Erste Filmpremiere nach dem Lockdown: Der Waldkraiburger Mark Lohr feiert zweiten Kinofilm

Gelöste Stimmung nach der Filmpremiere: Monate spätere feierte der Film „Morgen sind wir tot“ von Mark Lohr (links) Premiere im Cinewood. Für Kinobetreiber Thomas Rahnert war die erste Premiere eine Herausforderung
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Gelöste Stimmung nach der Filmpremiere: Monate spätere feierte der Film „Morgen sind wir tot“ von Mark Lohr (links) Premiere im Cinewood. Für Kinobetreiber Thomas Rahnert war die erste Premiere eine Herausforderung

Der Waldkraiburger Mark Lohr hat mit seinem zweiten Kinofilm Premiere gefeiert. Monate später als ursprünglich geplant. Die erste Premiere nach dem Shutdown im Cinewood war eine enorme Herausforderung für Kino-Chef Thomas Rahnert. Bei einer Gästeliste von rund 200 Personen Social Distancing samt Schutzmaßnahmen zu gewährleisten, war eine logistische Meisterleistung.

Von Nicole Petzi

Waldkraiburg – Und dann noch der Titel von Mark Lohrs neustem Film: ‚Morgen sind wir tot. Tanzend in den Untergang‘! Der habe Thomas Rahnert, wie er zugeben musste, bereits vor Corona Kopfschmerzen bereitet, sollte doch die eigentliche, ausverkaufte, Premiere bereits im März über die Bühne gehen. „Andererseits passt das Thema auch wieder gut in die Zeit!“

Endlich wieder Kinostimmung

Denn im zweiten Werk des jungen Waldkraiburger Filmemachers, für das er lediglich ein Budget von 1000 Euro zur Verfügung hatte, geht es nicht ums Sterben, sondern darum, das Beste aus seinem Leben herauszuholen. Auch wenn der Kinobetrieb wegen verschobener Filmstarts der Verleihe und Corona-Auflagen noch enttäuschend läuft: „Das Cinewood soll morgen nicht tot sein!“ Thomas Rahnert lacht. Als Kinobetreiber müsse man eine hohe Frustrationsgrenze haben. Da sei aber immer schon so gewesen. Doch nicht an diesem Premierenabend.

Nachdem die Gäste, bepackt mit Popcorntüten und Getränken von Mark Lohr und seinem Film-Team in die vier Säle gelotst wurden, wo das Programm zeitversetzt lief, war sie endlich wieder da: Kinostimmung. Die hat sich nach der digitalen Begrüßung durch Mark Lohr und einem kurzweiligen Vorprogramm mit Interviews der Film-Crew, schnell eingestellt. Und das zu einer Geschichte, in der sich sechs Freunde rund um den ehrgeizigen Jungunternehmer Paul, gespielt von Luca Garnreiter, und den lebensbejahenden DJ Sonny, verkörpert von Mario Pruischütz, nach einem nuklearen Erstschlag gegen Russland vor existenziellen Fragen geworfen sehen.

Die Welt geht morgen unter, und was machst du nun mit deiner Zeit? Die Zuschauer darüber zum Nachdenken zu bewegen, was wichtig ist im Leben: Familie, Freundschaft, Liebe – die eigene Seele. Darum ging es Mark Lohr und den beiden anderen Drehbuchautoren, Corinna Blädel, die im Film Pauls Freundin Jane spielt, und Tobias Marschall. Eine Herzensangelegenheit des bald 25-jährigen Waldkraiburgers.

Atmosphärisch aufgeladene Szenen

Natürlich könne man als Filmemacher so ein tiefsinnigeres Thema nicht ständig angehen, sondern müsse auch Filme machen, die ein größeres Publikum ansprechen. Mark Lohr versucht, die richtige Balance zu finden. Als Nächstes steht eine Actionkomödie an. Dennoch: Was Action angeht, lässt sein aktueller Streifen an nichts missen. Atmosphärisch aufgeladene Szenen, die die Bandbreite des menschlichen Innenlebens von Frustration bis Freude, von Verzweiflung bis Hoffnung, aber auch der sozialen Verstrickungen, verbunden mit der Frage, wie wir mit uns und unserer Umwelt umgehen, transportieren – und dabei keine Längen erzeugen. Überraschende Wendungen, ein düstrer Verführer namens Lars – den Mark Lohr selbst in Szene setzt –, der angesichts einer ausweglosen Situation nur auf Randale aus ist und dem Hauptprotagonist Paul widersteht, und ja: eine Liebesgeschichte.

Dazu kommt, abgesehen von den Darstellern, denen man die Freude und den Spaß beim Dreh auf der Leinwand anmerkt, ein Soundtrack, der das Lebensgefühl des Films eindrucksvoll trägt.

Brücke zwischen Soundtrack und Tanzmusik

„Eine Meditation über die wahre Bedeutung von Leben und Tod, verpackt in einer bunten Liebeserklärung an Musik und zwischenmenschliche Magie.“ Was in der Pressemappe der NullkiloMedia-Produktion so philosophisch erklärt wird, funktioniert nicht ohne die Musik, die eine Brücke schlägt zwischen einem Film-Soundtrack und elektronischer Tanzmusik, eigens komponiert von den bekannten DJs Estabien und Mrwskij. Eine Meisterleistung, die selbst von Kinogästen gewürdigt wird, die nicht unbedingt Techno- oder House-Fans sind.

So wie zum Beispiel Bürgermeister Robert Pötzsch, der es sich als Kinofan nicht nehmen ließ, bei der ersten Kino-Premiere seit Monaten dabei zu sein. „Einfach klasse“ fand er es, wie viele junge Leute mit nur wenig Mitteln so etwas Hochwertiges auf die Beine stellen konnten. „Von vorn bis hinten gelungen“ sei der Film von Mark Lohr. Stolz sei Robert Pötzsch auf den jungen Filmemacher aus Waldkraiburg, der wohl auch in Zukunft noch für Furore sorgen werde.

Die Zeit für positive Dinge nutzen

So viel Lob stehen aber auch die anderen Premierenbesucher an diesem Abend nicht nach. Viele beeindruckende Szenen habe der Film geboten, über die er erst einmal nachdenken müsse, erklärt Michael Krause, der extra aus Berlin angereist war, um seinen Sohn Luca im Film zu bewundern. Mit Uwe Blädel ist ein weiterer Papa ganz angetan vom Film, dessen Tochter Corinna ebenfalls mitwirkt. Und dann wären noch Kino-Cracks wie etwa Wladislaw Gontschar aus Mehring, der mit Freunden zum ersten Mal seit dem Krisenausbruch wieder im Kino war und nicht enttäuscht wurde. Seine Quintessenz: „Wir ärgern uns zu viel im Leben!“ Seine Zeit für positive Dinge nutzen, darum gehe es doch.

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Positiv war auch das Feedback der Besucher, die nach der Premiere ihre Meinung über einen anonymen QR-Code abgeben sollten. „Bis auf eine einzige Stimme war die Resonanz super“, freut sich Mark Lohr. Manche seien sogar zu Tränen gerührt worden.

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