Frauenhelfen FrauenundauchSchülern

Bot viel Gesprächsstoff bei der Eröffnung: die Ausstellung "Echt krass", die Schülerinnen und Schüler ermöglicht, sich mit einzelnen Aspekten von Sexismus, sexueller Gewalt und Schutzrechten auseinanderzusetzen. Noch bis 3. Juli läuft die Ausstellung auf Initiative des Vereins Frauen helfen Frauen am Gymnasium. Rund 500 Jugendliche aus verschiedenen Schulen wird Sozialpädagogin Monika Binder (Zweite von links) beim Ausstellungsbesuch begleiten und betreuen. Foto fis
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Bot viel Gesprächsstoff bei der Eröffnung: die Ausstellung "Echt krass", die Schülerinnen und Schüler ermöglicht, sich mit einzelnen Aspekten von Sexismus, sexueller Gewalt und Schutzrechten auseinanderzusetzen. Noch bis 3. Juli läuft die Ausstellung auf Initiative des Vereins Frauen helfen Frauen am Gymnasium. Rund 500 Jugendliche aus verschiedenen Schulen wird Sozialpädagogin Monika Binder (Zweite von links) beim Ausstellungsbesuch begleiten und betreuen. Foto fis

Wo hört der Spaß auf? Antworten auf diese Frage gibt die interaktive Ausstellung "Echt krass".

Seit Montag läuft sie im Gymnasium Waldkraiburg, um Mädchen und Jungen zu stärken, sexuelle Grenzverletzungen wahrzunehmen, sich gegen Übergriffe zu wehren und frühzeitig Hilfe zu holen.

Waldkraiburg - Es ist dem Verein "Frauen helfen Frauen" zu verdanken, dass die Ausstellung im Waldkraiburger Gymnasium zu sehen ist. Sie bietet den Jugendlichen ab der 8. Klasse einen Erlebnisrahmen, in dem sie sich spielerisch und handlungsorientiert mit den einzelnen Aspekten von Sexismus, sexueller Gewalt und Schutzrechten auseinandersetzen können. 13 Prozent aller Mädchen und drei Prozent aller Jungen zwischen 14 und 16 Jahren bezeichnen sich selbst als Opfer.

Maximilian Pöschl, Missbrauchsbeauftragter am Gymnasium, wies bei der Eröffnung der Ausstellung an zwei konkreten Vorfällen auf die notwendige Zusammenarbeit von Lehrkräften und Eltern hin und dankte dem Verein "Frauen helfen Frauen", dass dieses unbequeme Thema durch die Ausstellung gezielt angegangen werden kann.

Die Vorsitzende von "Frauen helfen Frauen", Anne Markt, wiederum verwies auf die großzügige finanzielle Unterstützung durch "Suibamoond", das Hilfsprojekt für sexuell und seelisch missbrauchte Kinder des Altöttinger Musikers Alfons Hasenknopf.

Angemeldet haben sich 25 Klassen aus Realschule, Gymnasium und Berufsschule, das sind über 500 Schüler, die die Sozialpädagogin Monika Binder in der Zeit bis 3. Juli begleiten und betreuen wird.

Binder stellte dar, dass die Opfer dieser sexuellen Gewalt meist zutiefst beschämt, verängstigt reagieren, was oft zur Depression, Sucht, ja sogar zum Suizid führt. Als Risikofaktoren wies sie auf das Miterleben häuslicher Gewalt hin, das sich sowohl in einer Verhaltensübernahme wie auch in der Opferrolle niederschlagen kann. Doch vor allem die Peer Group mit Gruppenzwang einerseits, aber auch als Stabilisierungsfaktor spielt eine Rolle. Neben sexueller Fehlkommunikation wurden besonders die neuen Medien, wie Handy und Co. Tatorte, Internet- Kuscheln gilt als Anbahnung von sexuellen Kontakten, eindeutige "Selfies" werden ans Herzblatt verschickt und Cyber-Mobbing ist vielfach die Regel", so Monika Binder. Die unglaublich vielschichtige Thematik der Ausstellung will vor allem aber auch deutlich machen, dass Sexualität positiv gelebt werden soll. Die Sozialpädagogin selbst ist neugierig, wie die fünf Stationen die Jugendlichen ansprechen werden: Jeder Schüler soll sich zwar einzeln mit der Ausstellung beschäftigen, jedoch auch angeregt werden, bei auftauchenden Fragen und Problemen den Kontakt zu Vertrauenspersonen zu suchen.

Und die zahlreichen Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung machten reichlich Gebrauch, das Konzept der spielerischen, interaktiven und alle Sinne ansprechenden Stationen zu erproben. In den telefonzellenartigen Kabinen konnte man zum Beispiel bei "Trial & Error" unterscheiden lernen zwischen nettem Flirt und blöder Anmache, herausfinden, welcher Sextyp man ist und erhielt per Kopfhörer Tipps zur Selbstbehauptung. Bei "Stopp & Go - Wo hört der Spaß auf?" strecken sich einem acht grapschende Gummihände entgegen und man erfährt unter anderem, dass ein spendierter Drink noch lange keine Verpflichtung zum Sex ist. "Love & Hate" empfängt mit Sprüchen wie "Guckt euch den Schwuchtel an!" und verdeutlicht die Angst vor Gruppendruck durch akustisches Herzklopfen. In "Sex Sells" wird man beobachtet von zahllosen Augenpaaren, bombardiert mit sexistischer Werbung; Pornografie und Übergriffe im Internet werden thematisiert. Die fünfte Kabine schließlich lässt den Zuhörer teilnehmen an einer Gerichtsverhandlung. "Law & Order" legt Tatsachen über Vergewaltigung, Sexualstraftaten und Gesetze sowie Folgen sexueller Gewalt offen. Die Besucher bei der Eröffnung waren von der Ausstellung beeindruckt. Immer wieder war die Meinung zu hören, dass mit den Jugendlichen sowohl im Elternhaus wie auch in der Schule frühzeitig auch kleinere Übergriffe besprochen und sanktioniert werden müssen. Nur so kann Täterkarrieren vorgebeugt werden und Opfer erfahren, dass sie nicht ausgeliefert bleiben. Es gibt zahlreiche Hilfsangebote an den Schulen, bei "Frauen helfen Frauen" oder in Hilfsnetzen wie www.nina-info.de, www.profamilia.de oder www.bke-beratung.de. fis

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