Harmlose Räuber

Kaum senkt sich die Dunkelheit, kommen sie hervor: Hexen, Vampire und Untote haben ihren Auftritt.

Das Grauen zieht von Haustür zu Haustür. Es ist wieder Halloween. Beim Gedanken daran verbarrikadiert sich so mancher in seiner Wohnung, ignoriert das Sturmklingeln an der Tür. Andere ergeben sich ihrem Schicksal, wenn die kleinen Räubergangs an der Schwelle stehen und Süßigkeiten haben wollen. Halloween-Freunde können es selbst gar nicht erwarten, die Kindergruppen zu erschrecken.

Bluttriefende Monster, kleine gruselige Zombies und zähnefletschende Vampire allerorten. Gruselig, aber nur auf den ersten Blick. Denn wenn dann ein klappriges Skelett mit netter Kinderstimme „Süßes oder Saures“ einfordert, kann eigentlich keiner mehr böse sein. So schnell wie es aus der Dunkelheit aufgetaucht ist, so geschwind schluckt es die Nacht wieder. Daheim in der warmen Stube teilen Monster, Zombies und Skelette brüderlich ihre erbeuteten Süßigkeiten.

Doch leider ist das oft nur die Vorhut in der Halloween-Nacht, der Spuk geht weiter in die zweite Runde. Hier ist leider oft Schluss mit lustig. Statt Süßigkeiten zu erpressen, ziehen Jugendliche alkoholisiert um die Häuser und schlagen über die Stränge. Wildes Klopfen an Fenstern, Leute erschrecken oder Eier auf Hauswände werfen. Was als schlechter Scherz gedacht ist, wird oft schnell ein Fall für die Polizei. Davor hat Polizeichef Georg Deibl kurz vor Halloween auch gewarnt.

Beschmierte Briefkästen, ein kaputter Zaun oder brennende Papiertonnen: Mit Spaß und Gruseln hat das selbst unter dem Deckmantel von Halloween nichts mehr zu tun. Schaurige Gestalten und Süßigkeiten erpressen ja, Sachbeschädigung nein. An alle, die Halloween als Spinnerei aus den USA abtun: Den wilden, aber harmlosen Räubern mit Zahnlücken sollte man an diesem einem Abend im Jahr seinen Spaß lassen. Es lässt sich eh nicht verhindern. Wer nicht will, muss die Haustüre ja nicht öffnen.

Während in der Nacht vor Allerheiligen an vielen Häusern die Türen aufgehen, geht im Sommer nächsten Jahres für Janez Smogavc – Wirt in St. Erasmus – eine Tür zu. Nach 17 Jahren wurde ihm der Pachtvertrag gekündigt. Unwiderruflich – das hat auch Eigentümer Anton Hinterwimmer bestätigt. Für die Vereine aus St. Erasmus und Pürten beginnt damit eine Hängepartie. Denn sie wissen jetzt noch nicht, wo sie nach dem Aus für Adria Grill unterkommen.

Das Dorf und der Wirt – nirgends hängt das so eng zusammen wie in Bayern. Um so bedauerlicher ist es, wenn das nächste Wirtshaus schließt, das Dorf einen zentralen Mittelpunkt verliert. Bleibt also zu hoffen, dass sich bald ein neuer Pächter findet und sich die Vereine erst gar nicht nach einem neuen Vereinslokal umschauen müssen.

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