BISCHOF-BERNHARD-HAUS

„Gesamtkunstwerk“ ist abgeschlossen

Das neue Bischof-Bernhard-Haus atmet Geschichte: Ein Blick in das Treppenhaus mit Arkadengang. aris
+
Das neue Bischof-Bernhard-Haus atmet Geschichte: Ein Blick in das Treppenhaus mit Arkadengang. aris

Die Bauarbeiten am Bischof-Bernhard-Haus am Marktplatz 32 in Kraiburg sind abgeschlossen. „Ein Gesamtkunstwerk“, lautet das Fazit von Bürgermeister Dr. Herbert Heiml, der das Projekt unermüdlich vorangetrieben hatte.

Kraiburg – Seit diesem Wochenende wird im Bischof-Bernhard-Haus auf Hochtouren geputzt. Zwar ist noch der ein oder andere Handwerker am arbeiten, aber der finalen Einweihung des gesamten Bischof-Bernhard-Hauses am Sonntag, 22. Oktober, durch Weihbischof Bernhard Haßlberger steht nichts mehr im Wege. Nach jahrzehntelangen harten Diskussionen und einem Spagat zwischen Denkmalschutz und Brandschutzauflagen ist es am Ende ein Prestigeobjekt geworden, eine gelungene Mischung aus modernem Design im historischen Gewand. „Das Gebäude ist ein Gesamtkunstwerk und das gotische Foyer mit den Säulen ist das Sahnehäubchen“, freut sich der Bürgermeister.

Im Februar konnten bereits die Bauarbeiten im hinteren Gebäudebereich abgeschlossen werden. Diesen Teil erwarb die Gemeinde Kraiburg von der Kirche auf Erbpacht und ließ ihn renovieren. Während in dem neuen Saal bereits Hochzeiten und Bälle gefeiert wurden, dauerten die Sanierungsarbeiten im vorderen Teil an. Der befindet sich weiterhin im Besitz der Kirche. Hier wird nun die Pfarrei einziehen. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist auch der Zugang über den Marktplatz wieder möglich.

Neben Verwaltungs- und Veranstaltungsräumen und einem Musikzimmer mit Akustikdecke sind im Pfarrzentrum in den oberen Stockwerken Schauräume für kunsthistorische Gegenstände entstanden. „Das geschichtsträchtige Gebäude hat sich als neues Zuhause für zahlreiche Exponate aus verschiedenen Filialkirchen angeboten“, erklärt Pfarrer Michael Seifert. Darunter sind Messgewänder, Kelche, Monstranzen, Gemälde und Heiligenfiguren, die einer seiner Vorgänger, Pfarrer Hamberger, in Kraiburg zwischengelagert hatte. Auch eine Monstranz aus dem 18. Jahrhundert wird zu sehen sein, die aktuell noch als Leihgabe in Freising steht.

„Viele Exponate sind Raritäten, wie etwa das spätgotische Tafelgemälde mit der Kreuzigung Christi oder eine Skulptur des Hl. Sebastian aus dem Umfeld der Wasserburger Bildhauerfamilie Zürn“, sagt die Kunsthistorikerin Natalie Glas, die für die Kunstabteilung des Erzbischöflichen Ordinariats in München das Schaudepot betreut. „Schaudepot“ ist wörtlich zu verstehen. „Es ist kein Museum mit laufenden Öffnungszeiten. Sehr wohl sollen Interessierte die Objekte besichtigen können, die in den Räumen fachgerecht deponiert sind“, so Pfarrer Seifert.

Auch die Architektur selbst ist Teil des Konzeptes. Freigelegte Decken lassen Stuckarbeiten erkennen, barocke Türstöcke, Böden und Wandstellen geben Einblicke in alte Bautechniken und Materialien. Ausführendes Architekturbüro war aris aus Kraiburg.

Die Baukosten belaufen sich laut Bürgermeister Heiml auf rund 2,2 Millionen Euro: „Über die Hälfte sind brandschutzindiziert“, betont er. Bezuschusst wurde der Bau mit rund 825 000 Euro Fördergeldern. Weitere 200 000 Euro können voraussichtlich nachgefördert werden. Die Kirche beteiligte sich mit rund 300 000 Euro, hinzu kommen Einnahmen aus der Rückvermietung des kleinen Saals an die Pfarrgemeinde in Höhe von insgesamt 150 000 Euro. „Ein Neubau wäre nicht günstiger gewesen und das Gebäude in so exponierter Lage wertet zudem den gesamten Marktplatz auf“, so Heiml.

Gemeinde und Kirche erhoffen sich gleichermaßen neue Impulse fürs Gemeindeleben. Mit den neuen Räumlichkeiten könne die Kirche ihr Angebot erweitern: „Jetzt müssen wir diesen Ort mit Leben füllen“, so Pfarrer Seifert.

Kommentare