Grundwasserabsenkung in Kraiburger Baugebiet: Anwohner sorgen sich um ihre Keller

Der Aushubeiner Baugrube im Baugebiet „Kumpfmühle“ in Kraiburg im Herbst vergangenen Jahres hat vorübergehend zur Absenkung des Grundwasserspiegels geführt. Anlieger, deren Häuser im Wasser stehen, sind besorgt. Sie fürchten, dass der Druckausgleich nicht mehr gegeben ist und rechnen deshalb mit Folgeschäden, etwa Setzungsrissen in ihren Kellern, die erst in einigen Jahren auftreten. Das Ingenieurbüro, das für die Erschließung des Baugebiets verantwortlich ist, hält die Befürchtungen für unbegründet. Privat

Weil durch den Aushub einer großen Baugrube im neuen Baugebiet „Kumpfmühle“ in Kraiburg im Herbst der Grundwasserspiegel gefallen ist, haben Anwohner Alarm geschlagen. Sie befürchten Langzeitschäden an ihren Häusern.

Kraiburg– Das Ingenieurbüro, das für die Erschließung des Baugebiets verantwortlich ist, verweist darauf, dass sich der Grundwasserspiegel wieder auf der alten Höhe eingependelt habe. Schäden an Gebäuden seien nicht festgestellt worden.

Anlieger beschweren sich bei der Gemeinde

Christian Wimmer und eine ganze Reihe von weiteren Anwohnern der Prälat-Simmerstätter-Straße hatten sich bereits Ende Februar an die Gemeinde gewandt und um eine Prüfung gebeten, wer für eventuelle Schäden haftbar gemacht werden könne. Sie hatten bereits im Herbst beobachtet, dass der Grundwasserspiegel erheblich zurückging. „Wir haben einen unmittelbaren Zusammenhang festgestellt, zwischen dem Abpumpen des Grundwassers in der Baugrube und einem extremen Rückgang unseres Grundwassers in unseren Sickerschächten“, so die besorgten Anlieger. Seit 30 Jahren stehen ihre Häuser im Wasser. Sie befürchten daher, dass der Druckausgleich nicht mehr gegeben ist, die Häuser Setzungsrisse abbekommen und dadurch Feuchtigkeit eindringen könnte.

Ingenieurbüro: Maßnahmen vom Landratsamt überwacht

Das zuständige Ingenieurbüro, das die Gemeinde zu einer Stellungnahme aufgefordert hatte, hält die Befürchtungen für unbegründet. Die Grundwasserabsenkung durch die ausführende Baufirma sei anhand der Brunnen während der gesamten Maßnahme dokumentiert. Nach dem Abschalten der Pumpen habe sich das Grundwasser wieder auf die ursprüngliche Höhe eingependelt.

Das Büro räumt ein, dass bei Grundwasserabsenkungen die Gefahr von Setzungen an benachbarten Gebäuden bestehe, aber nur „wenn Feinteile aus dem Untergrund mittransportiert werden“. Um dies während der Arbeiten zu kontrollieren, habe man vor dem Einleiten in den Vorfluter einen Absetzcontainer situiert. „Das wurde auch vom Landratsamt besichtigt.“ Feinteile seien minimal – unter dem Grenzwert der Behörde von drei Millilitern pro Liter – festgestellt worden. „Ansonsten wäre die Maßnahme auch umgehend gestoppt worden.“

Keine Schäden festgestellt

Weil einige Grundwasserpumpen von Anwohnern trocken fielen, wurden laut Ingenieurbüro für die Dauer der Absenkung Provisorien errichtet. „Die Anlagen sind seit Beendigung der Arbeiten wieder in Betrieb. Schäden an Gebäuden wurden nicht festgestellt.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Das Ingenieurbüro bezweifelt, dass Grundwasser in den Sicherschächten vorhanden war oder ist, weil sonst die Versickerung des angeschlossenen Oberflächenwassers nicht reibungslos funktionieren würde.

Aufgrund der Erschütterungen während der Kanalarbeiten, nicht wegen der Ansenkung ders Grundwasserspiegels, sei in einem Mehrfamilienhaus in der Nachbarschaft ein Wandregal zerbrochen, Der Schaden wurde laut Stellungnahme über die Versicherung der Baufirma abgewickelt.

Ansprechpartner in einem Schadensfall, der mit der Baumaßnahme in Zusammenhang steht, ist die Behringer Grundstückserschließungs GmbH, die nach eigenen Angaben eine Bauherrenversicherung abgeschlossen hat.

Gemeinderat rät zu Beweissicherung

Die Befürchtungen der Anlieger sind mit dieser Stellungnahme aber nur zum Teil entkräftet. Das machte ein Anwohner in der Gemeinderatssitzung kurz vor der Corona-Krise deutlich. „Bis die Keller kaputt gehen, kann es Jahre dauern.“ Nach seinen Worten hatte es vor zwei Jahrzehnten in einer ähnlichen Situation in einem benachbarten Baugebiet schwere Schäden an Kellern gegeben. „Die Geschädigten haben mit dem Ofenrohr ins Gebirge geschaut. Wir haben Angst, dass das wieder passieren kann.“ Schließlich könne es da um Schäden im fünfstelligen Eurobereich gehen.

Lesen Sie auch:

Streit um Gewerbeansiedlung Kraiburg: Vorwurf der „Mauschelei“ zurückgewiesen

Schwarzbau mit Modellcharakter: Grüner Dachgarten hat viele Fans im Kraiburger Gemeinderat

Zu wenig Wasser im Wanklbach - Gemeinde Kraiburg will Antworten

Bürgermeister Dr. Herbert Heiml (CSU) und einige Gemeinderäte äußerten durchaus Verständnis für die Sorgen der Anwohner. Schäden müssten „sofort gemeldet werden, sobald sie auftreten“, sagte Werner Schreiber (SPD). Und Angelika Hefer (Grüne), die selbst im Bereich der „Ensdorfer Wiesen“ wohnt, erklärte: „Wir lassen das jetzt begutachten.“ Christian Schmidinger (CSU) forderte alle Anlieger auf, es den Hefers gleichzutun und einen Gutachter einzuschalten, um später den Beweis führen zu können,

Kommentare