Da Gustl, da Woife und I

Er schreibt selten. Aber wenn er faxt, einmal im Jahr, dann hat er die Faxen dicke, der Schenk Gustl.

In dieser Woche war es wieder so weit. Der UWG-Stadtrat, der auch schon mal als Starkbier-Derblecker auftrat, hat der Redaktion die Leviten gelesen. Liebevoll, wie immer, aber bestimmt, macht er die Zeitung auf einen dicken Fehler aufmerksam: „Lieber Herr Grundner“, schreibt er, „wie können Sie unseren Bürgermeister zur CSU strafversetzen!“

Was war passiert? Im Bericht über den Verfahrensfortgang in Sachen Tierheim haben wir Robert Pötzsch gewissermaßen angeschwärzt. „CSU“ steht da in Klammern hinter seinem Namen. CSU statt UWG. Keine Frage, da hat sich die Redaktion in der Hausnummer vertan. Und kann allenfalls deshalb auf mildernde Umstände hoffen, weil sie noch ganz unter dem Eindruck der flammenden Basta-Rede von Stadträtin Susanne Engelmann (SPD) für ein neues Tierheim stand.

Die CSU hat sich von der Zeitung nicht irritieren lassen und in dieser Woche einen anderen Bürgermeisterkandidaten gewählt – Wolfgang Nadvornik. Der, so viel ist sicher, wird dem Wahlkampf 2020 in Waldkraiburg eine besondere Note geben.

Bei der CSU waren sie jedenfalls begeistert vom furiosen I-bin-da-Woife-und-do-bin-I-dahoam-Auftritt, mit dem der Ex-BR-Moderator Vorbehalten entgegen zu treten versucht. Viele zweifeln ja daran, dass der Promi, der hier zwar aufgewachsen ist, dessen Lebensmittelpunkt aber ein Vierteljahrhundert nicht Waldkraiburg war, wirklich was mit der Stadt am Hut hat.

Weil sie niemandem aus den eigenen Reihen zutraut, den Amtsinhaber aussichtsreich herauszufordern, setzt die Partei auf einen Seiteneinsteiger, auf diesen Seitensteiger. Ein Newcomer – wie Robert Pötzsch vor fünf Jahren – ein Bühnenprofi, ein Entertainer soll sie aus dem Jammertal holen, aus dem sie seit der Wahlniederlage 2014 nicht mehr herausgekommen ist.

Ob der Kommentator Kommunalpolitiker kann, Kümmerer, Waldkraiburger Bürgermeister? Das ist nach dem ersten – weitgehend unpolitischen – Statement dieser Woche schwer zu beurteilen. Fast sechs Monate haben Nadvornik und die CSU Zeit, den Wählern genau das zu beweisen. Auch, ob der Kandidat, der selber von sich sagt, kein typisches CSU-Gesicht, nicht mal ein typischer CSU-Wähler zu sein, also eher kein Konservativer ist, zur Partei passt, und sie zu ihm.

Wenn es ihm gelingt, mit einem etwas anderen Wahlkampf eher unpolitische Milieus, vor allem junge Leute zu erreichen, die in Waldkraiburg bisher in besonders großer Zahl Wahlen mieden, dann steigen seine Chancen. Das ist das Kalkül der CSU, die nicht zuletzt darauf setzt, dass ihr Kandidat mit seinen Stärken im Marketing in die Zeit passt. Die Vermittlung, die Kommunikation wird auch im kommunalpolitischen Geschäft immer wichtiger.

Eben das war in den vergangenen fünf Jahren nicht die größte Stärke des Bürgermeisters und der UWG, die einiges bewegt und sich noch mehr – vielleicht zu viel – vorgenommen haben. Und dabei manchmal versäumt, ihre Ziele und Visionen den Bürgern besser zu erklären. Auch dazu ist Wahlkampf da.

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