Ein Geschichtsverein, der Geschichte gemacht hat

Erinnertean die Anfänge des Vereins: Erika Rahnsch (Bildmitte) im Gespräch mit Museumsleiterin Elke Keiper und Stadtarchivar Konrad Kern. fis
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Erinnertean die Anfänge des Vereins: Erika Rahnsch (Bildmitte) im Gespräch mit Museumsleiterin Elke Keiper und Stadtarchivar Konrad Kern. fis

Waldkraiburg – Der Förderverein Stadtmuseum genießt in Waldkraiburg und im Umkreis Anerkennung.

Das bewies die Tatsache, dass zum 30-jährigen Jubiläum fünf Bürgermeister ins Haus der Kultur kamen, außerdem viele Stadträte, Vertreter der Landsmannschaften und Heimatverbände aus dem Landkreis.

Vorsitzender Joachim Hellwig erinnerte an den 20. November, als im ehemaligen Gasthaus Rübezahl acht Personen den „Verein zur Sammlung und Bewahrung des Kulturgutes der Vertriebenen in Waldkraiburg“ ins Leben riefen, ohne voraussehen zu können, welchen Einfluss er auf die weitere Entwicklung der jungen Stadt nehmen würde.

Eine dieser „Gründer“ und Ehrenmitglied des Vereins, Erika Rahnsch, schöpfte im Gespräch mit Museumsleiterin Elke Keiper und Stadtarchivar Konrad Kern aus ihrem reichen Wissensschatz. Zwar stand ursprünglich die Haidaer Glasererzeugung im Fokus, doch allein mit diesen Mitgliedern war der Verein nicht tragbar. So wurde Archivgut gesammelt und von Erich Kieslich eine erste Ausstellung organisiert. „Zum Haidaer Fest kamen Hunderte von Leuten aus der gesamten Bundesrepublik und man begann, Kontakte mit tschechischen Bürgermeistern zu knüpfen“, so Rahnsch. Vieles von den Ausstellungen sammelte man in sogenannten „Findbüchern“, das sind über 200 Ordner, die in drei Dokumentenbänden zusammengefasst sind.

„Weder von der Glashütte noch von den zahlreichen Glas verarbeitenden Betrieben der Stadt ist etwas übrig geblieben; wir haben Ausstellungen organisiert und mitfinanziert.“ Dem konnten die beiden anderen anwesenden „Gründerväter“, Altbürgermeister Jochen Fischer und die Sudetendeutsche Landsmannschaft, vertreten durch Andreas Pawel, nur zustimmen.

Beiträge über Kunstwerke und Flurdenkmal

Mit Spannung erwartet wurde die Vorstellung von Heft 19 mit seinen 108 Seiten und 115 Abbildungen. Raffael Raaber, interessierter Heimatforscher, hatte sich in akribischer Arbeit mit 40 Kunstwerken von 26 Künstlern in der Stadt beschäftigt, etwa mit dem Wandbild an der Eichendorff-Schule, dem Turner- Denkmal im Jahnstadion und der „Sonne“ vor dem Haus der Kultur. In einem zweiten Aufsatz durchstreifte Raaber das Gebiet zwischen Ebing, Hausing und Waldkraiburg, spürte 31 Flurdenkmale mit bisher unbekannten historischen Daten auf, wie beispielsweise von der Mariensäule in Ebing oder den Gedenkkreuzen in Niederndorf.

Im Beitrag von Helga Mittermeier, der auch im Sudetendeutschen Archiv in München gelagert ist, werden die dramatischen Ereignisse der Nachkriegszeit im Sudetenland und in Pürten anschaulich in Erinnerung gebracht. Der Artikel von Archivar Konrad Kern hat die interessante, aber kurze Lebensgeschichte von Josef Esterbauer zum Inhalt. Kern war durch eine Grabplatte in der Kirche von St. Erasmus auf den Pallottiner- Missionar aufmerksam ge- worden, der 1891 bis 1892 in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun gewirkt hatte. In umfassenden Recherchen war der Archivar der Herkunft Esterbauers, des Ordensgründers Pallotti und der Tätigkeit des jungen Missionars nachgegangen. Manfred Fischer, Autor des Buches „Die Seltenhorn“, bedankte sich für die Neuauflage des Bandes, in die er weitere Details der bekannten Kraiburger Künstlerfamilie eingearbeitet hat.

Bürgermeister Robert Pötzsch gratulierte den Verantwortlichen des Vereins. Anerkennend stellte er he raus, dass auch die gegenwärtige Geschichte der Stadt und ihr Wandel in guten Händen liege und verwies beispielsweise auf die Entwicklung des ehemaligen Konengeländes und des Pürtener Dorfplatzes.

Eine heitere Note gab der Feier das Harfentrio mit Antonia Kapsegger, Sophie und Niklas Langwieder und ihrer Lehrerin Anneliese Brandstätter-Arnold. fis

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