Die Freundschaft endet vor Gericht: Wie aus einem Freundschaftdienst eine Morddrohung wird

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Ohne Führerschein im fremden Auto unterwegs und dann auch noch das: 29-jähriger Syrer aus Neumarkt-St. Veit muss sich vor dem Amtsgericht in Mühldorf der versuchten Erpressung verantworten. Er war ausgeflippt und hatte massive Drohungen gegen eine Familie ausgestoßen.

Mühldorf– Erst waren sie Freunde, dann plötzlich nicht mehr. Am Ende standen sogar Morddrohrungen. Weil eine frühere Freundschaft in Hass umgeschlagen war, stand ein 29-jähriger Syrer aus Neumarkt-St. Veit nun vor dem Mühldorfer Amtsgericht.

Der 29-jähriger Syrer aus Neumarkt-St. Veit war ursprünglich mit dem 27-jähriger Iraker aus Waldkraiburg befreundet. Unter Freunden hilft man sich ja bekanntlich, teilt auch gelegentlich. Nun war der Syrer im Laufe des vergangenen Jahres zu einem Vorstellungsgespräch in Töging geladen, hatte aber weder Auto noch Führerschein. So lieh er sich das Fahrzeug seines irakischen Freundes aus und fuhr zu seinem Termin. So weit, so gut.

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Nun aber plagten den Iraker plötzlich Gewissensbisse, weil sein Freund ohne Führerschein mit seinem Auto gefahren war.

Und was machte er? Er ging zur Polizei und zeigte ihn an. Die Geschichte ging ihren behördlichen Weg, der Syrer wurde wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt und im November 2018 zu einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro verurteilt.

Erst Auto geliehen, dann angezeigt

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende: Den Iraker plagten nämlich weiterhin Gewissensbisse, diesmal, weil er seinen Freund bei der Polizei hingehängt hatte. Er bot ihm daher an, die Geldstrafe zu übernehmen. Und schon eskalierte das Ganze.

Denn der Syrer wollte nun plötzlich nicht nur die ihm auferlegte Strafe bezahlt haben, sondern auch die Gerichts- und Anwaltskosten, zusätzlich die 150 Euro, die seinem Schwager – der bei der Fahrt ohne Führerschein Beifahrer gewesen war – aufgebrummt worden waren. Das Blöde daran: Dem Iraker war das dann doch des Guten zu viel, er weigerte sich nun, überhaupt irgendetwas zu bezahlen.

Syrer flippt aus, droht mit dem Tod

Daraufhin flippte der Syrer aus: Er begann, seinen Freund zu bedrohen – wenn dieser ihm nicht das ihm zustehende Geld gebe, werde er seine Schwester und seine Familie angreifen und ihn selbst töten. Dies sagte er nicht nur in einem Gespräch, er teilte dies auch in mehreren Kurznachrichten über die Applikation „WhatsApp“ mit. Die Folge: Der Iraker ging zur Polizei, jetzt kam es zum Prozess.

Vorwurf der versuchten Erpressung

Rechtsreferendarin Tanja Rumpf von der Staatsanwaltschaft Traunstein warf dem Syrer versuchte Erpressung vor. Richter Florian Greifenstein hatte dazu den Iraker als Zeugen geladen. Bei der Einvernahme bestätigte dieser die Bedrohung durch seinen nun ehemaligen Freund, was dieser und sein Rechtsanwalt Axel Reiter im Wesentlichen einräumten. Tanja Rumpf plädierte auf eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 40 Euro. Sie hielt dem Angeklagten zugute, dass er geständig und reuig gewesen sei. Die Bedrohungen aber seien dagegen doch von massivster Art gewesen.

Richter spricht von Nötigung

Rechtsanwalt Axel Reiter vertrat die Ansicht, dass sein Mandant gemeint hatte, ihm stehe das Geld seines Ex-Kumpels zu. Dieser sei es ja auch gewesen, der ihn bei der Polizei angezeigt habe. Erst als dieser aber plötzlich nicht zahlen wollte, habe er sich zu den Bedrohungen hinreißen lassen. Reiter forderte eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 20 Euro.

Richter Greifenstein folgte den beiden Rechtsvertretern in ihrer Argumentation. Es sah sich aber vor ein Problem gestellt: Ob es sich juristisch gesehen um eine Erpressung oder „nur „um eine Nötigung handelt, beides in einem versuchten Fall. Es war, so Greifenstein, dem Angeklagten nicht nachzuweisen, dass er sich habe bereichern wollen.

Da er eine Familie mit drei Kindern ernähren muss, sei der Angeklagte finanziell nicht so gut gestellt. Auch könne der Richter nicht verstehen, warum der Iraker seinen Freund angezeigt habe.

Daher beließ es Greifenstein auf den Tatbestand der versuchten Nötigung. Er verhängte eine Strafe von 40 Tagessätzen zu 30 Euro. Die Freundschaft zwischen dem Syrer und dem Iraker wird diese Strafe jedoch nicht mehr kitten.

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