Gespräche an der Schmerzgrenze

Kraiburg - Gibt es eine Zukunft für die Bischof-Bernhard-Säle? Diese Frage kann auch nach einem Gespräch zwischen Gemeinderat, Kirchenverwaltung und Vereinen nicht beantwortet werden. Alles hängt jetzt von weiteren Verhandlungen zwischen Kommune und Kirche ab, die die Gemeinde so bald wie möglich suchen will.

Viel Zeit ist nicht mehr. Bis 31. März muss die Gemeinde ein Finanzierungskonzept für den Umbau der Säle im Bischof-Bernhard-Haus (BBH) und ein schlüssiges Betreiberkonzept vorlegen. Ansonsten will das erzbischöfliche Ordinariat, das 300.000 Euro zu den auf 1,6 Millionen Euro veranschlagten Umbaukosten beitragen will, den Abriss des Saalgebäudes vorantreiben und durch einen deutlich kleineren neuen Pfarrsaal im Haus ersetzen. Das geht aus einem Schreiben der erzbischöflichen Baukommission hervor, das Bürgermeister Michael Loher kürzlich im Gemeinderat vorstellte und das für großen Wirbel in der Marktgemeinde sorgt.

Das Interesse war entsprechend groß, als der von der Gemeinde beauftragte Architekt Josef Anglhuber jetzt im Stolzbräu seinen Entwurf für den Umbau präsentierte. Dieser umfasst unter anderem die energetische Sanierung und die behindertengerechte Ausstattung des Saalgebäudes, die Veränderung der Küchensituation, den Einbau größerer Garderoben und neuer Toiletten, die sich bislang weit entfernt im Keller befinden. Während weitere Brandschutzmaßnahmen erforderlich sind, damit die bis Mai 2009 erteilte vorläufige Betriebserlaubnis verlängert beziehungsweise auf Dauer erteilt werden kann, zielen die genannten infrastrukturellen Verbesserungen darauf, den Saal für einen Betreiber aus der Gastronomie oder dem Catering-Bereich attraktiv zu machen.

Anglhuber schätzt die Gesamtkosten auf rund 1,2 Millionen Euro. Dass sich die vom Ordinariat veranschlagte Summe von ursprünglich knapp 1,4 Millionen Euro auf nun 1,6 Millionen Euro erhöht hat, kann Anglhuber nicht nachvollziehen, weil die Baupreise zuletzt eher gesunken seien. Es handle sich um Schätzungen nach Kubatur. Da ist nach seiner Einschätzung noch Spielraum nach unten. Verbessert hat sich die Chance für den Umbau dadurch, dass mit dem neuen Maßnahmenpaket der Bundesregierung eine hohe Förderung für die energetische Sanierung in Aussicht steht. Ein Zuschuss von etwa 300.000 Euro könnte fließen, glaubt derArchitekt .

Nach dieser Rechnung wäre also eine Summe in der Größenordnung von 900.000 bis eine Million Euro zu finanzieren. Einige Maßnahmen seien verzichtbar oder könnten verschoben werden. Diese Hoffnung, die unter anderem Dr. Herbert Heiml, Zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins zum Erhalt der BBH-Säle, äußerte, teilen jedoch weder Anglhuber noch Vertreter der Kirche. Franz Scheitzeneder, beratendes Mitglied der Kirchenverwaltung und selbst Bauingenieur, verwies mit Nachdruck auf gesetzliche Vorgaben und aktuelle Standards etwa beim Umbau der Küche oder bei der Wärmedämmung. Er warnte davor «sich die Kosten schön zu reden». Unter diesen Standards «wird die Kirche sicher nicht mitmachen».

Wie Scheitzeneder, der von einer «ernsten Situation» sprach, so meinte auch Kirchenpfleger Robert Haider, das Ordinariat sei auf der Grundlage realistischer Zahlen und Planungen gesprächsbereit. Auch bei den 300.000 Euro Anschubfinanzierung sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, ist ihr Eindruck nach Gesprächen mit Vertretern des Ordinariats. Das jüngste Schreiben, das Heiml wie Bürgermeister Loher als «scharf» und «harsch» kritisierten, wertete Haider als Verhandlungsposition.

Der Kirchenpfleger erinnerte daran, dass die Kirche über 30 Jahre den Saal «mehr oder weniger umsonst» für die Allgemeinheit vorgehalten hatte. Für die Belange einer Pfarrei dieser Größe ist der mit über 400 Quadratmetern «wohl größte Pfarrsaal Bayerns» (Anglhuber) völlig überdimensioniert. Hinzu kommt der kleine Saal mit rund 150 Quadratmetern. Nach den erzbischöflichen Regularien reicht für eine Pfarrei mit rund 2400 Seelen ein Pfarrsaal mit rund 130 Quadratmetern.

Die Kirche wolle die Baulast für die Säle nicht mehr tragen und fordere Sicherheit in jeder Beziehung: schlüssige und nachhaltige Konzepte für die Finanzierung des Umbaus und den künftigen Betrieb, keine Einschränkungen des pfarrlichen Betriebs und keine neuen Baustellen in einigen Jahren. Aus diesem Grund lege das Ordinariat Wert darauf, dass der Umbau zeitgleich mit der geplanten Sanierung des gesamten BBH und des Pfarrhofs fertig wird.

Der Erhalt des Saalgebäudes ist aus Sicht von Architekt Anglhuber auch im Interesse des Ordinariates. Der Abriss und der Bau eines neuen Saales im 2. Obergeschoss des Hauses koste weit mehr als 300.000 Euro. Weil beim Abriss keine Großmaschinen eingesetzt werden können und weil beim aufwändigen Neubau des Pfarsaals der Denkmalschutz Probleme machen werde.

Die Kirche muss sich bewegen. Diese Erwartung äußerten nicht nur Bürgermeister Loher und sein Stellvertreter Heiml, den der Gemeinderat zum «Saalbeauftragten» gewählt hatte, diese Erwartung formulierten auch mehrere Teilnehmer der Diskussion. Einige Vereinsvertreter machten deutlich, dass sie keine Alternative zum Bischof-Bernhard-Saal sehen. Sie halten das Gebäude im Zentrum des Marktes als Veranstaltungsraum schlicht für unentbehrlich und appellierten deshalb zugleich an die Gemeinde, es nicht bei ihrem im Sommer vorgelegten Angebot von 300.000 Euro für den Umbau zu belassen.

Liegt überhaupt allen Beteiligten am Erhalt der Säle? Auch diese Frage wurde mehrfach gestellt - und von der Kirchenverwaltung für die kirchliche Seite wie von Bürgermeister und mehreren Gemeinderäten bejaht.

Doch es gibt eine «Schmerzgrenze». Das wurde deutlich und auch die Tatsache, dass sich Bürgermeister und Gemeinderäte noch nicht einig sind, wo diese Grenze liegt. Allein Herbert Heiml, der in Anlehnung an ein bekanntes Sprichwort die Säle im BBH «die Taube in der Hand» nannte, nahm Zahlen in den Mund: 400.000 oder 450.000 Euro Gemeindeanteil seien denkbar. Nie und nimmer werde die Gemeinde zu diesem Preis eine Alternative, noch dazu in dieser Lage, realisieren können.

Hermann Lichtenwimmer, Alfons Wastlhuber und Bürgermeister Loher verwiesen in diesem Zusammenhang aber auch auf zahlreiche notwendige Investitionen, auf Pflichtaufgaben der Gemeinde in der Schule, im Kindergarten, bei der Feuerwehr, im Bauhof. In den nächsten drei Jahren müsse die Gemeinde - ohne BBH - Investitionen in der Größenordnung von einer Million Euro schultern, so Loher. Er rechnete vor, dass die Pro-Kopf-Verschuldung von derzeit über tausend Euro dadurch noch einmal deutlich um rund 250 Euro steigen werde.

Und Lichtenwimmer verwies darauf, das die Zahl der Veranstaltungen zuletzt dramatisch zurückgegangen sei. Das werde sich mit dem Umbau und der Attraktivitätssteigerung wieder ändern, glauben die Befürworter. Kirchenpfleger Haider ist zuversichtlich, dass sich zusammen mit der örtlichen Gastronomie und auswärtigen Caterern ein Weg finden läst, die Verluste niedrig zu halten. Bei 15 bis 20 Veranstaltungen im Jahr könne es sicher nicht bleiben, so der Bürgermeister, der an die Vereine appellierte, den Saal intensiver zu nutzen.

Er versprach, zusammen mit Pfarrer Aneder und dem Planer so schnell wie möglich das Gespräch mit dem Ordinariat zu suchen. hg

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