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Nicht nur auf andere angewiesen sein

Führerschein mit Handicap: Wie zwei Waldkraiburger trotz Behinderung weiterhin mobil bleiben

Trotz Einschränkungen wollen Otto Stanner (rechts) und Richard Baerg in ihrem Leben mobil bleiben. Fahrlehrer Michael Prenissl bringt den beiden bei, wie sie sich beim Autofahren umstellen müssen.
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Trotz Einschränkungen wollen Otto Stanner (rechts) und Richard Baerg in ihrem Leben mobil bleiben. Fahrlehrer Michael Prenissl bringt den beiden bei, wie sie sich beim Autofahren umstellen müssen.

Der Führerschein ist gerade für Jugendliche ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Was aber, wenn man plötzlich mit einem Handicap seinen Alltag meistern muss. Auch dann kann man mobil bleiben, wie es gerade Otto Stanner und Richard Baerg lernen.

von Kirsten Seitz

Waldkraiburg – Otto Stanner (62) aus Waldkraiburg und Richard Baerg (33) aus Kirchweidach besuchen die Fahrschule von Michael Prenissl. Sie haben ein ganz großes Ziel vor Augen: wieder mobil werden. Stanner und Baerg hatten beide einst als junge Burschen ihren Führerschein gemacht. Dass sie als Erwachsene wieder in einem Fahrschulauto sitzen würden, wäre für sie früher unvorstellbar gewesen.

Doch seitdem hat sich viel verändert: Der 33-jährige Baerg sitzt im Rollstuhl, der 62-jährige Stanner hat eine Beinprothese. Mithilfe der Fahrschule Prenissl wollen sie wieder zurück in die Normalität. Es gibt nur wenige Fahrschulen, die eine Ausbildung für Menschen mit Handicap anbieten. Bayernweit sind es 25, die Fahrschule Prenissl ist die einzige im Landkreis Mühldorf.

Unfall kurz nach dem Betriebsjubiläum

Für die Ausbildung kommt ein behindertengerecht umgebautes Fahrschulauto zum Einsatz. In diesem werden in den kommenden Wochen Stanner und Baerg das Autofahren unter neuen technischen Bedingungen lernen.

„Ich arbeitete als Lagerist bei einer Firma in Waldkraiburg“, erzählt der 62-Jährige. Erst vergangenes Jahr hat er sein 40-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert. „Alles war gut, mein Beruf machte mir großen Spaß und mein Leben war ganz normal. Doch nur wenige Tage nach meinem Betriebsjubiläum schlug das Schicksal zu“, sagt er. Ein schwerer Arbeitsunfall veränderte sein Leben komplett. Die Gabel eines Gabelstaplers hatte sein Bein so schwer verletzt, dass wenige Tage nach seinem Unfall sein Unterschenkel amputiert werden musste. Heute trägt er eine Beinprothese.

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Aufgeben war für ihn, sowie für Richard Baerg keine Option. Der 33-Jährige arbeitete als Krankenpfleger in der Anästhesie im Krankenhaus Mühldorf. Wegen seiner Krankheit wechselte er dieses Jahr in die Verwaltung der Klinik. Dort arbeitet er Vollzeit. „Vor etwa zehn Jahren wurde bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert“, erzählt Baerg. „Ich bin immer Schaltgetriebe gefahren. Als unser jüngster Sohn geboren wurde, kauften wir uns einen Mini-Van mit Automatikgetriebe. Damals war die Bewegung in meinen Beinen schon eingeschränkt“, setzt er fort. In den vergangenen zwei Jahren hatte er eine chronische Verschlechterung und die Kraft in seinen Beinen ließ zusehends nach. Für ihn und seine Familie war klar, dass seine Krankheit nicht über ihr Leben bestimmen darf.

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Da er seine Beine nicht mehr zum Autofahren einsetzen konnte, musste er sich auf ein Handgas-Bremssystem umstellen. „Mir war klar, dass sich in meiner Mobilität etwas ändern muss. Ich hatte ein medizinisches Gutachten beim TÜV. Der Arzt bestätigte mir meine Fahrtauglichkeit mit den Armen. Ich hatte daraufhin einige Fahrstunden, um das Handgas-Bremssystem kennenzulernen“, erzählt der 33-jährige Familienvater.

Unabhängig dank umgebauten Auto

Seit kurzem hat er sein kraftfahrttechnisches Gutachten. Heute sitzt Baerg im Rollstuhl. Laufen ist zwar nicht mehr möglich, aber mit einem umgebauten Auto kann er weiterhin mobil bleiben.

Ein neues Auto könnte trotz behindertengerechtem Umbau auch von seiner Ehefrau genutzt werden. Der untere Fahrbereich wird mit einer festen Schiene abgedeckt. Mit einem Handgriff kann die Schiene gelöst werden und schon lässt sich auch ohne Handicap mit dem Auto fahren.

Der 62-jährige Waldkraiburger arbeitet ebenfalls auf seine Mobilität hin. Er hat sich bereits ein Automatikauto ausgesucht, das nur noch umgebaut werden muss. Das Gas, das rechts von der Bremse ist, muss auf die linke Seite gesetzt werden.

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Wie wichtig Mobilität ist, wissen Stanner und Baerg nur zu gut. Sie müssen Arzttermine und Physiotherapiestunden wahrnehmen, zum Einkaufen oder zu Terminen. Der 33-jährige Familienvater muss zur Arbeit kommen, seine drei Kinder in Schule, Kindergarten und zu ihren Vereinsveranstaltungen fahren.

Für Stanner wurde sein Berufsleben durch seinen Unfall abrupt beendet. Baerg bleibt nach wie vor in seinem Job aktiv. Die Mobilität und der Halt ihrer Familien ermöglicht es ihnen trotz Handicap, ein selbstständiges Leben zu führen.

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