Erinnerung,Versöhnung,Verantwortung

Zum 70. Jahrestag der Deportation der Deutschen aus Südosteuropa in die Sowjetunion legte Georg Ledig (links), Vorsitzender der Banater Schwaben, die die Gedenkveranstaltung organisiert hatten, gemeinsam mit Kurt Zikeli (rechts), dem Vorsitzenden der Siebenbürger Sachsen, einen Kranz am Mahnmal der Vertreibung nieder. Foto hg
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Zum 70. Jahrestag der Deportation der Deutschen aus Südosteuropa in die Sowjetunion legte Georg Ledig (links), Vorsitzender der Banater Schwaben, die die Gedenkveranstaltung organisiert hatten, gemeinsam mit Kurt Zikeli (rechts), dem Vorsitzenden der Siebenbürger Sachsen, einen Kranz am Mahnmal der Vertreibung nieder. Foto hg

Vor 70 Jahren, im Januar 1945, wurden Zehntausende von Deutschen aus Südosteuropa zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Viele kehrten nicht mehr zurück.

In einer Feierstunde am Mahnmal der Vertreibung gedachten die Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen der Opfer von Unrecht und Gewalt.

Waldkraiburg - Die Blaskapelle der Banater Schwaben, Fahnenabordnungen der Landsmannschaften und Heimatvereine, etwa hundert Teilnehmer, darunter einige Zeitzeugen und zahlreiche Vertreter aus der Politik, waren zum Mahnmal der Vertreibung am Rathaus gekommen, um an das Schicksal der Deportierten zu erinnern. Bis heute ist die Erinnerung in Waldkraiburg lebendig, oft höre er bei seinen Geburtstagsbesuchen Geschichten über diese schwere Schicksalszeit, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch. Das Gedenken und die Versöhnung seien bleibende Aufgaben für die nachfolgenden Generationen.

Die Deportation habe Menschen ereilt, unabhängig davon, ob sie in Kriegszeiten persönliche Schuld auf sich geladen hatten, so Stephan Mayer, Bundestagsabgeordneter und Präsidiumsmitglied des Bundes der Vertriebenen. So schwer die Schuld Deutschlands auch sei, so wenig rechtfertige sie das Unrecht, das Deutsche erfahren haben.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs habe für die einen Befreiung gebracht, für viele andere sei es mit weiterem Leid, mit Flucht und Vertreibung verbunden, sagte MdL Dr. Martin Huber in seiner Gedenkrede. Die Erinnerung an den Holocaust und die Verbrechen des Nationalsozialismus bleibe Auftrag. Zur historischen Wahrheit gehöre aber auch: "Vertreibung war Unrecht, ist Unrecht und bleibt Unrecht."

Huber würdigte das Bekenntnis der Vertriebenen zur Versöhnung, das sie schon mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen im Jahr 1950 abgelegt hätten. Dass die Vision von einem geeinten Europa in der Europäischen Union Realität geworden ist, sei auch ihr Verdienst.

Bis heute sei Gewalt und Vertreibung "grausame Realität" für mehr als 50 Millionen Menschen. "Solange Menschen vor Krieg und Verfolgung fliehen, können wir uns nicht zufrieden zurücklehnen." Bürger und Politiker stünden in der Verantwortung, Hilfe Suchenden beizustehen und Vertreibung weltweit zu ächten. Huber begrüßt deshalb die Einführung des nationalen Gedenktages gegen Vertreibung, um die Jahrzehnte lange Versöhnungsarbeit der Heimatvertriebenen, ihre Tatkraft und ihren Pioniergeist zu würdigen, mit denen sie eine neue Heimat gewonnen haben.

Pfarrer Heinrich Brand-stetter stellte den Frieden und große Verantwortung aller Menschen für den Frieden in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Auch er zählt zu den Zeitzeugen, seine Eltern kehrten erst drei Jahre nach der Deportation wieder nach Siebenbürgern zu- rück. hg

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