In Etappen: Bei drei Feiern bekommen Waldkraiburgs Realschüler ihr Abschlusszeugnis

Zeugnisübergabe mit Abstand: In drei Etappen haben die Realschüler ihren Abschluss gefeiert, nur so konnten die Abstände eingehalten werden.

Die Abschlussfeier in zwei Gruppen ist man an der Realschule Waldkraiburg gewohnt. Dieses Jahr waren es sogar drei Feiern. Die coronabedingte Schulschließung hat sich vermutlich bei so manchem Realschüler positiv auf die Abschlussnote ausgewirkt: Rund ein Viertel aller Absolventen hat eine Eins vor dem Komma.

Von Erika Fischer

Waldkraiburg – Waren es 2019 174 Abschlussschüler, so setzte der diesjährige Jahrgang noch eines drauf: Von den 200 Absolventen aus acht zehnten Klassen erreichten 49 einen Durchschnitt mit einer Eins vor dem Komma. Unter ihnen wiederum waren 34 Mädchen und 15 Jungen und die besten sechs Schüler insgesamt mit Durchschnitten von 1,0 bis 1,25 sind junge Damen.

Das Feiern in zwei Gruppen ist man an der Realschule seit Jahren gewohnt, denn es gibt keinen Raum im Landkreis, in dem eine gemeinsame Feier aller Absolventen möglich wäre und schon gar nicht in Corona-Zeiten. In drei Etappen feierten die Realschüler in der Dreifachhalle des Gymnasiums ihren Abschluss.

Ein Jahrgang des Verzichts

In seinen Abschiedsworten ging Rektor Werner Groß von der kritischen Situation noch vor drei Wochen aus, weil völlig offen war, ob und in welcher Form die Zeugnisübergabe stattfinden sollte. Dabei hatte das Schuljahr ganz normal begonnen mit ersten Abschlussfahrten und musikalischen Feiern. „Dann Freitag, 13. März, Schulschließung in Bayern, ja in ganz Deutschland. Ich konnte mich gut in euch reinversetzen: Was soll ein Leben ohne Schule, ohne Lehrer? Tag für Tag nur Wohngemeinschaft mit den Eltern?! Endlich am 27. April die Erlösung: Wir dürfen in die Schule, das Leben hat wieder einen Sinn!“, so leicht ironisch Werner Groß zur Corona-Situation. Von der ersten Stunde an gab es nun intensive Prüfungsvorbereitungen wie wohl noch bei keinem Jahrgang zuvor und das letztendlich mit großartigem Erfolg. Ein Viertel aller Abschlussschüler erreichte einen Durchschnitt mit einer Eins vor dem Komma. Seine Zehntklässler seien aber auch ein Jahrgang des Verzichts: Es gab großteils keine Abschlussfahrt, keinen Tanzkurs, keinen Schlussgottesdienst, keine Abschlusszeitung und nur eine abgespeckte Schlussfeier. „Vergesst dabei aber nicht die 280 corona- freien Wochen an der Realschule, in denen ihr Freunde gefunden habt, Gemeinschaft erleben durftet. Gerade in Krisenzeiten ist ein guter Schulabschluss die beste Grundlage für eine positive Weiterentwicklung. Meistert eure Zukunft mit Mut und Zuversicht und habt Freude am Leben!“

Eigenen Talenten nachspüren

Ihm konnte Landrat Max Heimerl nur beipflichten: „Ihr seid hoffentlich der erste und letzte Jahrgang mit solchen Einschränkungen. Übernehmt weiterhin Eigenverantwortung, zeigt Solidarität gerade in der jetzigen Situation. Alles, was ihr in Zukunft anpackt: Macht es mit Begeisterung!“ Eine ähnliche Empfehlung gab Stellvertretender Landrat Richard Fischer, als er aufrief, eigenen Fähigkeiten und Talenten nachzuspüren, die soeben bewiesenen „Steherqualitäten“ einzusetzen und einen Beruf zu finden, der nicht nur Freude macht, sondern in dem man auch wachsen könne.

In einer Videobotschaft gratulierte Bürgermeister Robert Pötzsch zum Abschluss, betonte jedoch: „Die Welt steht vor nie da gewesenen Herausforderungen und auch euer Weg wird in Zukunft kein allzu leichter sein. Haltet euch aber stets vor Augen: Das Leben bietet noch so viel für euch!“

Für Peter Zinn war es ein doppelter Abschied. Mit dem Abschluss seiner Tochter gab er auch das Amt des Elterbeiratsvorsitzenden auf, das er sechs Jahre innegehabt hatte. Die Absolventen bat er, nie locker zu lassen und gerade auch ihre Träume zu verwirklichen versuchen.

Videofilm aller Lehrer

In einem humorvollen Rückblick, in dem sie vor allem die Einsatzbereitschaft ihrer Lehrer und deren persönliches Engagement hervorhoben, zeigten sich die Schülersprecher Katja Schnablinger, Xenia Ross und Fabio Brodschelm vor allem stolz auf die erlernte Teamfähigkeit und ihren Willen zur Leistung.

Anschließend nahmen die Absolventen, vorgestellt von ihren Klassleitern, die Abschiedsmappe von Rektor Werner Groß entgegen. Sie enthielt nicht nur das Zeugnis der Mittleren Reife, sondern auch kleine Präsente, so beispielsweise die Stadtwährung des „Waldkraiburgers“, für die Einsatzbereitschaft im Schulleben.

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Im abschließenden Videofilm wünschten alle Lehrer einzeln und lautstark mitsingend ihren Absolventen „a good time“, was sicher bei dem einen oder der anderen das Abschiednehmen erschwerte.

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