Forschungszentrum für Waldkraiburg: „Es geht voran“

Start in zwei bis drei Jahren realistisch: Professor Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosen- heim. RE
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Start in zwei bis drei Jahren realistisch: Professor Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosen- heim. RE
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Der Standort Waldkraiburg profitiert von der Hightech-Agenda des Freistaats, die Ministerpräsident Markus Söder bei der CSU-Fraktionsklausur im Kloster Seeon bekannt gemacht hat. Die Initiative betrifft auch das geplante Forschungszentrum für biobasierte Materialien.

Waldkraiburg/Rosenheim– Auch der Standort Waldkraiburg wird von der Hightech-Agenda des Freistaats profitieren, die Ministerpräsident Markus Söder bei der CSU-Fraktionsklausur im Kloster Seeon bekannt gemacht hat. Die Initiative, die bis 2023 bayernweit 13 200 neue Studienplätze und 250 an der Hochschule Rosenheimschaffen soll, betrifft auch das geplante Forschungszentrum für biobasierte Materialien.

Lehre in Mühldorf – Forschung in Waldkraiburg

„Ich sehe das sehr positiv“, kommentierte Bürgermeister Robert Pötzsch gestern die Ankündigung des Ministerpräsidenten. Er nehme dies als Zeichen dafür, dass die Hochschuleinrichtung in Waldkraiburg näher rückt. „Es geht voran.“

Wie viele andere Kommunalpolitiker war aber auch Pötzsch irritiert von der Mitteilung, dass bis 2023 „42 Studienplätze“ in Waldkraiburg entstehen. Bislang sei man davon ausgegangen, dass die Lehre am Hochschulstandort in Mühldorf angesiedelt ist, die Forschung in Waldkraiburg.

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Professor Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosenheim, der das Forschungszentrum angegliedert ist, stellte dies auf Anfrage klar: Es bleibt bei der geplanten Aufgabenteilung. In Waldkraiburg werde es keine klassische Studentenausbildung geben. Die 42 Studienplätze seien vielmehr ein Synonym für fünf Mitarbeiterstellen, mit denen das Technologietransferzentrum an den Start gehen soll.

Standort eng mit Burghausen und Rosenheim verbunden

Das Forschungszentrum besetzt ein wichtiges Zukunftsthema: die Entwicklung von Alternativen zu Kunststoffen auf fossiler Basis aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Der Standort Waldkraiburg ist dabei eng mit den Hochschulstandorten Burghausen (Chemie) und Rosenheim (Werkstoffwissenschaften) verbunden. Masterstudenten und Doktoranden, die dort studieren, werden in Waldkraiburg ihre Forschungsarbeiten erstellen können. Auch für Studierende der TU München und der Uni Regensburg soll diese Möglichkeit eröffnet werden. Gespräche laufen.

In zwei bis drei Jahren könnte das Forschungszentrum seine Arbeit aufnehmen. Das hält Köster für realistisch. „Das hängt davon ab, wann die Mittel konkret zugewiesen werden.“ Aber auch davon, wie die Firmen in der Stadt und der Region des Chemiedreiecks „bei den Forschungsaufträgen mitspielen“.

Dicke Bretter muss die Hochschule bohren, um die Spezialisten und Fachleute für das Forschungszentrum zu gewinnen. Eine kaufmännische Stelle mit Ingenieursbackground für die Leitung sei bereits besetzt, so Köster. Die wissenschaftliche Leitung sei ausgeschrieben. „Die Bewerberlage ist verhalten.“

Zwei mögliche Standorte in der engeren Wahl

Die Suche nach einem geeigneten Standort in Waldkraiburg läuft. Laut Bürgermeister Robert Pötzsch hat die Stadt in Gesprächen mit Planern und Vertretern der Hochschule drei mögliche Standorte vorgeschlagen. Einer komme nicht in Frage, weil der Platz für Erweiterungsmöglichkeiten fehle. Die beiden anderen, ein Grundstück in städtischem und eines in Privatbesitz, werden derzeit von der Hochschule geprüft. In beiden Fällen gehe es um eine Neubaulösung, so Pötzsch.

Für den CSU-Abgeordneten Marcel Huber, der sich seit Jahren für die Hochschuleinrichtung in Waldkraiburg stark macht, ist klar: Sollte es noch eines Beweises bedurft haben, so wird mit dieser Ankündigung deutlich: „Ministerpräsident Söder meint es ernst mit dem Forschungszentrum Waldkraiburg!“

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Bürgermeister Robert Pötzsch zweifelt nach den jüngsten Gesprächen mit der Hochschule nicht mehr daran. „Es ist erkennbar, dass das Projekt umgesetzt werden wird.“ Pötzsch begrüßt dies, auch die Tatsache, dass zwei Waldkraiburger Firmen eng in die Gespräche eingebunden seien. Der Bürgermeister: „Die Finanzierung bleibt natürlich ein großes Thema.“

Bürgermeister: Finanzierung bleibt ein strittiges Thema

Der Hochschulzweckverband Mühldorf-Waldkraiburg, dem die beiden Städte und der Landkreis angehören, muss die erforderlichen Gebäude bereitsstellen und deren Betriebsaufwand tragen. „Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass der Freistaat sich noch stärker an der Finanzierung der Hochschuleinrichtungen im Landkreis beteiligt.“ Einen Mietkostenzuschuss in Höhe von fünf Millionen Euro für zehn Jahre ist bereits zugesagt.

Was kann aus dem Forschungszentrum werden? Für konkrete Prognosen ist es zu früh, meint Hochschul-Präsident Köster, und ergänzt vorsichtig: „Wir streben eine Größenordnung 20 bis 40 Mitarbeitern an.“

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