Eine verputzte Wand liegt im Trend

Handarbeit "made in Germany" - die Firma Kolbe ist ein typischer Familienbetrieb und bundesweit einer von zwei Betrieben, der Krippen und das passende Zubehör herstellt. Bernd Kolbe fertigt mit Familienangehörigen und fünf Mitarbeitern für Baumärkte, große Christkindlmärkte, aber auch Privatpersonen. Foto  hsc
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Handarbeit "made in Germany" - die Firma Kolbe ist ein typischer Familienbetrieb und bundesweit einer von zwei Betrieben, der Krippen und das passende Zubehör herstellt. Bernd Kolbe fertigt mit Familienangehörigen und fünf Mitarbeitern für Baumärkte, große Christkindlmärkte, aber auch Privatpersonen. Foto hsc

Am Wochenende zeigte sich der Sommer noch einmal von seiner schönsten Seite. Doch dafür hat Bernd Kolbe derzeit keinen Blick. Er und seine Mitarbeiter stellen Krippen und das entsprechende Zubehör her; im Sommer ist hier Hauptproduktionszeit.

Waldkraiburg - Während sich die meisten Waldkraiburger braun gebrannt noch intensiv an ihren Sommerurlaub erinnern, läuft bei der Firma Kolbe die Produktion auf Hochtouren. Seit Ende Juli bis Anfang Dezember werden hier Krippen in den unterschiedlichsten Formen und Größen sowie das passende Zubehör hergestellt.

Auch bei Krippen gibt es Trends: So sind derzeit Krippen angesagt, die nicht nur Holzwände haben, sondern mindestens eine verputzte Wand. Auch das Zubehör ändert sich ständig. Ein Hasenstall oder ein kleiner Wagen sind derzeit angesagt. Schwer im Kommen ist aber auch eine Toilette mit Herzerlfenster. "Dazu gibt es auch den passenden sitzenden Hirten", sagt Bernd Kolbe. Gerade dieser sitzende Hirte, der sein Geschäft erledigt, sei in Spanien in jeder Krippe zu finden. Das gehört dort zur Tradition und soll Glück bringen, so Kolbe.

Mittlerweile hat auch die LED-Technik bei den Krippen Einzug gehalten, obwohl das Licht kälter und nicht so heimelig ist. Die Firma Kolbe lässt sich extra kleine Birnchen mit Schraubfassung fertigen. "Damit bei einem Wechsel der Birne nicht gleich die ganze Elektrik ausgebaut werden muss", argumentiert Kolbe.

Rund 200 Muster hat der Betrieb auf Lager. Dabei reicht die Bandbreite von ganz kleinen Krippen bis hin zu ganz großen. Er kann sich an eine Krippe für eine Kirche erinnern, die 90 Zentimeter große Figuren hatte. Doch im Schnitt sind Krippen für Figurengrößen um zehn Zentimeter die gängigsten. Dabei gibt es, laut Kolbe, von Land zu Land erhebliche Unterschiede. In Österreich seien kleine Krippen gang und gäbe. "In den Niederlanden muss alles groß sein", so Bernd Kolbe. Nicht ohne Stolz erzählt Bernd Kolbe, dass das Unternehmen seine Krippen weltweit vertreibt.

Dazu kommen regionale Unterschiede, die von der Firma Kolbe ebenfalls bedient werden. So brauchen Krippen in Norddeutschland ein Dach aus Stroh, während in Bayern Schindeldächer an der Tagesordnung sind.

In den 70er-Jahren hatte Vater Alfred, der eigentlich Beamter war, nebenbei bei der Firma Damberger mitgeholfen. Sie produzierte Vogelhäuschen, schwenkte aber auf Weihnachtskrippen um Als Sohn Bernd im Jahr 1989 seine Spenglerlehre abgeschlossen hatte, beschloss die Familie, die Firma Damberger zu kaufen und weiterzuführen.

Der Betrieb wuchs stetig und zog von der Breslauer Straße in die Reichenberger Straße und im Jahr 2000 in die Karlsbader Straße um. Die Firma Kolbe ist ein klassischer Familienbetrieb: Bernd Kolbe arbeitet hier genauso wie seine Ehefrau, seine Schwester mit ihrem Mann und seine Mutter. Daneben haben sie noch fünf Angestellte. "Wir achten auf Qualität und setzen auf Made in Germany. Das wird von unseren Kunden wieder geschätzt."

Im Januar, wenn die meisten Menschen gerade ihren Weihnachtsbaum entsorgen und den Kampf gegen den Weihnachtsspeck aufnehmen, ist Bernd Kolbe mit seinem Team auf Messen unterwegs. Bei der Christmas World, der größten Messe für Weihnachtsartikel in Frankfurt, sind die Einkäufer von Gartencentern oder namhaften Christkindlmärkten und ordern für das nächste Jahr.

Mittlerweile wird aber auch hier der Verkauf übers Internet immer wichtiger. "Auch wenn ich es nicht verstehen kann, müssen wir hier mitmachen", sagt Bernd Kolbe. Für ihn muss man eine Krippe, das Zubehör und die Figuren anfassen und fühlen.

Die Firma Kolbe beliefert aber nicht nur Baumärkte oder Möbelgeschäfte. Wer eine neue Krippe für sein privates Wohnzimmer sucht oder seine alte Krippe aufpeppen möchte, kann sich in dem Verkaufsraum in der Karlsbader Straße umsehen. Kolbe erinnert sich an eine Frau, die im vergangenen Jahr eine Krippe brachte, die bereits der Uropa unter den Baum gestellt hat. "Sie war total glücklich, dass wir die Krippe renovieren konnten".

Was die Firma Kolbe auszeichnet: Alle Krippen und das gesamte Zubehör - bis auf die Figuren - sind selbst gemacht. Da wird im Frühjahr Moos, Rinde, Stroh und Ähnliches gesammelt. Danach wird in der Werkstatt gewerkelt, um Zäune, Feuerstellen, Brunnen, Ställe, Hackstöcke, Bäume und vieles mehr in allen Formen und Größen zu basteln.

Am Waldkraiburger Christkindlmarkt hat die Firma Kolbe auch einen Stand. "Wir wollen den Kontakt zu den Menschen nicht verlieren. Dort hören wir, was sie sich für ihre Kripperl wünschen." Auch wenn er sich das ganze Jahr mit Krippen auseinandersetzt, hat Bernd Kolbe an Weihnachten auch ein Kripperl. "Das gehört einfach dazu", so der Firmenchef der "Alfred Kolbe GmbH".

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