Geplantes Gewerbegebiet in Aschau: Es kommt zum dritten Bürgerentscheid

Mit 394 gültigen Unterschriften ist das Bürgerbegehren gegen das geplante Gewerbegebiet formell und materiell gültig. Parallel dazu soll ein Ratsbegehren auf den Weg gebracht werden. Archiv Lohmann

Das Bürgerbegehren gegen das geplante Gewerbegebiet bei Thann ist zulässig. 394 Unterschriften haben die Initiatoren um Lisa Sieber, Kreisvorsitzende der ödp, gesammelt. Parallel dazu will der Gemeinderat ein Ratsbegehren auf den Weg bringen.

Aschau – Ein etwa acht Hektar großes Gewerbegebiet soll bei Thann südlich und nördlich der Staatstraße 2352 entstehen. Doch seit Bekanntwerden der Pläne ist die Kritik groß. Die Gegner begründen ihr Bürgerbegehren damit, dass damit „massiv in den ländlichen Charakter und in das Landschaftsbild“ der Gemeinde eingegriffen wird. Für eine industrielle Weiterentwicklung würden im vorhandenen Industriegebiet Aschau-Werk noch Flächen zur Verfügung stehen.

Flächenverbrauch reduzieren

Das Gewerbegebiet würde „die Lebensqualität der Anwohner durch Lärm, Feinstaub, Schall- und Schmutzemissionen auf unzumutbare Weise“ beeinträchtigen. Eine gewerbliche Entwicklung soll daher vorrangig im Anschluss an das Industriegebiet oder an das neue Umspannwerk in Betracht gezogen werden. Damit würde aus Sicht der Bürgerinitiative die Infrastruktur am Kreisverkehr Aschau-Werk vermehrt genutzt und die verkehrstechnische Belastung für den Ort Aschau verringert. Um den Flächenverbrauch zu reduzieren, sollen leer stehende Gebäude als Entwicklungsmöglichkeiten für Gewerbe berücksichtigt werden.

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Insgesamt haben 394 Unterzeichner das Bürgerbegehren unterstützt. Nötig waren 258. Formell wie auch materiell ist das Bürgerbegehren damit zulässig. Einstimmig segnete der Gemeinderat die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens ab.

Doch die Bürger sollen innerhalb der nächsten drei Monate nicht nur über den Bürgerentscheid abstimmen. Zu Beginn der jüngsten Sitzung des Gemeinderats brachte zweiter Bürgermeister Manfred Römer (SPD) ein Ratsbegehren ins Spiel. „Die schweigende Mehrheit der Leute ist für das Gewerbegebiet.“ Daher soll der Gemeinderat ein Ratsbegehren auf den Weg bringen. Mit drei Gegenstimmen schloss sich das Gremium dem Antrag an. Dazu gibt es kommenden Dienstag eine Sondersitzung.

Bürgermeister Alois Salzeder (AWG) erklärte in der Sitzung noch einmal die Pläne für das Gewerbegebiet. Er ist davon überzeugt, dass es eine „schöne Entwicklung“ für die Gemeinde“ sei. Geplant seien dort kein Industriegebiet, sondern Betriebsleitergebäude mit angeschlossenem Gewerbe.

Durch Emissionen sollten Bürger nicht belästigt werden. „Andere Grundstücke waren nicht zu erwerben“, sagte Salzeder. Das Grundstück einer ehemaligen Kiesgrube sei belastet, die Entsorgung müsse der Eigentümer selbst bezahlen.

Über alternative Nutzung nachdenken

Nach Ansicht von Walter Kirsch (SPD) sei die Begründung des Bürgerbegehrens zum Teil außer Kraft. „Mit Halbwahrheiten hat man Unterschriften erhascht“, kritisierte er und erntete dafür von den Zuschauern wütende Zwischenrufe. So sei davon die Rede gewesen, dass eine Tankstelle und ein Discounter dort gebaut werden sollen. Beides davon soll aber nicht passieren, wie Bürgermeister Salzeder betonte.

Die Argumente der Bürgerinitiative kann dritte Bürgermeisterin Daniela Reingruber (CSU) nachvollziehen. „Das Ortsbild geht alle etwas an. Ich kann es verstehen, wenn jemand was dagegen hat.“ Man soll darüber nachdenken, ob die Entwicklung so in Ordnung sei oder ob es eine alternative Nutzung gebe. Eine, die besser als Gewerbe ist. „Mit Gewerbe zubauen ist der einfachste Weg. Der Einfachste ist nicht immer der Beste.“

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Die Entscheidung für das Gewerbegebiet sei nicht schnell gefallen, sagte Thomas Wintersteiger (CSU). Es sei ein längerer Prozess gewesen, an dessen Ende sich die Mehrheit dafür ausgesprochen hat. Mit dem Gewerbegebiet wolle man die Möglichkeit schaffen, Gewerbe und Wohnen künftig zu ermöglichen. „Im Industriegebiet ist das nicht gewünscht.“

Gertraud Langbauer (Freie Bürger) kritisierte, dass die Bürger nicht immer richtig informiert worden seien.

Einen genauen Termin für den Bürgerentscheid gibt es noch nicht. Dieser soll in der Sondersitzung für das Ratsbegehren Dienstag, 17. März festgelegt werden. Beginn ist um 19 Uhr.

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