Friedhofsgebühren steigen: Stadt Waldkraiburg setzt auf Kostentransparenz

Der parkähnliche Charakter des Waldkraiburger Waldfriedhofs macht seinen besonderen Charme aus. Das kostet freilich auch Geld, das die Stadt nicht auf die Gebührenzahler umlegen kann.
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Der parkähnliche Charakter des Waldkraiburger Waldfriedhofs macht seinen besonderen Charme aus. Das kostet freilich auch Geld, das die Stadt nicht auf die Gebührenzahler umlegen kann.

Die Stadt lässt sich den Waldfriedhof mit seinem parkähnlichen Charakter viel Geld kosten. Daran ändert sich auch mit der neuen Gebührensatzung nichts, die auf einem völlig neuen Kalkulationssytem beruht, das Kostentransparenz herstellen soll. Für die meisten Bestattungsformen müssen die Bürger künftig mehr Geld ausgeben.

Hans Grundner

Waldkraiburg– Zum 1. August wird eine neue Gebührensatzung für den Waldfriedhof wirksam. Ein völlig neues Kalkulationssystem ist die Grundlage. Für die meisten Bestattungsformen steigen die Gebühren in der Größenordnung zwischen zehn und 20 Prozent (siehe Infokasten). Es bleibt allerdings dabei: Ein Teil der Kosten, die im parkähnlichen Friedhof entstehen, wird nicht auf die Nutzer umgelegt. Das hat der Finanzausschuss bekräftigt.

Friedhof kostet 500 000 Euro im Jahr

Eine halbe Million Euro kostet der Waldfriedhof jedes Jahr, so die Prognose auf de Grundlage des Jahres 2019. Nicht alle Kosten können auf die Gebührenzahler umgelegt werden. Das machte Michael Wegener von der Firma Kubus im Ausschuss deutlich. Die Kommunalberatungsgesellschaft hatte die Stadt bei der Kalkulation unterstützt.

Für den Parkcharakter kommt Stadt auf

Gut 93 000 Euro, das entspricht 19 Prozent der Gesamtkosten, sind nicht umlagefähig. Für die Pflege des Teichs und der Baumflächen, die den parkähnlichen Charakter des Friedhofs ausmachen, kommt weiter die Stadt auf. Bleiben fast 410 000 Euro, die kostendeckend kalkuliert werden mussten.

Neu am Kalkulationssystem ist, dass die Hälfte dieser Kosten auf alle Gräber umgelegt werden. Das sind sogenannte grabartidentische Kosten für Unterhalt und Infrastruktur der Friedhofseinrichtung, die unabhängig von Größe oder Flächenverbrauch und anderen grabspezifischen Faktoren zu bezahlen sind und auf alle gleichermaßen verteilt werden. Die andere Hälfte verteilt sich auf die Gräber je nach Flächenverbrauch oder etwa Grabpflege durch die Stadt.

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Sechs Gebührenarten weist die neue Satzung aus: Der größte Anteil, gut 269 000 Euro, entfällt auf die Grabnutzungsgebühr für die Dauer von 15 Jahren bei Erwachsenen, gut 57 000 Euro auf die Bestattungsgebühren, etwa 25 000 Euro auf die Verwaltungsgebühren. Einige Leistungen in diesen Bereichen werden teuerer als die bisher gültigen Sätze, einzelne etwa bei der Grabfertigung günstiger.

Pauschale Grundgebühr für Friedhofsräume nicht mehr zulässig

Für die Nutzung der Aussegnungs- und der Leichenhalle sowie der Verabschiedungsräume hatte die Stadt bislang pauschal eine 212 Euro Grundgebühr erhoben. Das sei rechtlich nicht mehr zulässig, begründete Wegener eine gravierende Änderung. Weil nicht alle diese Räume genutzt werden müssten, dürfe keine pauschale Gebühr dafür erhoben werden. Über 29 000 Euro betragen die Kosten für die Aussegnungshalle, fast 39  000 Euro für die Leichenhalle, 12 000 Euro für die Verabschiedungsräume.

Friedhofsräume: Nutzung wird teuerer, aber nicht voll umgelegt

Diese Kosten werden nicht in voller Höhe umgelegt. Denn damit müssten die Nutzer aller drei Einrichtungen mehr als doppelt so viel bezahlen wie bisher. Es sei ein großes Anliegen der Verwaltung, eine gravierende Gebührenerhöhung zu vermeiden, sagt Norbert Meindl, der im Rathaus für den Friedhof zuständig ist. So sieht das auch der Finanzausschuss. Deshalb sollen im Rahmen des rechtlich Zulässigen nur 75 Prozent der Kosten für Leichenhalle und Aussegnungshalle und 50 Prozent für den Verabschiedungsraum umgelegt werden. Fast 23 000 Euro gehen damit laut Kalkulation zu Lasten des städtischen Haushalts.

Finanzausschuss einstimmig für die neue Satzung

Positiv bewertet CSU-Fraktionssprecher Anton Sterr, die neue Gebührensatzung. Der Bürger habe damit Kostenklarheit. „Er sieht, wofür er tatsächlich Gebühren zu zahlen hat, und kann wählen. Das finde ich gut.“ Außer den Gebühren für Leichen- und Aussegnungshalle seien alle Gebühren zu hundert Prozent kostendeckend. Als recht und billig sieht es UWG-Sprecher Frieder Vielsack an, dass die Kosten für die parkähnliche Gestaltung des Friedhofs, der als schönster Friedhof im Landkreis ausgezeichnet wurde, weiterhin die Allgemeinheit trägt. Einstimmig hat der Ausschuss die Gebührensatzung befürwortet, die der Stadtrat endgültig beschließen muss, ehe sie am 1. August in Kraft treten kann.

Der Waldfriedhof: Zahlen und Fakten

Der städtische Waldfriedhof ist einer der größten Friedhöfe in der Region. 2547 Erdgräber sind belegt, dazu kommen laut einer Statistik der Stadt nahezu doppelt so viele belegte Urnengräber. Laut Norbert Meindl, der in der Stadtverwaltung für den Friedhof zuständig ist, steigt der Anteil der Urnenbestattungen immer weiter. 2019 entschieden sich schon etwa 70 Prozent für eine Urnenbestattung.

Die neue Gebührensatzung wirkt sich für häufige Bestattungsformen wie folgt aus; zwei Beispiele.

• Erdbestattung in Reihenlage mit zwei Särgen übereinander: 1381 Euro (bisher 1115 Euro). Die neue Gebühr setzt sich aus 645 Euro Grabnutzung, 414 Euro Grabfertigung/Tieflage, 129 Euro Nutzung Leichenhalle, 133 Euro Nutzung Aussegnungshalle, 60 Euro Nutzung Verabschiedungsräume zusammen.

• Urnenkreis (inklusive Grabplege durch die Stadt): 1005 Euro Grabnutzung, 48 Euro Urnenbeisetzung, 86 Euro Leichenhalle, 133 Euro Aussegnungshalle, 60 Euro Verabschiedungs- räume.

Seit Kurzem gibt es im Waldfriedhof die Möglichkeit der Baumbestattung und der Bestattung in einem Rosengarten. Auf der Grundlage der neuen Kalkulation stehen jetzt auch dafür die Gebührensätze fest:

Grabnutzungsgebühr Familienbaum für acht Urnenbeisetzungen inklusive Pflege durch die Stadt: 3311 Euro (220 Euro pro Jahr); Grabnutzungsgebühr Gemeinschaftsbaum:t 465 Euro (31 Euro pro Jahr); Grabnutzungsgebühr Rosengarten: 940 Euro (62 Euro pro Jahr). Dazu kommen die Gebühren für die Beisetzung und die Nutzung der Einrichtungen.

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