Geschichten aus einer versunkenen Welt: Der „rote Max“ erinnert sich

Max Brymerinnert sich in „Mao in der bayerischen Provinz“ an viele Ereignisse aus seiner Zeit in Waldkraiburg. Hoffmann

Waldkraiburg – Vermutlich gibt es kaum eine K-Gruppe, in der er nicht Mitglied war.

Max Brym, bekennender Marxist und politisches Enfant terrible, der in den 1970er- und 1980er-Jahren in Waldkraiburg und im Landkreis Altötting als Agitator und Bürgerschreck berüchtigt war. Jetzt hat der 62-jährige Autor und Journalist, der heute in München lebt und bei der Partei „Die Linke“ Politik macht, ein Buch veröffentlicht: „Mao in der bayerischen Provinz“ erzählt Lokalgeschichte aus Linksaußen-Perspektive und erinnert an eine aufgewühlte politische Zeit.

Max Brym, damals Anhänger des politischen Systems der DDR und der Sowjetunion, hat mitgemischt, in den K-Gruppen der 1970er-Jahre, im Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD, als Herausgeber des „roten Landboten“ in Waldkraiburg.

Und er hat sich mit allen angelegt, mit Alt-Nazis und Vertriebenen-Funktionären, mit der SPD und deren damaligem Bürgermeister genauso wie mit der CSU, die ihn nicht mehr in ihren Veranstaltungen reden ließ. „Herr Brym betrachten Sie Ihre Wortmeldungen als gymnastische Übung“, ließ ihn der Ortsvorsitzende wissen. Nur CSU-Landrat Erich Rambold wollte mit ihm debattieren.

Brym erzählt von Skandalen, echten und vermeintlichen. Und der Autor, der selbst Jude ist, berichtet da rüber, wie er die Öffentlichkeit auf das KZ-Außenlager im Mühldorfer Hart aufmerksam machte.

Seine Aktivitäten, die zur Verbesserungen für die Arbeiter in den Betrieben führen sollten, führten nicht dazu, dass die Arbeiter in Scharen zu den Linksgruppen überliefen, im Gegenteil. „Unser Fehler war, dass wir diese Sympathien der Arbeiter bei konkreten Anliegen verwechselten mit Sympathien für unser maoistisches Programm.“ Immer mehr verloren die linken Gruppen der 1970er die Basis und wurden zur Sektierer-Erscheinung.

Dass die SPD später den Bürgermeisterposten und die Mehrheit im Stadtrat verlor, führt Brym auch auf die Eingemeindungen der ländlichen Ortsteile und die Ankunft der Spätaussiedler zurück, die aus einem sozialistischen System kamen, das auch er nicht hätte vertreten wollen. Überzeugter Marxist ist er bis heute geblieben. Viele können und wollen ihn auch deshalb nicht ernst nehmen, andere haben ihn wohl zu ernst genommen. 1991 hat Max Brym die Stadt verlassen.

Sporadisch ist er immer wieder zurückgekehrt, trat zuletzt wiederholt bei Veranstaltungen der Ortsgruppe der Partei Die Linke auf. So wird das auch am Freitag, 14. Februar, sein. Dann liest er ab 14 Uhr am Stadtplatz aus seinem Buch, das im Buchhandel erhältlich ist. sub/hg

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