Der erste Kandidaten-Check in Waldkraiburg: Landjugend fühlt Bürgermeisterbewerbern auf den Zahn

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Gemeinsamkeiten beim Tierheim, aber auch deutliche Unterschiede beim ÖPNV oder beim Rathaus-Neubau zeigte die Podiumsdiskussion in St. Erasmus auf, der sich die vier Bürgermeister-Kandidaten stellten (von links): Richard Fischer (SPD), Robert Pötzsch (UWG), Valentin Clemente (FDP) und Wolfgang Nadvornik (CSU). 
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Das Interesse war enorm. Gut 150 Bürger wollten dabei sein beim ersten Kandidatencheck, zu dem die Landjugend Pürten/St. Erasmus die vier Bürgermeisterbewerber ins Restaurant Adria Grill in St. Erasmus geladen hatte. Bei einem Thema waren sich alle einig.

Hans Grundner

– Beim Tierheim weitgehend einig

Bei allen Unterschieden, die an diesem Abend zwischen den Bewerbern deutlich wurden, beim Thema Tierheim-Neubau, das die Diskussion zuletzt geprägt hatte, sind sich die Kandidaten weitgehend einig: Wenn die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, stehe die Stadt hinter dem Projekt im Außenbereich, so Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). „Möglichst naturverträglich“ und schnell solle es verwirklicht werden, meint Valentin Clemente (FDP). Zum Standort sieht Wolfgang Nadvornik (CSU) keine Alternative: „Ein Tierheim kann nicht in der Stadt sein, das muss irgendwo draußen stehen.“ Dem CSU-Kandidaten dauert das Verfahren viel zu lang. „Mich nervt das Rumgeeiere.“ Richard Fischer (SPD) sieht es ähnlich und drängt darauf, den Landkreis miteinzubinden. „Das Tierheim ist nicht nur Sache der Stadt.“

Bauland für Einheimische

Ein Schwerpunkt der Diskussion, die Maria Stöckl, Landesgeschäftsführerin der Katholischen Landjugendbewegung moderierte, war die Entwicklung der Ortsteile. Ein Bürger kritisierte das Fehlen von Bauland für die Jungen aus den Inntaldörfern. In Niederndorf und in Erasmus-Ost seien Grundstücke sehr schnell an Leute vergeben worden, die sich nicht in die Dorfgemeinschaft einfügen. Einheimischenmodelle seien aus juristischen Gründen nicht mehr möglich, so Pötzsch. Allenfalls ein Zehntel der Parzellen im Baugebiet Waldkraiburg-West, das im städtischen Besitz ist, komme dafür in Betracht.

Nadvornik: Nicht buckeln, sondern mit breiter Brust auftreten

Zur Lösung des Baulandproblems wie des Gewerbeflächenbedarfs brauche es eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit. In vielen Bereichen laufe diese bereits gut, in anderen, beim gemeinsamen Waldbad-Projekt mit Aschau etwa, sei „eine Riesenchance vertan“ worden. Ja zur interkommunalen, Zusammenarbeit sagt Fischer, aber „nicht bei Projekten, die die Bürger nicht wollen“, wie beim Freibad.

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Wolfgang Nadvornik will sich nicht damit abfinden, dass beim Bauland Auswärtige vor Einheimischen zum Zug kommen. „Es kann nicht sein, dass die Leute aus München, die sich dort nichts leisten können, hier ihre Häuschen bauen.“ Er möchte Grundeigentümer dazu bringen, dass sie Flächen an Einheimische günstiger abgeben. Und: Waldkraiburg solle angesichts seiner Bedeutung im Landkreis „in der interkommunalen Zusammenarbeit nicht buckeln, sondern mit breiter Brust auftreten“. Valentin Clemente warnt vor einem „Wir gegen Die“. „Das bringt nichts. Wir sollten kooperativ auf die anderen Gemeinden zugehen.“

Beim ÖPNV scheiden sich die Geister

Als aussichtslos schätzt Pötzsch die Forderung von Nadvornik ein, zum jetzigen Zeitpunkt etwas bei der Ortsumfahrung voranzubringen. Der Freistaat sehe das Projekt nicht in der ersten Dringlichkeit, aus eigener Kraft sei das Projekt nicht zu stemmen. Da gehe es um einen zweistelligen Millionenbetrag. Mit dem Ausbau der Staatsstraße zwischen Bahnübergang und Pürtner Kreuzung sei man einen Schritt weiter.

Clemente: Mobilitätswende verschlafen

Die schlechte Anbindung der Ortsteile an den ÖPNV kritisierten die drei Herausforderer, die Defizite in der städtischen Verkehrspolitik sehen, vor allem beim Stadtbus eine bessere Taktung und günstigere Ticketpreise fordern. „Wir sind mitten in der Mobilitätswende. Waldkraiburg ist hinten dran“, so Clemente. Es gebe keine E-Lade-Säule, kein Car-Sharing-Angebot. Die Stadt solle einen E-Scooter-Anbieter nach Waldkraiburg holen.

Car-Sharing und E-Scooter bringen in Waldkraiburg nix, findet Nadvornik. Sein Vorschlag: Schüler, die Bustickets haben, sollten sieben Tage fahren dürfen. „Dann fallen die Elterntaxis weg.“

Den ÖPNV-Ausbau hält Fischer für zwingend, schon wegen des Zuzugs, der sonst immer mehr Individualverkehr in die Stadt bringe.

Bürgermeister Pötzsch ist völlig anderer Meinung. Die geforderten Verbesserungen beim Stadtbus seien für die Stadt nicht bezahlbar. „Wenn die Nachfrage da ist, kann er erweitert werden.“ Beim Fahrradverkehr sieht Pötzsch Handlungsbedarf: Das Radwegenetz solle ausgebaut werden.

Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis

Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis! Auf diese Formel ließen sich die Statements aller Kandidaten zur Wohn- und Gewerbeentwicklung bringen. Mit Natur und Waldflächen sei sorgsam umzugehen. Nachverdichtung geht vor neuem Flächenverbrauch. „Grüngürtel und Parkanlagen werden nicht angefasst, Brachen entwickelt“, so Robert Pötzsch. Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK), das im Dialog mit den Bürgern erarbeitet worden sei, sieht er einen guten Fahrplan. „Damit sollten wir nach vorne gehen, nicht immer alles neu infrage stellen.“ Zehn von 15 Projekten aus dem Jahr 2014 seien umgesetzt oder im Bau, so Pötzsch auf den Vorwurf von Fischer, er und die UWG hätten viele Versprechungen nicht eingehalten. Die ISEK-Studie, so Fischer, greife nicht weit genug. Die Bürger seien vielfach „nicht mitgenommen“ worden. Beim Wachstum sei besonders auf die sozialen Aspekte zu achten. Die Mieten müssten bezahlbar bleiben. Von 1700 Sozialwohnungen fallen in den nächsten Jahren 600 bis 700 aus der Bindung.

Rathaus-Neubau: Pro und contra

Pro und contra auch beim Rathaus-Neubau: Der Bürgermeister erwartet sich davon positive Impulse für die Entwicklung von Gastronomie und Einzelhandel bringt. Wolfgang Nadvornik appellierte an die Waldkraiburger, in Waldkraiburg einzukaufen. Clemente will bürokratische Hemmnisse reduzieren, Initiativen wie die Eventhütte beim Centrale, die wegen zwei Parkplätzen abgelehnt wurde, erleichtern. Ein „Prestigeobjekt“ Rathaus habe für ihn keine Priorität, sagt Wolfgang Nadvornik. Die liege vielmehr beim Ausbau von Schulen und Kitas. Richard Fischer sprach sich klar gegen den Neubau und für die Rathaus-Sanierung aus, die etwa vier Millionen Euro weniger koste.

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Die Sportvereine sollten bei den Hallennutzungsgebühren deutlich entlastet werden, fordert Nadvornik. Robert Pötzsch verweist auf ähnliche Regeln in anderen Städten. Kinder und Jugendliche zahlen keine Gebühren.

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