„Frauen helfen Frauen“: Frauennotruf kann Angebot ausbauen, braucht aber Unterstützung

Beim Verein „Frauen helfen Frauen“ stehen dieses Jahr viele Veränderungen ins Haus. Der Freistaat fördert seit Beginn des Jahres zwei Vollzeitstellen, weshalb das Beratungsangebot bis April auf 78 Stunden pro Woche ausgebaut werden kann. Der Ausbau macht aber auch einen Umzug in größere Räume nötig.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ kann seine Arbeit ausbauen. Seit Mitte Dezember hat der Verein die Zusage, dass die Regierung die Kosten für zwei Vollzeitstellen fördert. Der Verein trägt zehn Prozent der Kosten und ist damit künftig noch stärker auf Unterstützung angewiesen.

Von Raphaela Lohmann

Waldkraiburg – Statt bisher 18 Stunden wird bis April das Stundenkontingent für Beratung auf 78 Stunden pro Woche aufgestockt. Zwölf Stunden kommen für Geschäftsführung, Verwaltung und Prävention hinzu.

„Ein Gewinn für die Frauenarbeit, aber eine Mammutaufgabe für den Verein“, sagt Manuela Christ-Gerlsbeck, die beim Verein bisher allein 15 Stunden pro Woche die Beratungsarbeit übernommen hat. Bislang wurden mit 2340 Euro pro Jahr nur die Sachkosten gefördert. Die restlichen Kosten, auch die Personalkosten, hat der Verein über Spenden, Aktionen, Mitgliederbeiträge und freiwillige Zuschüsse finanziert.

Verein angewiesen auf Unterstützung

Nun ändert sich die Situation: Der Freistaat fördert seit Anfang des Jahres die Personalkosten mit 50 Prozent, 40 Prozent übernimmt der Landkreis. Die restlichen zehn Prozent bringt der Verein als Eigenmittel auf. Das machen etwa 15 000 Euro aus. Dazu kommen noch Kosten für Verwaltung und Geschäftsführun, die Sachkosten bleiben nun komplett beim Verein. „Die werden steigen“, sagt Manuela Christ-Gerlsbeck. Neue Arbeitsplätze werden gebraucht, außerdem werden mehr Fahrtkosten und Kosten für Fortbildung auf den Verein zukommen. Außerdem sei eine räumliche Veränderung nötig. „Für den Ausbau unseres Beratungsangebots reichen die jetzigen Räume nicht mehr aus.“ Der Beratungsstelle steht damit in diesem Jahr auch ein Umzug ins Haus. Über den Eigenanteil für das Personal hinaus wird der Verein weitere rund 25 000 Euro aufbringen müssen. Der Verein ist damit auf jede Unterstützung angewiesen.

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Etwa jede vierte Frau erfährt in ihrem Leben einmal Gewalt. Viele von ihnen habe der Frauennotruf bislang nicht erreicht – wegen beschränkter Beratungszeiten oder weil es den Frauen nur schwer möglich ist, nach Waldkraiburg zu kommen. Der Ausbau des Beratungsangebots bietet eine „absolute Verbesserung für Frauen“. Bis dato war der Frauennotruf Anlaufstelle für Frauen und Mädchen. Künftig können aber auch betroffene Jungen hier Hilfe suchen. Die größte Chance für Manuela Christ-Gerlsbeck: „Offensiv rausgehen und zeigen, dass wir da sind.“ Der Frauennotruf will jetzt verstärkt in den Landkreis gehen. Neben Hausbesuchen bei betroffenen Frauen seien auch Sprechstunden in Bürgerbüros denkbar. Das Gespräch mit den Kommunen will Manuela Christ-Gerlsbeck suchen. „Wir wollen es den Frauen, die sich für diesen Weg entschieden haben, leichter machen.“

Verzweiflung und Scham sind groß

Gewalt gegenüber Frauen passiere in vielen Bereichen, nicht nur innerhalb der Familie. Aufgrund einer Abhängigkeitsstruktur oder weil man Kindern die Familie nicht nehmen wolle, würden Frauen die Situation oft ertragen. Frauen, die sich über Jahre in einer Gewaltsituation befinden würden, hätten noch weniger die Chance auszubrechen. Die Verzweiflung und Scham Betroffenere sei groß. „Trotz vieler Verbesserungen: Es gibt noch immer einen Täterschutz“, sagt Manuela Christ-Gerlsbeck. Die Frau müsse die zusätzliche Bürde tragen, der Mann könne hingegen in sein altes Leben zurückkehren.

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Warum die Täter geschützt werden

Es gehe auch darum, die Gesellschaft zu sensibilisieren, denn: „Die Breite schaut immer noch weg.“ Daher richtet sich das Beratungsangebot auch an Fachkräfte, Nachbarn oder Arbeitskollegen, die Beobachtungen bei Frauen oder Kindern machen und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. „Unser oberstes Ziel ist Gewaltfreiheit, aber das ist unrealistisch. Die Menschen sollen allerdings erkennen, dass es in Ordnung ist, Hilfe anzunehmen.“

Auch im Vorstand des Vereins stehen Veränderung an. Bei der Jahreshauptversammlung tritt der gesamte Vorstand zurück. „Es wird nicht einfach, Nachfolgerinnen zu finden, auch wenn der Vorstand weniger Belastung haben wird als in der Vergangenheit.“

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