Erster Einsatz für Auftrag aus der Raumfahrt: Bayern-Chemie nimmt in Aschau neue Anlage in Betrieb

12000 Kubikmeter Erde wurden bewegt, 6000 Kubikmeter Beton und 240 Tonnen Stahl verarbeitet – für die neue Mischanlage für Feststofftreibstoffe der Firma Bayern-Chemie in Aschau-Werk (hier ein Bild von der Baustelle). Jetzt wurde das Sieben-Millionen-Euro-Projekt in Betrieb genommen. Bayern-Chemie

Eine „der weltweit modernsten Mischanlagen für Feststofftreibstoffe“ hat die Firma Bayern-Chemie in Aschau-Werk in Betrieb genommen. Ihren ersten Einsatz hatte die Anlage im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Aschau – Die Anlage wird die Produktionskapazitäten der Tochter des französischen Rüstungskonzerns MBDA wesentlich erhöhen und bietet zudem neue Prozessmöglichkeiten für zukünftige Anwendungen.

Das neue 800 Quadratmeter große Gebäude wurde nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit fertiggestellt. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich nach Angaben der Firma auf rund sieben Millionen Euro.

Die Anlage selbst wurde von den Technikern der Bayern-Chemie speziell für diese Anwendung konzipiert. Für deren Konstruktion und Montage zeichnete ein österreichisches Unternehmen verantwortlich. Insgesamt wurden für das Gebäude 12 000 Kubikmeter Erde bewegt, 6000 Kubikmeter Beton und 240 Tonnen Stahl verarbeitet.

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Ihren ersten Einsatz hat die neue Mischanlage in Zusammenhang mit dem kürzlich vereinbarten Vertrag der Bayern-Chemie mit der Abteilung Mobile Raketenbasis (MORABA) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Das Aschauer Unternehmen stellt der DLR seine innovative Raketentechnologie unter anderem für deren Hochatmosphären- und Mikrogravitationsforschung, Astronomie, Geophysik, Materialwissenschaften sowie Hyperschallforschung zur Verfügung. Die neue Mischanlage biete dafür die notwendige moderne Technologie und schaffe die erforderlichen Kapazitäten.

Technologieführer bei Raketenantrieben

Dr. Wolfgang Rieck, Geschäftsführer des Aschauer Unternehmens, betont die Notwendigkeit zu ständigen Investitionen und zur Innovation auch im Anlagenbereich: „In unserer Branche bedeutet Stillstand nichts anderes als Rückschritt. Mit den Investitionen in die neue Mischanlage unterstreichen wir jetzt nochmals deutlich unseren Anspruch, auch in Zukunft Technologieführer bei Raketenantrieben zu bleiben.“

230 Mitarbeiter, 90 Millionen Euro Jahresumsatz

Die Bayern-Chemie ist ein globaler Technologieführer für Lenkflugkörper und Raumfahrtantriebe mit mehr als 60 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von regelbaren Feststoff-Staustrahlantrieben, Hochleistungsantrieben mit Ein- und Mehrfachpulstechnologie, regelbaren Antrieben mit Gel-Treibstoffen und Gasgeneratoren sowie Technologieprojekte auf dem Gebiet der luftatmenden Antriebe. Seit 2014 bringt das Unternehmen seine technologischen und methodischen Kernkompetenzen gezielt im zunehmend kommerzialisierten und schnell wachsenden Raumfahrtmarkt ein, für Forschungsraketen, Satelliten, Launcher und weitere Plattformen.

Am Standort Aschau sind 230 Mitarbeiter tätig. Der Jahresumsatz der Firma, die eine hundertprozentige Tochter des MBDA-Konzerns ist, belief sich im Vorjahr auf 90 Millionen Euro. hg

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