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FLUTKATASTROPHE IN SIMBACH

„Gefordert, wie nie zuvor im Leben“ - Jürgen Hanetzok aus Waldkraiburg erinnert sich

Ein Bild des Schreckens: Wassermassen wälzten sich durch das niederbayerische Ort Simbach. Nach anhaltendem Dauerregen wurde ein Teil des Landkreises Rottal-Inn vor fünf Jahren schwer von der Flutkatastrophe getroffen.
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Ein Bild des Schreckens: Wassermassen wälzten sich durch das niederbayerische Ort Simbach. Nach anhaltendem Dauerregen wurde ein Teil des Landkreises Rottal-Inn vor fünf Jahren schwer von der Flutkatastrophe getroffen.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Die Bilder werde er nie wieder aus dem Kopf bekommen. Zum fünften Mal jährt sich in diesen Tagen die schreckliche Flutkatastrophe von Simbach, bei der Rettungskräfte aus ganz Bayern im Einsatz waren. Jürgen Hanetzok aus Waldkraiburg ist einer von ihnen. Er erinnert sich an die Geschehnisse von damals.

Simbach/Waldkraiburg – Zum fünften Mal jährt sich in diesen Tagen die schreckliche Flutkatastrophe von Simbach, bei der unzählige Rettungskräfte aus dem weiten Umkreis im Einsatz waren. Jürgen Hanetzok aus Waldkraiburg ist einer von ihnen. Er erinnert sich an die dramatischen Geschehnisse von damals. Die Bilder werde er nie wieder aus dem Kopf bekommen.

Der technische Leiter der Kreiswasserwacht Mühldorf war im Juni 2016 als Abschnittleiter ‚Innstraße Nord‘ bei der Flutkatastrophe in Simbach gefordert „wie noch nie zuvor in meinen Leben“. Hanetzok: „Als damals der Piepser ging und uns die Leitstelle Traunstein nach Simbach mit dem Stichwort ‚Person im Inn‘ alarmierte, ahnte niemand, was hier auf uns zukam.“ Wegen der katastrophalen und völlig unklaren Situation und der Funkumstellung von analog auf digital sei die zuständige Leitstelle Passau nur schwer zu erreichen gewesen.

Zahlreiche Tote bei einer Jahrtausendflut

Es war eine Jahrtausendflut, die die niederbayerische Stadt damals heimsuchte. Fünf Menschen kamen in Simbach ums Leben, zwei weitere in Nachbargemeinden. Eine meterhohe Flutwelle rauschte durch den Ort, zerstörte Häuser, schwemmte Autos davon und riss Menschen in den Tod. Rasch machte sich eine große Zahl von Helfern und Rettungskräften aus der gesamten Region auf den Weg. Darunter auch viele aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf

Die eigenen Kameraden in Gefahr zu schicken, war eine enorme Verantwortung

„Am Marktplatz angekommen, musste ich nach wenigen Sekunden der Lageerkundung die ersten Befehle zur Rettung von Personen in akut lebensbedrohlichen Lagen erteilen“, berichtet Hanetzok.

„Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, woher die reißende Sturzflut kam. Die eigenen Kameraden in Gefahr zu schicken, war eine enorme Verantwortung.“ Als die Situation noch schwer überschaubar war, habe ihm ein Löschzug der Feuerwehr mitgeteilt, „dass in dem Einsatzabschnitt eine Gasexplosion mit einer verletzen Person gemeldet worden war“.

Erster Einsatz: Eine verletzte Person bei Gasexplosion

„Ein Feuerwehrtrupp, Rettungsassistent und Notarzt begaben sich ins Raft und eilten mit den Wasserrettern der Wasserwacht und der DLRG durch die Fluten zum Einsatzort.“ Vor Ort habe sich herausgestellt, dass es sich um einen Patienten mit schweren Verbrennungen handelte, der nicht per Boot transportfähig war. „Da genügend Hubschrauber in Simbach waren, konnte der Patient direkt ausgeflogen werden.“ Weitere medizinische Notfälle wie Unterzucker und ein Herzinfarkt mussten, neben den Menschenrettungen aus dem Wasser, zeitgleich koordiniert werden.

Bilder werden nie mehr aus dem Kopf verschwinden

„Die Bilder von dieser Katastrophe werde ich nie aus dem Kopf bekommen. Auch das Gefühl der Machtlosigkeit, nicht jedes Menschenleben retten zu können, werde ich nie vergessen“, so der Waldkraiburger, der sich auch an die herausragende Zusammenarbeit verschiedener Hilfsorganisationen erinnert. „Ich bin stolz, seit 28 Jahren Mitglied einer Hilfeleistungsorganisation zu sein.“

In der von dem Unglück heimgesuchten Gemeinde geht unterdessen das Leben weiter. Nach der Katastrophe waren Teile des Ortes durch die Verwüstungen für eine Weile zu einer regelrechten Geisterstadt geworden. Inzwischen präge die Katastrophe den Alltag in der 10  000-Einwohner-Stadt im Landkreis Rottal-Inn nicht mehr so stark, berichtete Bürgermeister Klaus Schmid (CSU) gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Einzelne Gebäude stünden noch leer und einige Baustellen seien noch nicht abgeschlossen, größtenteils sei aber wieder die Normalität eingekehrt.

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Jürgen Hanetzok
Jürgen Hanetzok (rote Jacke) damals beim Katastropheneinsatz in Simbach.

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