Der 36-Jährige habe ihn „in den Betäubungsmittelhandel verstrickt und zum Drogenkonsum gebracht“.

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Die Rauschgiftportionen zum Weiterverkauf habe der Jüngere bereits abgepackt erhalten und Namen von Abnehmern genannt bekommen. „Er ist wie ein Diener gehalten worden. Er war der Blöde im Spiel und hat weniger Geld erhalten.“ Eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten sei ausreichend.

Verteidiger zweifelt Glaubwürdigkeit einer Zeugin an

Der 36-Jährige habe mit den Drogengeschäften einen wesentlichen Teil der Anklage eingeräumt, betonte dessen Verteidiger Martin Lämmlein aus Mühldorf. Bei dem Vorwurf mit den 500 Gramm Kokain aus Ismaning widersprach er der Staatsanwältin. Er habe Zweifel an der Glaubwürdigkeit einer Zeugin. In diesem Punkt sei sein Mandant frei zu sprechen. Die in seiner Wohnung sichergestellte Rauschgiftmenge von 485 Gramm Kokain habe nicht ihm gehört. Er habe die Drogen nur für den Hintermann gebunkert, so der Verteidiger. Insgesamt forderte er eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren für den 36-Jährigen.

Geständnis wirkt strafmildernd für 22-Jährigen

Das Urteil der Strafkammer lag nahe an den Schlussanträgen der Staatsanwältin. Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler unterstrich, ein Angeklagter dürfe „schweigen und auch lügen“. Doch ein Geständnis habe Auswirkungen auf die Höhe der Strafe. Bei dem 22-Jährigen sei das Gericht von insgesamt acht Fällen des unerlaubten Handels mit sowie illegalem Erwerb von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ausgegangen.

Bei dem 36-Jährigen lägen neun Fälle des Handelstreibens und mehrere Fälle des Erwerbs vor. Ein wichtiger Zeuge zu der Sache mit dem Kokain in Ismaning habe nicht geladen werden können, weil er nicht erreichbar gewesen sei. Ein weiteres Abwarten wäre nicht verhältnismäßig gewesen, so die Vorsitzende Richterin. Dennoch sei auch dieser Tatkomplex nachgewiesen.

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