Häuser schossen wie Pilze aus der Erde

Waldkraiburg und die Welt - Das rasche Bevölkerungswachstum der jungen Industriegemeinde Waldkraiburg wirft Probleme auf. In der Woche vor 50 Jahren berichtete die Heimatzeitung unter anderem, dass die erst 1954 erbaute Joseph-von-Eichendorff-Schule schon wieder zu klein ist.

In ganz Oberbayern finde sich kaum eine einem Landkreis zugehörige Gemeinde, die innerhalb von knapp neun Jahren «einen derart großen Bevölkerungszuwachs nachweisen kann», heißt es in einem Bericht der Zeitung. Nach jahrelangen Verhandlungen sei es gelungen, die Besitzverhältnisse in dem ehemaligen Rüstungsgelände zu regeln und die Grund- und Bodenpreise in einem erschwinglichen Rahmen zu halten. Die Folge: eine lebhafte Bautätigkeit. So habe die Gemeinnützige Wohnungs-. und Siedlungsgenossenschaft auf dem Bausektor «erhebliche Arbeit geleistet und zahlreichen Familien ein neues Heim geschaffen». Auch der Bau von Privathäusern nahm in beträchtlichem Umfang zu. Baugründe seien «schon recht rar geworden».

Seit der Gemeindegründung am 1. April 1950 bis Ende Januar 1959 ist die Zahl laut Zeitung auf 7418 Personen angewachsen. Mit der Bevölkerungsdichte wachsen auch die kommunalen Sorgen. «Heute schon zeigt es sich, daß die erst im Jahre 1954 erbaute Joseph-von-Eichendorff-Schule (die erste Waldkraiburger Volksschule, in der heute das Förderzentrum untergebracht ist, Anm. d. Redaktion) mit Schulraumnot zu kämpfen hat, denn ein Teil der 680 Volksschüler musste bereits in der Staatlichen Mittelschule Herberge nehmen.»

Und in einem weiteren Bericht heißt es über das Wachstum Waldkraiburgs: «Fast an allen Straßenzügen in den einzelnen Wohngebieten schossen die Häuser wie Pilze aus der Erde.» Der gemeindliche Bauausschuss behandelte 1958 278 Bauansuchen.

Bilder waren in den Ausgaben der Heimatzeitung vor 50 Jahren rar. «Eine der schönsten Fassaden Waldkraiburgs» wollte die Heimatzeitung den Lesern nicht vorenthalten: Es handelt sich um das damalige Schuhhaus Thalhammer an der Ecke Gablonzer-Glashüttenstraße (heute: Berliner Straße). Bis zum Umzug in die Stadtmitte befand sich vor wenigen Wochen das Fachgeschäft Wohnkultur Krause in diesen Räumen.

Was sonst noch im Landkreis geschah: Der Gemeinderat Kraiburg beschließt, wieder ein Schwimmbad zu bauen. Ein Argument ist dabei die positive Wirkung auf den Tourismus. Nicht von ungefähr steht der örtliche Verkehrsverein voll und ganz hinter dem Projekt. Es gelte, «den Gästen alles bieten zu können, was für einen jungen Ferienort wie Kraiburg möglich ist», schreibt die Zeitung.

In Aschau wird die Errichtung eines Hochhauses zurückgestellt, weil noch kein geeigneter Platz dafür gefunden sei und die Kosten zu hoch liegen.

Baron Otto von Feury, Vorsitzender des Bayerischen Bauernverbandes, würdigt in der Mitgliederversammlung des Fleckviehzuchtvereins Oberbayern-Ost die erfolgreiche Arbeit des Tierzuchtverbandes Mühldorf.

Heldenstein braucht wegen Seuchengefahr eine neue Wasserversorgung. «Das Landratsamt will nicht länger dulden, dass in dem Dorf gewöhnliches und stark verunreinigtes Bachwasser als Trinkwasser benutzt wird.»

«Mit Büchse und Kamera auf Jagd in Afrika» ist ein Bericht über eine Expedition überschrieben, die Professor Edelwald Hüttl, Lehrer an der Oberrealschule in Mühldorf (heute: Ruperti-Gymnasium) nach Französisch-Äquatorialafrika ins Tschad-gebiet führt. Der Professor gilt als Afrika-Experte. Eine seiner Reisen hatte ihn zusammen mit Oberrealschülern nach Marokko geführt.

Eine Nachricht aus dem Vatikan bringt es weltweit auf die Seiten der Zeitungen: Der erst 1958 gewählte Papst Johannes XXIII. will ein ökumenisches Konzil einberufen. Das kündigt er im Vatikan an und weckt damit große Hoffnungen. Wie aus Rom verlautet, soll dabei vor allem auch über Möglichkeiten zur Wiedervereinigung der griechisch- und russisch-orthodoxen Kirche mit der römisch-katholischen Kirche beraten werden.

Bundespräsident Profesor Dr. Theodor Heuss feiert seinen 75. Geburtstag.

Und zum Schluss noch eine Meldung in eigener Sache: Die Heimatzeitung, die bis dahin alle zwei Tage erschien, kommt ab sofort täglich heraus. hg

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