Erzieherin aus Leidenschaft: Seit 40 Jahren prägt Charlotte Konrad Waldkraiburger Kindergarten

Mit der Kita Maria Schutz fühlt sich Charlotte Konrad eng verbunden. Seit 40 Jahren ist sie hier als Erzieherin tätig, 32 davon als Leiterin. Für die Kinder ist und bleibt sie immer „Charlotte“.
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Mit der Kita Maria Schutz fühlt sich Charlotte Konrad eng verbunden. Seit 40 Jahren ist sie hier als Erzieherin tätig, 32 davon als Leiterin. Für die Kinder ist und bleibt sie immer „Charlotte“.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Kaum ein Name ist wohl so eng mit dem Kindergarten Maria Schutz in Waldkraiburg verbunden, wie der von Charlotte Konrad. Kein Wunder, denn die Erzieherin gehört hier quasi zum Inventar. 1976 machte sie hier ihr erstes Praktikum, vor 40 Jahren trat sie eine Stelle als Erzieherin an und ist bis heute geblieben.

Waldkraiburg – Nase putzen, Puzzle bauen oder tröstend in den Arm nehmen: Bei wie vielen Kindern das Charlotte Konrad in ihren 40 Jahren als Erzieherin gemacht hat, spielt keine Rolle. „Es war mein Berufswunsch von klein auf“, sagt sie. Begeistert waren ihren Eltern zwar nicht, akzeptierten aber ihre Entscheidung. Anstatt eines Studiums begann sie 1976 ihr erstes Praktikum in Maria Schutz. „Es gab damals wenige Ausbildungsstellung und Pfarrer Rudolf Haderstorfer, den ich von der Schule kannte, schuf eine Praktikumsstelle“, erinnert sie sich. Sie machte ihre Ausbildung an der Fachakademie, zum Begleitpraktikum kam sie nach Maria Schutz zurück, im September 1980 trat sie eine Stelle als Erzieherin an. „Ich war nie in einer anderen Einrichtung und wollte nie weg.“

Zu vielen Familien bleibt der Kontakt

Das lag auch daran, dass sie schon früh eine enge Beziehung zur Pfarrei Maria Schutz hatte. Sie engagierte sich in Jugendgruppen und heiratete später in der Pfarrei. „Waldkraiburg Süd ist wie eine Insel. Zu vielen Familien bleibt ein lockerer Kontakt“, sagt sie. Von vielen Kindern weiß sie, welchen Weg sie gegangen sind. Manchmal lernt sie die nächste Generation kennen, wenn alte Kindergartenkinder ihre Sprösslinge in der Einrichtung anmelden.

Nach acht Jahren als Erzieherin in Maria Schutz übernahm sie die Leitung. Abgesehen davon, dass es heute wie damals vier Gruppen gibt, hat sich viel verändert. Nicht nur, dass keine Mütter mehr um 6.30 Uhr vor dem Kindergarten warten und ihre Kinder um 17 Uhr wieder abholen, und es teilweise lange Wartelisten für einen Betreuungsplatz gab, auch die Pädagogik hat große Schritte gemacht. „Wir hatten zu Beginn kein offenes Konzept“, sagt sie. In die Arbeit fließen heute mehr Erkenntnisse aus der Wissenschaft ein.

Schritt halten mit der Pädagogik

Deshalb war es der Stadträtin immer wichtig, Schritt zu halten mit der sich verändernden Pädagogik. „Es gibt viel mehr Möglichkeiten, Kinder zu unterstützen.“ Aus der Historie der Stadt heraus begegnen sich viele Nationen im Kindergarten. Eine sprachliche Herausforderung, denen man früh mit Sprachkursen begegnete. „Was ist das Beste für die Kinder? Wir können sie fördern, haben aber keinen Druck und müssen keine Zeugnisse ausstellen.“ Es bleibe Raum dafür, spontan etwas anderes machen zu können. „Es ist die schönste Zeit, in der wir die Kinder begleiten und wir kriegen viel von ihnen zurück.“ Sie sehe die Stärken und Schwächen der Kinder und welche Fortschritte sie machen. „Jedes Kind ist faszinierend auf seine Weise.“

Als sie zusätzlich die Leitung für den Kindergarten im Föhrenwinkel übernhahm, gab sie die Leitung ihrer Gruppe ab. „Ich hätte den Kindern nicht gerecht werden können“, sagt die 61-Jährige. Zuletzt kam vor fünf Jahren die Krippe hinzu. Obwohl der Schwerpunkt ihrer Arbeit längst auf der Leitung der beiden Kindergärten und der Krippe liegt, jedes Kind in Maria Schutz kennt sie. „Hallo Charlotte“– im Vorbeigehen grüßt ein kleines Mädchen und lächelt sie an. „Für meine Kinder bin und bleibe ich Charlotte.“

Herausforderungen und Erinnerungen

Auch ihre Tochter Stephanie nannte sie während ihre Kindergartenzeit beim Vornamen. Zuhause Mama, im Kindergarten Charlotte. „Sie hat das strikt voneinander getrennt.“ Deshalb sei es für sie kein Problem gewesen, wenn ihre Mama sich um andere Kinder gekümmert habe. Denn wie sie einmal zu ihr sagte: „Du bist meine Mama ganz allein.“

Abgesehen von einer neunmonatigen Elternzeit nach der Geburt ihrer Tochter ist Charlotte Konrad durchgängig seit 40 Jahren in Maria Schutz. Noch immer fährt sie jeden Tag gerne hierher. Wie sagt Charlotte Konrad so schön: „Ich gehöre zum Inventar.“

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In der Sanierung des Kindergartens, dem Wasserschaden im vergangenen Jahr und der Corona-Pandemie sieht sie die großen Herausforderungen in ihrem Berufsleben. Auf der anderen Seite gibt es viele schöne Erinnerungen an Feste, Jubiläen und Veranstaltungen. Noch drei Jahre wird Charlotte Konrad Teil vom Kindergarten Maria Schutz bleiben, dann will sie in Rente gehen. Die Kinder werden wohl weiterhin „ihre Kinder“ bleiben.

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