Diskussion im Stadtrat

Garagenhof statt Wohnungsbau: Waldkraiburg akzeptiert umstrittene Zwischenlösung

So könnte der Garagenhof mit 42 Stellplätzen aussehen, den die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft auf ihrem Areal an der Egerlönder Straße errichten will. Büro Kessner
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So könnte der Garagenhof mit 42 Stellplätzen aussehen, den die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft auf ihrem Areal an der Egerlönder Straße errichten will. Büro Kessner
  • Hans Grundner
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Ein Garagenhof mitten in der Stadt Waldkraiburg? Die Zwischenlösung, die die WSGW für ihr Areal an der Egerländer Straße im Sinn hat, ehe sie die Wohnbebauung fortsetzt, löste im Stadtentwicklungsausschuss keine Begeisterung aus.

Waldkraiburg – Das Büro- und Wohnhaus an der Berliner Straße steht. Doch die Bebauung des anschließenden Areals an der Egerländer Straße will die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg (WSGW) aus wirtschaftlichen Gründen verschieben. Als Zwischenlösung hat die WSGW einen Garagenhof vorgeschlagen. Vielen Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses ist die Zustimmung für diese Nutzung mitten im Zentrum nicht leicht gefallen.

Abriss der alten Wohnblöcke: WSGW rechnet mit Kosten von einer Million Euro

Die drei alten Wohnblöcke auf dem Genossenschaftsgelände stehen vor dem Abriss. Bis Ende 2021, Anfang 2022 werden die aufwendigen Abrissarbeiten dauern, hieß es in der Sitzung.

Die Genossenschaft kalkuliere wegen der hohen Schadstoffbelastung der Bausubstanz mit Kosten in Höhe von einer Million Euro, wie Geschäftsführer Werner Meisenecker auf Anfrage mitteilte.

25-Millionen-Neubauprojekt für Genossenschaft derzeit nicht finanzierbar

Einen neuen Gebäudekomplex mit rund 90 Mietwohnungen samt Tiefgarage, den die Genossenschaft errichten will, könne sie in absehbarer Zeit nicht realisieren, so Meisenecker weiter. Er spricht von Gesamtkosten in einer Größenordnung von 25 Millionen Euro. Das sei wirtschaftlich derzeit für die WSGW nicht darstellbar.

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Um alle Stellplätze für die bereits bestehenden Wohnungen im neuen Gebäude a der Berliner Straße nachzuweisen, schlägt die Genossenschaft vor, auf dem Areal vorübergehend einen Garagenhof zu errichten. Geplant sind sieben Garagengebäuden mit 42 Stellplätzen. Dafür beantragt die Genossenschaft keine Änderung des Bebauungsplanes, sondern eine Baugenehmigung mit Befreiung vom Bebauungsplan.

Zwischennutzung auf zehn Jahre befristet

Bauamtsleiter Carsten Schwunck stellte das Vorhaben im Ausschuss vor. Die Lösung mit den Fertiggaragen sei eine Zwischennutzung, befristet auf zehn Jahre. Er sprach sich für die Genehmigung aus. Denn „die WSGW war in der Vergangenheit immer ein sehr verlässlicher Partner“. Schwunck: „Das ist ein Vertrauensvorschuss“, doch die Genossenschaft habe ihre Zusagen immer eingehalten.

Von einer „guten Zwischenlösung“ sprach CSU-Fraktionschef Anton Sterr, „so lange man das Endziel nicht aus dem Blick verliert“. Die Garagen in der Stadtmitte würden sicher sehr gut angenommen. Richard Fischer (SPD) lobte die „kreative Zwischenlösung. Das passt so.“

Kritik aus der UWG-Fraktion

Kritische Stimmen wurden vor allem aus der UWG-Fraktion laut. „Das fügt sich nicht ein“, findet Christoph Vetter. „Ich bin nicht glücklich drüber.“ Seine Befürchtung: Aus der Zwischenlösung könnte ein Dauerzustand werden. „Nichts hält bekanntlich länger als ein Provisorium.“ Seine Forderung: Vor die Wände der Garagengebäude müsse eine schnell wachsende Bepflanzung.

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Noch deutlicher wurde sein Fraktionskollege Hans Vetter: „42 lieblos hingestellte Garagen finde ich nicht ok.“ Lockerer, gefälliger solle das Ganze werden, mit Holz und Begrünung. Eine „durchgehende Begrünung“ ist auch Umweltreferent Wolfgang Hintereder (UWG) wichtig und eine offene Gestaltung, damit auch der Spielplatz hinter den Garagengebäuden offener wirke.

Carsten Schwunck erinnerte daran, dass der Bebauungsplan einen geschlossenen Innenhof vorsehe, der öffentlich zugänglich sei. Die Anlagen der WSGW seien im Übrigen „in sehr gepflegtem Zustand. Da könnten sich andere Investoren eine Scheibe abschneiden.“

Begrünung ist ein Muss

Aus Sicht von Fraktionssprecher Dr. Frieder Vielsack ist die temporäre Garagennutzung „grundsätzlich vorstellbar“. Wichtig sei aber, dass der Charakter als kleiner Park erhalten bleibt. „Wenn die Front zur Straße begrünt wird, werde ich mit Zähneknirschen zustimmen.“

Ulli Maier (ÙWG) stellte sich hinter den Vorschlag und erinnerte daran, dass die Genossenschaft viele sehr ansprechende Projekte realisiert habe. Ob Carports eine auflockernde Wirkung hätten? Für Maier (UWG) macht das keinen Unterschied. „Ob Carports oder Garagen, überbaut ist der Platz so und so.“ Und Harald Jungbauer (CSU) ergänzte: Bei einer offenen Gestaltung mit Carports sehe man von der Straße lauter Parkplätze. „Das ist auch nicht so schön.“

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Er habe Verständnis für die wirtschaftlichen Gründe, die die WSGW angibt, so Maier. Ähnlich äußerte sich Ernst Schäffer (AfD): Die WSGW dürfe sich nicht übernehmen.

WSGW-Geschöftsführer: Es kommt auf die gefällige Gestaltung an

Geschäftsführer Werner Meisenecker äußert Verständnis für die Einwände der Stadträte. „Wir hatten diese Bedenken auch.“ Es komme auf das Gestaltungskonzept an. „Das wird kein normaler Garagenhof“, verspricht er. Planer Johannes Kessner habe bereits gefällige Gestaltungsvorschläge erarbeitet.

Am Ende der Diskussionen hat der Ausschuss die Anfrage einstimmig befürwortet.

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