"Eisenbahner mit Herz"

OVB
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Beim Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" erhielt Yalcin Özcan den Sonderpreis für Zivilcourage.

Waldkraiburg/Berlin - Er hat das Herz am rechten Fleck: Schaffner der Südostbayernbahn Yalcin Özcan. Er wurde wegen seiner Zivilcourage mit einem Preis ausgezeichnet.

Der 25-jährige Waldkraiburger wurde in Berlin beim bundesweiten Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" mit dem Sonderpreis für Zivilcourage ausgezeichnet, weil er Fahrgäste vor einem Betrunkenen, der mit einer Pistole drohte, beschützte.

"Wir freuen uns riesig", heißt es in der einer Pressemitteilung der Südostbayernbahn. Zugbegleiter Yalcin Özcan bekam in Berlin den Sonderpreis "Zivilcourage" beim bundesweiten Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" der "Allianz pro Schiene". Der 25-jährige Waldkraiburger schützte Fahrgäste im Zug vor einem bewaffneten Betrunkenen.

Passiert ist das Ganze im Juni 2010, als er von der Südostbayernbahn an die Kurhessenbahn, ein Schwesterunternehmen, "ausgeliehen" wurde. Bei einer Zugfahrt geriet der türkischstämmige Mann, damals 23 Jahre alt, an einen gewaltbereiten Schwarzfahrer. Der Mann bedrohte die Fahrgäste mit einer Pistole und schrie "ich schieß euch alle ab", aber Özcan stellte sich ihm in den Weg. Die Reisenden verließen den Waggon und brachten sich nach Özcans Anweisung beim Lokführer in Sicherheit. Nun war der junge Mann mit dem Randalierer und einer scharfen Waffe allein, doch es gelang Özcan ihn wegzuschubsen und in dem Waggon einzusperren. In der Nähe von Kassel klickten dann die Handschellen.

"Held" oder "Retter" will der Geehrte nicht genannt werden. "Ich bin immer noch derselbe Yalcin", sagt er bescheiden. Seine Gefühle über diese eine Zugfahrt beschreibt er so: "Mir ist mein ganzes Leben vor den Augen vorbeigezogen", und innerlich sei ihm klar gewesen, jetzt ist "Feierabend". Am Ende kamen alle mit dem Schrecken davon. Die Fahrgäste umarmten ihn dankbar.

Für seine Zivilcourage wurde er gestern in Berlin gewürdigt. Die Laudatio hielt der bekannte TV-Entertainer Harald Schmidt. "Wir sind sehr stolz, dass ein Südostbayernbahner diesen begehrten Preis gewonnen hat - vor allem auch weil er von Fahrgästen für die Auszeichnung vorgeschlagen worden ist. Wir danken ihm für seinen Mut und seinen Einsatz", sagte Christoph Kraller, Leiter der Südostbayernbahn, in einer ersten Reaktion.

Ein bisschen hängt Yalcin die Sache noch nach. Er blicke sich oft um, ob jemand mit einer Waffe hinter ihm stünde. Kürzlich sei er im "Lumpensammler" von München nach Mühldorf wieder an eine Schwarzfahrerin geraten, die sich im Klo eingesperrt habe. "Die Tür war zu, ich klopfte und dachte: Was passiert wohl gerade hinter dieser Tür?"

Dennoch: Er liebe seinen Beruf. Trotzdem gebe es Tage, da sei er abends froh, wenn er ohne Zwischenfall nach Hause komme. "Bei uns fahren Ärzte und Polizisten mit, aber Drogendealer und Verrückte können eben auch einsteigen", so der 25-Jährige. Als er in Hessen arbeitete, vermisste er nach eigenen Angaben die bayerischen Schwarzfahrer schon fast ein bisschen. "Die sind trotz Oktoberfest im Ganzen viel ruhiger und gesitteter."

kla/re

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