Waldkraiburg hat jetzt wegen Corona ein Autokino - so finden es die Besucher

Joschua und Georg Radlmaiers (rechts) aus Babensham – vorsichtig mit Mundschutz und Handschuhen. Petzi

Thomas Rahnert ist in seinem Element. Der Geschäftsführer des Cinewood-Kinocenters in Waldkraiburg fährt nach Wochen des Corona-Shutdowns zweigleisig: Drinnen gibt’s seit Beginn dieser Woche Kino mit Corona-Beschränkungen, draußen auf dem Parkplatz hat erstmals ein Autokino die Schranken geöffnet.

Waldkraiburg – „Heute bin ich eher Marktschreier mit Mikro“, sagt Rahnert und lacht. Währenddessen er – natürlich mit Mundschutz – die eintrudelnden Autos rund um den Projektionscontainer auf den vorgesehen Plätzen vor der Leinwand einweist. Der Höhe der Gefährte entsprechend – deshalb könne auch nicht reserviert werden.Im Hinblick auf Corona gibt es auch bei einem Autokino verschiedene Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Zwei Cabrios nebeneinander zum Beispiel – das geht gar nicht, denn es gelten die Abstandsregeln im Freien. Doch das seien Probleme, die sich lösen lassen. Thomas Rahnert hatte bis zur Eröffnung seines ‚Drive-in-Kinos‘ ganz andere Hürden zu nehmen: „Die ganze Organisation mit den Genehmigungen vom Bauamt et cetera und der notwendigen UKW-Frequenz hat sich doch sehr gezogen.“

Manuela Rahnert filmt die Premiere mit

Programmzusammenstellung aufwendig, aber reibungslos

Eigentlich wollte er früher loslegen, nicht erst wenige Tage vor Öffnung des regulären Kinobetriebs. Dazu kamen noch Pleiten, Pech und Pannen: ein kaputter Projektor und Probleme beim Online-Kartenverkauf. Ohne das fehlerhafte Kassensystem wären noch mehr Gäste zu den ersten Vorführungen gekommen. Aber Rahnert ist zufrieden. Fünf bis sechs Autos hätten vielleicht noch auf den Parkplatz gepasst. Jetzt klappe es auch endlich mit dem Online-System.

Im Kino Waldkraiburg läuft die Popcornmaschine wieder

Bis dahin hatten aber nicht nur der emsige Geschäftsführer, sondern auch seine Frau Manuela und Mitarbeiterin Christine Zücker alle Hände voll zu tun, Anfragen via Telefon oder Social Media zu beantworten. Nun, da endlich wieder die Kasse geöffnet sei und die Popcornmaschine laufe, sei der ganze Stress vergessen, beteuert Christine. „Das Baby ist endlich auf der Welt!“ Aufwendig, aber reibungslos war die Programmzusammenstellung. Manuela Rahnert hat sich darum gekümmert. „Wir haben Umfragen auf Facebook gemacht. Natürlich können wir nicht alle Wünsche erfüllen. Der Herr der Ringe wäre einfach zu lang.“ Nach der Corona-Pause wollen viele etwas zum Abschalten oder Lachen. Daher startete das Cinewood mit einer Komödie in die Saison: „Das perfekte Geheimnis“

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.Autokino bietet ein wenig Normalität

Die Stimmung auf dem Parkplatz ist bestens. Nicht nur eingefleischte Kinofans sind gekommen, auch solche, die einfach wieder etwas unternehmen wollten. Familie Radlmaier aus Babensham hat das Kinoevent für einen Vater-Sohn-Ausflug genutzt. Dabei gehört Vater Radlmaier als Nierentransplantierter zur Risikogruppe. „Zwölf Wochen lang war ich im Haus eingesperrt. Ich freue mich über ein wenig Normalität“, sagt er. Überglücklich seien die beiden, noch Karten ergattert zu haben.

Kinobetreiber Thomas Rahnert als Platzanweiser.

Für einen „Schritt in die richtige Richtung“ halten auch die ortsansässigen Alma und Petra das Autokino. Raus aus dem „Corona-Gefängnis“ sozusagen. Abgesehen davon sei die Idee, Kino in dieser sommerlichen Abendstimmung zu bieten, einfach ‚cool“. Und für den Fall, dass es tatsächlich abkühlen sollte, haben Petra und Alma Decken dabei.

Getränke, Popcorn und Leckereien im Waldkraiburger Autokino

Autokinos – das kennen die meisten Gäste auf dem Parkplatz übrigens nur aus Filmen von früher. Umso gespannter wartet man hinter der Autoscheibe darauf, bis es endlich losgeht. Gut eingedeckt mit Getränken, Popcorn und sonstigen Leckereien – wie im richtigen Kino eben auch. Autokino sei doch Nostalgie pur, sagt das Waldkraiburger Paar Kai und Gabi Röpke. Die beiden haben sich lange auf eine Rückkehr in das kulturelle und gesellschaftliche Leben gefreut. Nicht nur Kino – Theater, Ausstellungen, Restaurants, einfach Leute treffen. Das habe doch sehr gefehlt.

Kino-Mitarbeiterin Christine Zücker hat hinter der Kasse platzgenommen.

Rahnert hat mit dem Autokino in Waldkraiburg eine zündende Idee

Thomas Rahnert hatte da die zündende Idee. „Ganz große Klasse! Der Thomas ist ja für alles zu haben“, sagt Kai und schmunzelt. Keine Frage: Das Cinewood-Drive-in sorgt in der angespannten Lage für etwas Entspannung. Gerade auch für die Kids, denen nicht nur mit dem Kinderkino am späten Nachmittag Rechnung getragen wird. Die 13-jährige Alexandra hat sich zum Geburtstag den Kinoabend gewünscht – und ihre Eltern Josef und Kansinee waren sofort dabei. Auch wenn Josef eigentlich kein Kinogänger ist. „Ich bin gespannt, was mich heute erwartet. Aber ich freue mich auf einen entspannten Abend“, so der Postbote, der auch in der Krise immer unterwegs war und eine gereizte und ängstliche Stimmung der Leute mitbekommen hat. Da sei so ein „chilliger“ Autokinoabend doch genau das Richtige.

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