Größte Investition der Stadtgeschichte: Waldkraiburg plant ein neues Rathaus

Noch keine Planung, sondern eine Gestaltungsskizze, die eine Ahnung vermittelt, wie ein neues Rathaus am Stadtplatz einmal ausschauen könnte.
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Noch keine Planung, sondern eine Gestaltungsskizze, die eine Ahnung vermittelt, wie ein neues Rathaus am Stadtplatz einmal ausschauen könnte.

Es geht um die größte Einzelinvestition in der Stadtgeschichte. Auf rund 24 Millionen Euro werden die Kosten für den Neubau eines Rathauses geschätzt. Im Stadtrat ist das Großprojekt wieder ein Stück näher gerückt.

Waldkraiburg– Mit 23 gegen 7 Stimmen hat sich das Gremium dafür ausgesprochen, einen Realisierungswettbewerb für ein neues Rathaus vorzubereiten und gleichzeitig einen Ideenwettbewerb, um die Entwicklungsmöglichkeiten rund um den Sartrouville-Platz aufzuzeigen.

Marode Substanz sorgt für Zeitdruck

Die Entscheidung über die Zukunft des Rathauses steht wegen des schlechten baulichen Zustands des fast 50 Jahre alten Gebäudes, vor allem der dazu gehörigen Tiefgarage unter großem Zeitdruck. Die Stadt muss sich für einen Weg entscheiden. Die Alternativen lauten Neubau oder Sanierung. Auch dafür müsste die Kommune viel Geld in die Hand nehmen, nach derzeitigen Schätzungen rund 20 Millionen Euro.

UWG geschlossen für den Neubau

Geschlossen für den Neubau ist die UWG-Fraktion. Deren Sprecher Dr. Frieder Vielsack sieht im Neubau, der – vor dem bestehenden Rathaus – am Stadtplatz errichtet werden soll, eine „Riesen-Chance für eine attraktive Entwicklung der Innenstadt. „Wir müssen in die Lebensqualität und Attraktivität der Stadt für die kommenden Generationen investieren.“

Der „Ratsherrenhügel“ kommt weg

So viele Initiativen im Gastro- und Einzelhandelsbereich seien an den städtebaulichen Gegebenheiten gescheitert. Ein neues Rathaus schaffe die Voraussetzung, dass Stadtplatz und Sartrouville-Platz miteinander kommunizieren. „Der Ratsherrenhügel kommt damit weg.“ Vor allem die Gastronomie, auch der Einzelhandel könnten von einer neuen Stadtmitte profitieren, ist Vielsack überzeugt. Bislang fehle in Waldkraiburg „der Treffpunkt, wo die Leute gerne hingehen“.

Auch der schlechte Zustand des bestehenden Rathauses, das den modernen Anforderungen eines Verwaltungsgebäudes nicht mehr gerecht wird, spricht aus Sicht des UWG-Fraktionschefs für den Neubau.

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CSU-Sprecher Anton Sterr, dessen Fraktion den Beschluss mehrheitlich mitträgt, erwartet sich vom Ideenwettbewerb Fingerzeige für die Erweiterung von Gewerbeflächen und Wohnraum, die sich an den Möglichkeiten der Innenstadt orientiert sowie eine Betrachtung und Regelung des ruhenden und fließenden Verkehrs im Zentrum.

Breite Öffnung statt Minianbindung

Als Kernanliegen für den Realisierungswettbewerb zum Neubau nannte er eine „möglichst breite“ ebenerdige Öffnung des Stadtplatzes mit dem Sartrouville-Platz. Das dürfe keine „Minianbindung“ werden. Sterr: „Der Realisierungswettbewerb muss auch eine Kostensicherheit für die Investition erbringen.“ In der Vergangenheit seien notwendige Maßnahmen nicht am guten Willen des Stadtrates gescheitert, sondern an den finanziellen Möglichkeiten.

Stoppt Corona das Projekt?

Der Haushaltsvorbehalt gelte unverändert, zumal die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Stadt-Haushalt noch nicht seriös einzuschätzen seien. Der Beschluss sei „kein Freibrief, dass der Neubau tatsächlich realisiert wird“.

Die SPD-Fraktion stimmte gegen den Realisierungswettbewerb, weil er nur die Alternative Neubau, nicht aber die Sanierung untersucht. Fraktionssprecher Richard Fischer beharrt darauf, dass die Kosten für beide Alternativen untersucht werden müssten. Vorläufigen Schätzungen gehen von einer Differenz von vier Millionen Euro aus. „Wir haben so viele Baustellen, wir müssen mit jedem Pfennig rechnen.“ Deshalb sei ein genauer Kostenvergleich wichtig, zumal die Steuereinnahmen wegen Corona voraussichtlich zurückgehen.

„Sanierung wäre ein Fass ohne Boden“

„Auch die Sanierung kostet 20 Millionen Euro, die Probleme im Rathaus bleiben aber weiter bestehen“, sagt Christoph Arz, der die Fraktionsgemeinschaft Grüne/FDP vertritt, die den Rathaus-Neubau unterstützt. Mit dem Neubau eröffne sich die Möglichkeit einer grundlegenden Umgestaltung des Sartrouville-Platzes und des gesamten Areals, inklusive einer Verkehrsberuhigung und Flächenbegrünung.

Auch die AfD unterstützt den Neubau. „Die Sanierung würde zu einem Fass ohne Boden werden. Das wäre keine langfristige Lösung“, glaubt deren Fraktionssprecherin Tatjana Zapp. Wenn der Neubau kommt, sei der Sartrouville-Platz endlich nicht mehr abgehängt.

Bürgermeister Robert Pötzsch und 22 Stadträte stimmten dafür, den Architektenwettbewerb für den Neubau und den Ideenwettbewerb für das Umfeld anzugehen. Sieben Stadträte, die vier Mitglieder der SPD-Fraktion und drei Mitglieder der CSU-Fraktion, stimmten dagegen. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Wettbewerbe mit einem Büro vorzubereiten.

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