"Grüner Gockel"wacht über Schöpfung

Hans-Gerhard Mühlstädt, der unermüdliche Leiter des Energie- und Umwelt-Projekts in der evangelischen Gemeinde (rechts), hält das Umweltgütesiegel "der Grüne Gockel" in Händen. Ihm gratulierten (von links) Umweltminister Marcel Huber, stellvertretende Landrätin Eva Köhr, Bürgermeister Siegfried Klika und Landrat Georg Huber. Foto fis
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Hans-Gerhard Mühlstädt, der unermüdliche Leiter des Energie- und Umwelt-Projekts in der evangelischen Gemeinde (rechts), hält das Umweltgütesiegel "der Grüne Gockel" in Händen. Ihm gratulierten (von links) Umweltminister Marcel Huber, stellvertretende Landrätin Eva Köhr, Bürgermeister Siegfried Klika und Landrat Georg Huber. Foto fis

In einem feierlichen Gottesdienst wurde am Sonntag in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde das landeskirchliche Umweltgütesiegel "Grüner Gockel" verliehen. Krähen braucht der im Moment in Waldkraiburg nicht.

Waldkraiburg - An diesem Umweltmanagement haben sich in Bayern bisher 103 evangelische Gemeinden beteiligt. Oberstes Ziel dabei ist es, zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen. Mit der Einführung des Programms, das auch die europäischen Öko-Audits erfüllt, will man teure Energie maßvoll nutzen, Einsparpotenziale erkennen, Investitionen planen und vor allem Verhaltensänderungen herbeiführen.

Derzeit braucht der "Grüne Gockel" jedoch am Martin-Luther-Platz nicht zu krähen; er soll sich ja nur rühren, wenn durch menschliches Handeln die Umwelt verachtet, zerstört oder missbraucht wird. Dies haben jedoch äußerst rührige Gemeindemitglieder unter der kompetenten Leitung von Hans-Gerhard Mühlstädt seit Beginn des Jahres 2010 unterbunden. Nach eingehenden Vorbesprechungen über die Vorgehensweise fand vor zweieinhalb Jahren die konstituierende Sitzung des "Grünen Gockels" statt und ein Umweltteam mit elf Mitgliedern und Auditor Jürgen Depner übernahm die weitere Arbeit, unterstützt von den beiden Pfarrern. Sehr bald musste man erkennen, dass vorerst nur das Kirchenzentrum am Martin-Luther-Platz mit seinen fünf Gebäuden nach verschiedenen Kriterien wie Wärmeenergie, Abfall, Strom oder Büroausstattung beurteilt und bis 2014 saniert werden sollte.

Beim Erntedankfest 2011 fand die Auftaktveranstaltung statt, wo zur Erinnerung an den Beginn der Aktion ein Bäumchen gepflanzt wurde, getreu Martin Luthers Überlegung: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen."

Die Hauptarbeit jedoch begann erst, nachdem in einem Umweltprogramm die Ziele formuliert worden waren. So will man etwa Wärmeenergie bis zu zehn Prozent einsparen durch Aufdoppelung der Fenster, den Stromverbrauch reduzieren durch verbesserte Leuchtmittel und Zeitschalter und die Wertstofftrennung noch effektiver durchführen.

Heuer im März folgten die "Empfehlungen für den Einkauf" im Gemeindebrief. Die Mitglieder wurden darin unter anderem aufgefordert, biologisch zertifizierte Lebens- und Reinigungsmittel zu verwenden, bei kleinen Betrieben vor Ort einzukaufen, den Kauf überflüssiger Waren zu vermeiden oder Produkte aus fairem Handel zu erstehen.

Diese mühevolle Arbeit des Umweltteams prüfte im Juni 2013 Auditor Bernd Brinkmann und sprach den Beteiligten ein dickes Lob aus. In über 30 Sitzungen hatte die Truppe um Hans-Gerhard Mühlstädt bis zur Zertifizierung im November ganze Arbeit geleistet.

"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt!" Dieses Lied stimmte beim Festgottesdienst ein auf die Überreichung der Zertifizierungsurkunde über das erfolgreiche Umweltmanagement. Dekan Peter Bertram übergab sie an Hans-Gerhard Mühlstädt, den unermüdlichen Leiter des Projekts, und damit an alle, die in der Gemeinde dem "Grünen Gockel" auf die Beine geholfen hatten. Sein Dank galt besonders dem Umweltteam "in Fußballmannschaftsstärke, das somit etwas Enkeltaugliches geschaffen hat." In seiner Predigt stellte der landeskirchliche Beauftragte für Umwelt- und Klimaverantwortung, Kirchenrat Dr. Wolfgang Schürger, deutlich heraus, dass die evangelische Gemeinde Waldkraiburg "genau auf die Stellschrauben geschaut habe, wo man selber etwas tun kann! Unser Umweltsystem kann gut funktionieren, wenn viele kleine Menschen viele kleine Schritte tun und andere mitreißen."

Der klimabedingte Taifun auf den Philippinen oder die extreme Regenfront, die im Sommer in Bayern einen Schaden über 1,5 Milliarden Euro verursacht hatte, seien deutliche Anzeichen, dass unsere Lebensbedingungen immer schlechter werden, so Umweltminister Dr. Marcel Huber beim anschließenden Empfang in der Bunkerkirche. "Der Staat wird`s nicht richten, wenn Partner wie die Wirtschaft und auch der einzelne Bürger nicht mitmachen." Deshalb sprach er der Waldkraiburger evangelischen Gemeinde seine besondere Anerkennung aus. Dem schlossen sich Landrat Georg Huber und Bürgermeister Siegfried Klika an: "Suchet der Stadt Bestes, strebt nach Nachhaltigkeit bei unseren Resourcen, übernehmt Verantwortung", war der übereinstimmende Wunsch.

Nach den Zukunftsplänen befragt, meinte Hans-Gerhard Mühlstädt abschließend, dass an den gesteckten Zielen kontinuierlich weitergearbeitet werde. Man strebt danach, das Zertifikat nach vier Jahren zu erneuern: "Nach dem Gockel ist vor dem Gockel." fis

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