Fokussiert: Bernd Schott hat nach Hirnblutung viele seiner Ziele erreicht

Nach seiner Gehirnblutung hat sich Bernd Schott zurück ins Leben gekämpft und ist auch als Sportschütze wieder erfolgreich. Die Paralympics in Tokio als Ziel schaffte er aber nicht. privat
  • Raphaela Lohmann
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Die Paralympics in Tokio 2020 waren sein großes Ziel. Erreicht hat er es leider nicht. Aber den Kampf zurück ins Leben nach einer Hirnblutung hat Bernd Schott gewonnen. Der Sport hat dem Schützen während seiner Genesung geholfen.

Waldkraiburg – Genau vor sechs Jahren hat ihn nach einer Stadtrats-Sitzung eine Putzfrau auf der Rathaus-Toilette gefunden. Sein „Lebensretter“, wie er sagt. Bluthochdruck in Verbindung mit Stress war die Ursache für die Hirnblutung. „Ich war an vielen Projekten beteiligt. Irgendwann war es zuviel, aber ich habe nichts dagegen unternommen“, erinnert er sich, der als Bautechniker bei den Stadtwerken beschäftigt ist. Anzeichen habe es keine gegeben, dass er unter Bluthochdruck leidet, habe er nicht einmal gewusst. Operation, künstliches Koma und fast zwei Jahre Reha-Aufenthalte folgen.

Geholfen hat der Schießsport

Schritt für Schritt kämpft er sich zurück in sein Leben. „Ich war auf dem Stadium eines Kleinkindes. Ich war ein Scherbenhaufen, den man wieder zusammengesetzt hat.“ Heute merkt man es ihm im ersten Moment nur deshalb an, weil er einen mit der linken Hand begrüßt. Denn durch die Hirnblutung ist seine rechte Seite gelähmt. „Meine Sprache habe ich nicht komplett verloren. Ich habe Dusel gehabt.“ Als Linkshänder musste er sich wenigstens beim Schreiben nicht umstellen.

Während seiner Reha-Aufenthalte lernt er viele Kniffe für den Alltag. Wieder selbstständig werden war eines seiner ersten Ziele. „Ich habe gekämpft darum.“ Kognitiv musste er einiges lernen: Seine Konzentrationsfähigkeit und sein Reaktionsvermögen haben gelitten. Ein Schritt in die Selbstständigkeit war die Fahrtauglichkeit. „Die Lähmung war nicht das Problem, sondern der Kopf.“ Seinen Führerschein hat er wieder in der Tasche.

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Geholfen hat ihm dabei auch der Schießsport. Vor seiner Hirnblutung hatte er Erfolg als Sportschütze, war fünf Jahre im Nationalkader, zudem Welt- und Europameister. Zu Olympia hatte er es nicht geschafft. Sehr früh nach der Reha steckt er sich ein ehrgeiziges Ziel: die Teilnahme an den Paralympics in Tokio 2020. „Ein ambitioniertes Ziel. Das hab ich mir zu leicht vorgestellt“, sagt er rückblickend. Auch als erfolgreicher Schütze muss er erst einmal das Schießen mit Hilfsmitteln lernen, aber er ist ehrgeizig. 2015 wird er in die Nationalmannschaft des Deutschen Behindertensportverbands aufgenommen, 2017 wurde er zum ersten Mal nach seiner Hirnblutung Deutscher Meister. Seine Zeit bei der Nationalmannschaft ist seit einem Jahr vorbei.

„Ich bin mit den Strukturen nicht zurechtgekommen.“ Fordern, aber nicht fördernd, beschreibt er das Prozedere. Ein enormer Druck hätte auf den Sportlern gelastet, oft hätten sie auch keine Chance bekommen. Bei Lehrgängen hätte es wenig Hilfestellung gegeben. „So macht Sport keinen Spaß. Ich bin freiwillig zurückgetreten“, sagt der 54-Jährige. Er hätte sich mehr Unterstützung erhofft, das sei er anders gewohnt gewesen. Als Trainer beim Bayerischen Sportschützenbund war er zuständig für die Leistungsgruppe und hat auch die spätere Olympiasiegerin Barbara Engelmann betreut.

Die Familie war ein großer Halt

Viel Halt gegeben hat ihm in den vergangenen Jahren seine Familie, allen voran seine Frau Alexandra. Noch heute ist er – trotz seiner großen Selbstständigkeit – beim Sport auf sie angewiesen. „Das Schießen ist ein Gemeinschaftsprojekt, denn ich brauche Hilfe beim Laden.“ Zu jedem Training, zu jedem Wettkampf begleitet ihn seine Frau, die selbst Schützin ist. Eine Belastung für den Partner. Er sei ihr dankbar, wie sehr sie ihn in den vergangenen Jahren nicht nur hier unterstützt hat. „Ohne sie hätte ich nicht wieder mit dem Schießen anfangen können.“

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Die Waffe zur Seite gelegt hat Bernd Schott aber nach seinem Rücktritt. nicht. Jetzt ist er beim Deutschen Schützenbund und zielt nur noch bei Wettkämpfen auf nationaler Ebene. Er lebe jetzt viel bewusster. „Jeder Tag ist ein Geschenk.“

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