Mit nur einem Atemzug: Finne Antero Joki gibt Apnoe-Kurs im Waldkraiburger Waldbad

Nur leicht am Arm berührt Antero Joki seinen Apnoetauchschüler, in der anderen Hand liegt die Stoppuhr. Bis zu vier Minuten schaffen es die Teilnehmer des Kurses, der Lehrer selbst schafft es auf knapp acht Minuten.
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Nur leicht am Arm berührt Antero Joki seinen Apnoetauchschüler, in der anderen Hand liegt die Stoppuhr. Bis zu vier Minuten schaffen es die Teilnehmer des Kurses, der Lehrer selbst schafft es auf knapp acht Minuten.

Mit einem Atemzug in die Tiefe: Apnoetauchen übt auf viele eine große Faszination aus, der Sport ist aber nicht ohne Risiken. Wie man unter Wasser loslassen kann und was es zu beachten gibt, das weiß Antero Joki. Der Finne hat das Team Finnland bei mehreren Weltmeisterschaften vertreten und ist Apnoetauchlehrer. Sein Wissen um den Sport hat er mehreren Mitgliedern vom Tauchclub Manta weitergegeben.

Waldkraiburg – Unter Wasser die Luft anhalten – das ist ganz vereinfacht gesagt Apnoetauchen. Loslassen, sich völlig auf seinen Körper konzentrieren – ansonsten ist es nicht zu schaffen, bis zu zehn Minuten unter Wasser zu bleiben und in Tiefen von mehr als 100 Metern zu tauchen.

So tief ging es erst einmal nicht beim zweitägigen Kurs für die Manta-Mitglieder. Nach der Theorie hieß es erst einmal: Ab ins Becken vom Waldbad für die ersten Übungen, um die Theorie in der Praxis umzusetzen. Mit im Wasser ist Apnoetauchlehrer Antero Joki.

Sich völlig frei zu bewegen

Der Finne lebt seit 2014 in München, der seit 2013 auch Apnoetauchlehrer ausbildet. „Beim Freediving fasziniert mich vor allem das Gefühl, im Wasser schweben und sich völlig frei bewegen zu können.“ Sein offizieller Rekord liegt bei knapp über 80 Meter Tiefe und er kann knapp acht Minuten die Luft dabei anhalten. Bei Nichtwettkämpfen lag bisher seine Bestmarke bei 128 Meter Tiefe. Angefangen mit Apnoetauchen hat er 2001 – mit 35 Jahren.

Mit dem Element „Unterwasser“ sind die Manta-Mitglieder vertraut – allerdings mit Atemgerät. Vom Apnoekurs erhofften sie sich noch mehr Sicherheit beim Tauchen, wenn es zu einer Notsituation unter Wasser kommen sollte, da waren sich Wolfgang Bernhardt, Gudrun Hantschel, Sergej Nazarenus und Stefan Ernst einig. „Beim Schnorcheln bietet es sich an, mal für ein paar Minuten abzutauchen“, sagt Stefan Ernst.

.Schwerelos geht es in die Tiefen des Ozeans hinab. Antero Joki betreibt seit 2001 Apnoetauchen.

Jeder könne Apnoetauchen betreiben, ist Antero Joki überzeugt. Doch man darf die Risiken nicht unterschätzen: „Die Gefahren bestehen darin, wenn man untrainiert ist und nicht auf seinen Körper hört. Man muss seine Grenzen erkennen lernen“, sagt Joki. Doch es geht auch darum, loszulassen, die Luft langsam aus dem Körper ausströmen zu lassen und dem Atemreiz nicht nachzugeben. Nicht ganz einfach für alle Teilnehmer an diesem Tag.

„Es ist nicht leicht, den Kopf frei zu bekommen für eine ruhige Atmung, die man dan anhalten kann“, sagt Gudrun Hentschel.. Ganz ruhigen treiben die Mitglieder nacheinander im Wasser, atmen nicht, während Antero Joki sie nur leicht am Arm festhält. Zwischen zwei und vier Minuten bleiben die Männer und Frauen auf diese Weise ruhig im Wasser. Am Ende des Kurses bewältigten sie auch 40 Meter Streckentauchen ohne Flossen.

Eine Reise ins eigene Ich

Loslassen – in keiner anderen Sportart wie beim Apnoetauchen ist dies so wichtig. Genau das liegt Antero Joki so am Herzen: „Sich freimachen und mit der Unterwasser-Reise auch eine Reise ins eigene Ich zu unternehmen.“ Jeder, der schon mal unter Wasser die Luft angehalten habe, sei ein Apnoetaucher. „Aber Apnoetauchen ist so viel mehr als nur Luftanhalten.“

Der schönste Platz, wo Antero Joki je getaucht ist, war auf den Bahamas. Dort gibt es Tauchgebiete mit Wasserlöchern in bis zu 200 MeterTiefe. Zur Zeit trainiert er am Starnberger See und genau dorthin führt auch der zweite Teil des Apnoetauchkurses. Vom klaren Becken im Waldbad geht es in die Tiefe des Starnberger Sees. Am Seil entlang tauchen die Teilnehmer 16 Meter tief – mit nur einem Atemzug. Langsam geht es wieder zurück in Richtung Wasseroberfläche. Das Wichtige dabei: Immer mit dem Druckausgleich beginnen, da sich dieser ohne Pressluftflasche ganz anders anfühle.

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Sergej Nazarenus hat Gefallen gefunden am „Freediving“. Seine Erfahrung aus dem Kurs will er als Lehrer im Tauchclub wie auch Wolfgang Bernhardt ins Training einbauchen. Und er will weiter in die Welt unter Wasser mit nur einem Atemzug vordringen.

Zur Person Antero Joki

Der Finne Antero Joki hat erst im Alter von 35 Jahren mit dem Apnoetauchen begonnen. Drei Jahre später – 2004 – nimmt er an den ersten Meisterschaften teil, nachdem Freunde ihn dazu überredet hatten. Er ist Apnoelehrer und Apnoetauchlehrerausbilder, seit 2004 ist er Mitglied des finnischenFreediving National Teams, dreifacher Bronze-Medailliengewinner bei Weltmeisterschaften und Trainer des deutschen Freediving Nationalteams. Er nimmt jährlich an den deutschen Meisterschaften in Berlin teil und war da auch schon Gesamtsieger mit 7:23 Minuten Zeittauch- und 164 Meter-Streckentauchleistung.

Joki Antero organisiert schon seit sehr vielen Jahren das Eistauch Event „Päjänne on the Rocks“ im Süden Finnlands, er selbst ist ja auch Rekordmeister im Apnoe-Eistauchen.

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