Zur Ermittlungsarbeit in Sachen Großbrand in Waldkraiburg: NSU war gestern

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So berechtigt Angst und Abscheu vor einem möglichen rechtsextremen Brandanschlag am Sartrouville-Platz in Waldkraiburg sind: Zuerst müssen die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit tun.

Brandgeruch – noch Tage später lag er über dem Zentrum von Waldkraiburg. Das verheerende Großfeuer, das in der Nacht zum Montag in einem türkischen Gemüseladen ausbrach, ist längst gelöscht. Und hat sich doch festgesetzt in den Köpfen und Herzen vieler Menschen, wie Rauch und Ruß in den letzten Winkeln der Läden und Häuser am Sartrouville-Platz.

Angst geht um in der türkischen Gemeinde. Verständlicherweise. Denn nur wenige Tage zuvor gab es mysteriöse Übergriffe auf zwei andere türkische Geschäfte, die beschädigt und verunreinigt wurden.

Und viele rechtschaffene Bürger dieser Stadt treibt die Sorge um, was wäre, wenn sich bewahrheitet, was befürchtet werden muss. Brandstiftung ist nach Einschätzung der Ermittler sehr wahrscheinlich. Ein rechtsextremistischer Anschlag kann nicht ausgeschlossen werden.

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Betroffen, schockiert suchen Menschen da nach Gesten, um ihre Solidarität zu türkischen und türkischstämmigen Mitbürgern zum Ausdruck zu bringen. Das ist richtig und wichtig. Und schwer genug in Corona-Zeiten mit all ihren Beschränkungen.

Nicht weniger wichtig ist freilich – Geduld. Vertrauen in die Ermittlungsbehörden. Keine Mahnwache, keine noch so plausible Theorie über die Hintergründe kann die akribische Aufklärungsarbeit von Polizei und Justiz ersetzen. Diese Arbeit ist erst am Anfang. Und sie ist ergebnisoffen.

Das haben Staatsanwalt und Polizeiführung gestern bei einem Gespräch mit der türkischen Gemeinde deutlich gemacht. Vor allem aber haben sie glaubwürdig aufgezeigt, wie entschlossen der Staat in diesem Fall die Aufklärung betreibt. Mit größtem personellen Aufwand und Nachdruck. NSU war gestern.

Das hat auch auf die Vertreter der türkischen Gemeinde Eindruck gemacht. Bürgermeister Pötzsch, der das Treffen initiierte, hat erkannt, wie wichtig diese vertrauensbildende Maßnahme ist. Denn das Feuer vom 27. April darf die Waldkraiburger nicht auseinanderbringen, das schreckliche Ereignis muss sie zusammenführen. Sonst hätten – sollten sich die schlimmsten Befürchtungen erfüllen – die Brandstifter tatsächlich erreicht, was sie wollen.

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