Das erste Baugebiet seit zehn Jahren: Verfahren für Waldkraiburg-West beginnt

Das Baugebiet Waldkraiburg-West, westlich der Von-der-Tann-Straße und nördlich der Staatsstraße 2352, zeigt der Entwurfsplan mit Grünstrúktur und Straßenerschließung, den der Stadtentwicklungsausschuss jetzt einstimmig gebilligt hat. U-Plan/Stadt
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Das Baugebiet Waldkraiburg-West, westlich der Von-der-Tann-Straße und nördlich der Staatsstraße 2352, zeigt der Entwurfsplan mit Grünstrúktur und Straßenerschließung, den der Stadtentwicklungsausschuss jetzt einstimmig gebilligt hat. U-Plan/Stadt

„Waldkraiburg-West“ – dieses Baugebiet ist schon seit Langem ein Thema in der Stadt. Doch erst jetzt startet das Bauleitplanverfahren, um erstmals nach über einem Jahrzehnt wieder Bauland für Häuslebauer im größeren Stil auszuweisen. Alle wichtigen Fakten zur Planung wurden im Stadtentwicklungsausschuss präsentiert.

Waldkraiburg – „Waldkraiburg-West“ – dieses Baugebiet ist schon seit Langem ein Thema in der Stadt. Doch erst jetzt startet das Bauleitplanverfahren, um erstmals nach über einem Jahrzehnt wieder Bauland für Häuslebauer im größeren Stil auszuweisen. 103 Bauparzellen für Einzel- und Doppelhaushälften sieht der Planentwurf vor, den der Stadtentwicklungsausschuss gebilligt hat.

Stadt: Über 300 Interessenten haben sich gemeldet

Über 300 Familien stehen laut Angaben der Stadt auf einer Interessentenliste.

27 Einzelhäuser und 76 Doppelhaushälften

Uwe Feickert, der den Entwurf im Auftrag der Stadt erstellt hatte, erläuterte im Ausschuss die Eckdaten der Planung für das acht Hektar große Areal westlich der Von-der-Tann-Straße und nördlich der Staatsstraße 2352. Derzeit sind gut zwei Drittel der Fläche Wald, fast zweieinhalb Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Mit der Änderung des Flächennutzungsplans soll das Areal zu einem allgemeinen Wohngebiet umgewandelt.

Bauparzellen: Bauparzellen für 27 Einzelhäuser und 76 Doppelhaushälften sind vorgesehen, „bezahlbares Wohneigentum für junge Familien“, so Feickert. Bei einer Grundflächenzahl (GFZ) von 0,4 seien die Grundstücke gut ausgenutzt, könnten zu 40 Prozent bebaut werden, zweigeschossig, bis zu einer Wandhöhe von 6,80 Metern. Teilflächen sind für zwei Spielplätze und ein Regenrückhaltebecken reserviert.

30 Meter breiter Waldgürtel

Eingrünung und Waldgürtel: Das Baugebiet wird im Westen und entlang der Staatsstraße durch einen 30 Meter breiten Waldgürtel abgeschirmt, der für die Tierwelt sowie für das lokale Klima eine wichtige Funktion hat und den Charakter Waldkraiburgs als Stadt im Wald betont.

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Im Westen was Neues

Verkehrserschließung: Das Baugebiet wird von neun Meter breiten Haupterschließungsstraßen von der Von-der-Tann-Straße aus erschlossen und an den Wendehammer in der Stettiner Straße angeschlossen. Von dieser Haupterschließung gehen kleinere, sieben Meter breite Ringerschließungsstraßen ab.

Ausgleichsflächen:4,6 Hektar Wald werden bebaut, 4,8 Hektar Ausgleichsflächen geschaffen. Davon befindet sich ein Hektar im Umgriff des Bebauungsplanes. Es wird mit Laubmischwald aufgeforstet. Mehr als 3,7 Hektar Ausgleichsfläche liegen etwa zwei Kilometer entfernt in der Innaue, wo der Auwald erweitert wird.

Schallschutz: Zum Schutz vor dem Verkehrslärm, der von der Staatsstraße ausgeht, ist laut Schallschutzgutachten ein drei Meter hoher mit Sträuchern bepflanzter Wall geplant.

Artenschutz: Die Ergebnisse der kürzlich abgeschlossenen speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung sind vor der Auslegung der Planung noch einzuarbeiten. Die bestehende Waldfläche habe insbesondere für Vögel und Fledermäuse eine wichtige Funktion, so Feickert. Den Anforderungen des Artenschutzes könne die Planung durch den 30 Meter breiten ökologisch wertvollen Waldstreifen gerecht werden.

Noch keine konkrete Aussage zu Preisen

Zuletzt war die Planung im Westen des Baugebiets noch einmal geändert worden. Die Ringerschließungsstraße wurde vom Wald weg verlegt und könne nun von zwei Seiten genutzt werden. Damit werden 150 Quadratmeter Straße gespart.

Die Frage von SPD-Stadtrat Richard Fischer nach dem Preis der Grundstücke, die nur zu einem geringen Teil im Eigentum der Stadt, vorwiegend privaten Grundbesitzern gehören, könne noch nicht beantwortet werden, so Bauamtsleiter Carsten Schwunck. „Wir sind aber auf einem guten Weg der Einigung.“ Schwunck: „Wir können aber sicher nicht unter den Wert des Gutachterausschusses gehen.“ 200 Euro pro Quadratmeter nannte Schwunck als Mindestpreis.

Wolfgang Hintereder (UWG) macht sich Sorgen wegen des geplanten Waldumbaus. Ein Hochwald in diesem Bereich sei wegen der gefährlichen Westwinde ein Problem. Dazu Uwe Feickert: Der Wald werde neu aufgeforstet. „Das wird ein sehr stabiler Laubwald mit einigen Tannen.“ Derzeit bestehe der Wald an der Staatsstraße noch größtenteils aus Fichten.

Einstimmig hat der Ausschuss die Änderung des Flächennutzungsplanes gebilligt, der nun ebenso ins Verfahren geht wie die Aufstellung des Bebauungsplanes. Wie Carsten Schwunck erklärte, werden in diesem Verfahren auch die Bedenken thematisiert und gutachterlich untersucht, die Anlieger des Baugebiets bereits bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Spätherbst vorgetragen hatten. Sie betreffen die verkehrliche Erschließung ebenso wie die Schutzfunktion des Waldes.

Am 14. Juli im Stadtrat: Alle Themen auf einen Blick

Das Baugebiet Waldkraiburg-West, die Änderung des Flächennutzungsplanes, ist auch Thema in der öffentlichen Stadtratssitzung am Dienstag, 14. Juli. Ebenfalls bereits in den Ausschüssen vorberaten wurde der Erlass einer Haushaltssperre aufgrund der Corona-bedingten Gewerbesteuerausfälle, der Neuerlass der Gebührensatzung für den Waldfriedhof, die Einrichtung einer Stelle für die Jugendsozialarbeit an der Beethoven-Grundschule, ein Beleuchtungskonzept, um das Haus der Kultur in den Nachtstunden besser zur Geltung zu bringen, die Änderung der Flächennutzungspläne für einen Bereich an der Prießnitzstraße, an der Innthalstraße sowie für den Bereich zwischen altem Bahnhof und Bahnübergang an der Staatsstraße 2091, die Errichtung von drei Schnellladesäulen für Elektrofahrzeuge im Stadtgebiet, die Standortentscheidung für eine weitere Kindertagesstätte, die Erneuerung der Fuß- und Radwegbrücke über die Bahnlinie, die Gestaltung der Kreisverkehrsinsel am Kino sowie der Verzicht auf Gebühren für die Corona-bedingte, stark eingeschränkte Nutzung der Sportstätten durch die Sportvereine sowie ein städtischer Investitionskostenzuschuss zur Erneuerung der Trafostation an der Braunauer Straße. Einweiteres Thema ist der geplante Schultausch zwischen Förder- und Mittelschule. Da geht es um die Ergebnisse einer Entwicklungsstudie, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte, und das weitere Vorgehen in dieser Sache. Ebenso wird über die Fortführung der Flexiblen Trainingsklasse an der Liszt-Mittelschule für das Schuljahr 2020/21 entscheiden. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr und findet im Großen Saal im Haus der Kultur statt. hg

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