Gemeinde sucht Pfarrer

Mit mindestens einem halben Jahr Vakanz musste die evangelische Kirchengemeinde Waldkraiburg nach dem Abschied des Pfarrerehepaars Peiser im Sommer 2014 rechnen. Doch längst zeichnet sich ab, dass auch im Herbst 2015 die erste Pfarrstelle nicht besetzt wird.

Waldkraiburg - Bis in das neue Jahr hinein habe man mit allen Prädikanten und Lektoren die Gottesdienste geplant, berichtet Beate Moser. Die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands will das nicht als "Zeichen von Pessimismus" verstanden wissen. Aber eine sorgfältige und langfristige Planung entlaste alle, die mithelfen. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass die 1. Pfarrstelle heuer besetzt werden kann. Auf die erste und die zweite Ausschreibung im Amtsblatt der evangelischen Landeskirche hatte es keine Bewerbungen gegeben. Die Ausschreibung läuft jetzt als so genannte "Erinnerung" im Amtsblatt. Das bedeutet auch: Das Besetzungsrecht, das diesmal eigentlich bei der Kirchengemeinde lag, ist auf die Landeskirche übergegangen.

Seit einem Jahr

keine Bewerbung

Die Frage, wer das letzte Wort bei der Besetzung hat, stellt die viel wichtigere Frage in den Schatten, wann endlich ein neuer Pfarrer, eine neue Pfarrerin in die Kirchengemeinde mit rund 4500 Gläubigen kommt. Eine Pfarre dieser Größe könne nicht von einem Pfarrer allein betreut werden, weiß Lars Schmidt. Der Theologe, der seit vielen Jahren die zweite Pfarrstelle besetzt, müht sich zusammen mit den vielen engagierten Ehrenamtlichen nach Kräften, alle anstehenden Aufgaben zu erfüllen und das Gemeindeleben in seiner großen Vielfalt aufrechtzuerhalten. Bislang ist das ohne gravierende Einschnitte in der Gemeinde gelungen.

Die Präsenz in der Stadt, nicht nur bei Einweihungen und Veranstaltungen, für die die evangelische Kirchengemeinde in Waldkraiburg immer stand, hat freilich abgenommen. Pfarrer Schmidt bedauert das. Und wenn im Sommer auch noch Martin Garmaier, der Leiter des katholischen Pfarrverbands, geht, werde es insgesamt schwieriger, in der Ökumene, bei Schulgottesdiensten und anderen Bereichen, fürchtet Schmidt.

Großes ehrenamtliches Engagement

"Wir machen ehrenamtlich noch mehr als sonst", sagt Beate Moser. "Das geht nur auf begrenzte Zeit." Auf Dauer sei das große Pensum nicht zu schaffen, weder für Pfarrer Schmidt noch für die Ehrenamtlichen.

Die Mitglieder im Kirchenvorstand, der Kirchenpfleger und viele andere Gemeindeglieder tun, was sie tun können. "Wir machen das gerne. Und es ist toll, dass uns Ehrenamtlichen das in der Landeskirche zugetraut wird", sagt Moser. Doch fast alle sind berufstätig in verantwortungsvollen Positionen.

Mit ihrem Engagement und der guten Zusammenarbeit in der Gemeinde machen Pfarrer Schmidt und die Ehrenamtlichen eigentlich beste Werbung in eigener Sache: Waldkraiburg hat in der Region den Ruf, eine lebendige und selbstständige Gemeinde zu sein, in der vieles auf dem Weg ist. Wo es schön und spannend sei zu arbeiten, wie Schmidt und Moser sagen.

Anspruchsvolle Aufgaben im Bereich der Verwaltung

Warum findet sich also kein Theologe für diese Aufgabe? Die Konkurrenz ist groß. Etwa 60 freie Pfarrstellen sind in der Landeskirche ausgeschrieben. Auch andere Gemeinden warten schon seit einem Jahr und mehr, weiß die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands. Die Besetzung von Pfarrerstellen wird ein Problem bleiben, weil sehr viele Pfarrer in der Landeskirche in den nächsten Jahren vor dem Ruhestand stehen.

Und die erste Pfarrstelle in Waldkraiburg gehört sicherlich zu den anspruchsvollen Stellen, vor allem im Hinblick auf die Verwaltungstätigkeit, die mit ihr verbunden ist. Zwei Kindergärten, ein Hort, zwei Krippen, Verantwortung für rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein Haushaltsvolumen von 2,2 Millionen Euro - das mag manchen abschrecken.

Manche Stellen mögen von der Lage her, etwa in den Bergen, attraktiver erscheinen, glaubt Pfarrer Schmidt.

Ein Problem sind auch die veränderten Lebensumstände. Anders als früher sei der Partner "nicht zwingend Pfarrer oder Pfarrersfrau", sagt Beate Moser. Er oder sie braucht einen passenden Arbeitsplatz in der Nähe. "Da zieht man nicht einfach so mal 300 Kilometer um."

"Man kann niemanden zwingen. In einer demokratisch verfassten Kirche ist das nicht möglich", so Lars Schmidt. Gedient wäre damit auch der Gemeinde nicht, die nichts unversucht lassen möchte. Der Kirchenvorstand hat deshalb in einem Schreiben an den Landeskirchenrat noch einmal eindringlich um Unterstüzung und um ein Gespräch mit Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler gebeten.

Kommentare