Geschäftsführerin des KJR Mühldorf hört auf: „Es war nicht meine Aufgabe, bequem zu sein“

„Was uns verbindet“ – auf das Tanztheater, das der Bayerische Jugendring ausgezeichnet hat, ist Kristin Hüwel besonders stolz ist. Für sie ist dieses Projekt wie ein „krönender Abschluss“ ihrer Zeit beim Kreisjugendring. Grundner

„Man konnte viele schöne Dinge anstoßen“, sagt Kristin Hüwel über ihre Zeit im Kreisjugendring (. Vor acht Jahre hat die Theologin und Soziologin in schwierigen Zeiten die Geschäftsführung übernommen. Jetzt verlässt sie den KJR, mit dem Gefühl etwas bewegt zu haben.

Waldkraiburg – „Wenn man der Hüwel die Hand gibt, muss man danach die Finger zählen. Irgendwas bleibt immer bei ihr hängen.“ Das Bonmot von Altbürgermeister Siegfried Klika bringt es auf den Punkt: Die Geschäftsführerin des Kreisjugendrings (KJR) ist für ihr „einnehmendes Wesen“ unter Kommunalpolitikern berüchtigt. Acht Jahre lang hat sie konsequent an diesem Ruf gearbeitet – und dabei eine Menge für die Jugend und die Jugendverbände erreicht. Jetzt sucht die 52-Jährige eine neue berufliche Herausforderung.

Ungeduldige Netzwerkerin

Als Kristin Hüwel 2012 ihre Stelle antrat, brachte sie viele Qualifikationen für die Aufgabe mit. Nach dem Studium der evangelischen Theologie und der Soziologie, Psychologie und Pädagogik hatte sie in der Instituts- und in der Betriebsmarktforschung gearbeitet. Sie hat eine Trainerausbildung, war in Personalvermittlung und Erwachsenenbildung tätig. Bis heute ist sie Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Landshut und IHK-Prüferin. Vor allem aber ist sie hartnäckig. An ihrer Bürotür hängt ein Beweis: die Glückwünsche ihres Teams zum ersten Halbmarathon, den sie im Vorjahr gelaufen ist. Was sie sich vornimmt, schafft sie in der Regel auch.

„Ich habe gelernt, dass es gut ist, große Träume zu haben.“

„Ich habe gelernt, dass es gut ist, ungeduldig zu sein, große Träume zu haben und mich hemmungslos für wichtige Projekte in der Jugendarbeit einzusetzen“, sagt Hüwel. „Es war nicht meine Aufgabe, bequem zu sein.“

Wer für die Jugendarbeit Verantwortung trägt, darf nicht erwarten, dass er ständig offene Türen einrennt. Der eine Kommunalpolitiker rückt kein Geld raus, weil Jugendliche Laternen am Marktplatz ausgetreten haben, vom anderen gibt es keinen Zuschuss, weil Jugendliche nicht auffällig waren. In diesem Spannungsfeld arbeitete auch der KJR Mühldorf. Und Landrat Georg Huber ließ sie bei Dienstantritt wissen, dass sich der KJR jetzt erst mal beweisen müsse.

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Kaum hatte sie sich in ihrem Büro eingerichtet, ging die Netzwerkerin an die Arbeit, besuchte jeden Bürgermeister im Landkreis, um ihre Pläne und Vorhaben vorzustellen. „Es war wichtig, den Kommunalpolitikern zu zeigen, dass wir Dinge, die wir versprechen, auch halten.“

2019 erstmals Rücklagen gebildet

Hüwel erinnert sich noch gut daran, als sie als Geschäftsführerin mit zwei FSJ‘lern auf einer 20-Stunden-Stelle saß und mit einem Landkreis-Zuschuss in Höhe von 114 000 Euro zurecht kommen musste. „22 000 Euro fehlten im ersten Jahr, um die Geschäftsstelle überhaupt bewirtschaften zu können.“ Sieben Jahre später ist die Geschäftsstelle anders aufgestellt: mit zwei Pädagogenstellen, einer Verwaltungsmitarbeiterin, zwei FSJ’lern, zwei festen Honorarkräften und der 30-Stunden-Stelle für die Geschäftsführung.

Im Haushalt 2019 habe der KJR erstmals Rücklagen bilden können. 2020 beträgt der Zuschuss des Landkreises 245 000 Euro.

Gut 600 000 Euro Fördergelder akquiriert

Gut und gerne 600 000 Euro, vermutlich mehr, habe sie in den vergangenen Jahren an Fördergeldern aufgetrieben, vom Bayerischen Jugendring und Bezirksjugendring, vom Bezirk und vom Land, von der Sparkassenstiftung. Es sei wohl eine ihrer Stärken, Gelder zu akquirieren und Anträge zu stellen, sagt sie selbstbewusst.

Akzente in der Medienpädagogik

Dabei ist das Geld nur Mittel zum Zweck, um etwas zu bewegen in der Arbeit mit jungen Leuten. Zum Beispiel im Bereich der Medienpädagogik. Das Medienmobil des KJR ist eingeführt bei Verbänden und in Schulen. „Die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen hat sich verändert. Vieles findet auch im Netz statt“, sagt Hüwel. „Davor die Augen zu verschließen, ist Quatsch.“ Es gehe vielmehr darum, Gefahren und Chancen aufzuzeigen. „Wir müssen den Kindern beibringen, mit der Realität, in der sie leben, verantwortungsvoll und emanzipiert umzugehen.“

Erziehung zu Toleranz und Demokratie hat sich zu einem weiteren thematischen Schwerpunkt entwickelt. „Ich wünsche den Jugendlichen eine kritische Auseinandersetzung, immer auf dem Boden des Grundgesetzes und der Rechtsstaatlichkeit, ohne menschenverachtende Parolen.“

Ärger mit der AfD

Als evangelischer Christin seien ihr auch da christliche Werte wichtig. Für Demokratie und Toleranz hat sich die KJR-Geschäftsführerin auch als Vorsitzende des landkreisweiten Netzwerks „Mühldorf ist bunt“ eingesetzt. In beiden Funktionen sah sie sich heftiger Kritik und Anfeindungen von Rechts ausgesetzt. Öffentlich wurde der Konflikt mit der AfD. Diese forderte den Kreisjugendring auf, die Jugendgruppe des türkisch-islamischen Ditib-Verbandes auszuschließen, und die Verantwortlichen in der Kreispolitik, dem KJR andernfalls Zuschüsse zu streichen.

„Da muss man auch mal den Kopf hinhalten und klare Kante zeigen.“ Konfliktscheu war Hüwel nie.

Tanztheater mit jungen Ausländern war ein „krönender Abschluss“

Emotional kann die scheidende KJR-Managerin werden, wenn ein „Herzensprojekt“ gelingt. Zum Beispiel das Tanztheater „Was uns verbindet“, das der Bayerische Jugendring mit einem Preis für vielfältige und Rassismus-kritische Jugendarbeit ausgezeichnet hat. Die viele Arbeit mit den jungen Leuten aus den unterschiedlichsten Bereichen und Milieus, vor allem auch den Geflüchteten, und einigen Profis hat sich gelohnt. Bei jeder Aufführung seien ihr die Tränen gekommen. „Es ist wie ein krönender Abschluss“, sagt sie über das Stück, das am 2. Juli noch einmal im Haus der Kultur zu sehen sein wird, und für die Eröffnung der Chiemgauer Kulturtage im Gespräch ist.

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Dass sich die jungen Leute und die Jugendorganisationen was trauen, das wünscht sie ihnen für die Zukunft. Dass sie ihre Themen, ihre Anliegen, ihre Forderungen vorbringen. Und sie beobachtet, dass die Jugend wieder mehr Interesse an politischen Themen hat. „Als ich anfing, war das schwierig.“

Geschäftsführung soll zum 1. April wieder besetzt werden

Wer auf Hüwel folgt, steht noch nicht fest. Die Aufgabe ist ausgeschrieben. Gesucht wird ein Pädagoge oder eine Betriebswirtschaftlerin. Im besten Fall soll die Stelle am 1. April wieder besetzt sein.

Das Büro in der KJR-Geschäftsstelle in der Braunauer Straße in Waldkraiburg hat Kristin Hüwel schon geräumt, Ende März endet ihr Arbeitsverhältnis. Bis dahin stehen noch einige Termine an, unter anderem die Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten am 27. Februar, die der Kreisjugendring gemeinsam mit dem Gewerbeverband und der VHS organisiert.

Künftig als Business- und Privatcoach unteewegs

Bei einem medienpädagogischen Projekt mischt Hüwel auch nach dem 31. März noch mit. Sie bleibt dem Kreisjugendring also noch eine Weile treu. So wie sich die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, die in Westfalen aufgewachsen ist, trotz ihres Umzugs nach Niederbayern dem Landkreis Mühldorf weiterhin verbunden fühlen wird. „Ich betrachte Mühldorf als meine Heimat.“

Beruflich will sie sich neuen Herausforderungen stellen. Hüwel macht sich selbstständig und wird künftig als Beraterin von Non-Profit-Organisationen und im Privat- und Business-Coaching arbeiten. „Und ich lerne noch was dazu.“ Die 52-Jährige bildet sich zur Resilienztrainerin fort. „Es ist wichtig, sorgsam mit unserer Zeit und unserem leben umzugehen.“

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