Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Erste Insulinbehandlung vor 100 Jahren

Eine Spritze zum Überleben: Waldkraiburger lebt seit 20 Jahren mit Diabetes

Vor knapp 20 Jahren wurden bei Sigi Hanesch erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt, seit zwölf Jahren spritzt er Insulin.
+
Vor knapp 20 Jahren wurden bei Sigi Hanesch erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt, seit zwölf Jahren spritzt er Insulin.
  • Raphaela Lohmann
    VonRaphaela Lohmann
    schließen

Vor genau 100 Jahren war zum ersten Mal eine Insulin-Behandlung erfolgreich. Die Ärzte Frederick Banting und John Macleod erhielten für ihre Entdeckung den Nobelpreis. Auch 100 Jahre später spielt das Insulin noch immer eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Diabetes. Wie man mit der Krankheit lebt, davon erzählt Sigi Hanesch.

Waldkraiburg – Vor 100 Jahren kam die Diagnose Diabetes einem Todesurteil gleich. Denn ohne Behandlungsmöglichkeiten war einige Jahre später das Leben vorbei. Erst die Isolation von Insulin und der Nachweis von dessen blutzuckersenkender Wirkung machte eine erfolgreiche Behandlung möglich. Am 23. Januar 1922 erhielt der damals 14-jährige Leonard Thompson eine Insulinbehandlung, die erstmals erfolgreich anschlug.

Bei Routinekontrolle plötzlich aufgefallen

Seit knapp 20 Jahren lebt Sigi Hanesch mit seiner Diabetes-Erkrankung Typ 2. Bei einer Routinekontrolle sind die erhöhten Blutzuckerwerte aufgefallen und zunächst über ein Jahr beobachtet worden. „Es gab zuvor keine Symptome für Diabetes. Aber weil es so früh erkannt wurde, konnte dagegengesteuert werden, bevor es schlimmer wurde“, erinnert er sich.

Die ersten Jahre konnten seine Werte mit Medikamenten kontrolliert werden, seit zwölf Jahren spritzt er Insulin. Schon zuvor war der Weg zum Diabetologen unausweichlich, der ihm auch eine Ernährungsumstellung empfahl. „Regelmäßig hat mich meine Frau zu den Terminen begleitet. Sie hat sich darauf eingestellt und das konsequent durchgezogen“, sagt Sigi Hanesch. Ihm sei dadurch vieles leichter gefallen.

Heute geht Sigi Hanesch locker mit der Krankheit um. Er weiß, was er darf, was er essen kann, worauf er achten muss. Insulin spritzt er nach Bedarf, im Laufe der Jahre hat er ein gutes Gefühl dafür entwickelt, was er essen darf, wann er Insulin braucht. Sich piksen muss er seit einigen Jahren nicht mehr. Die Kontrolle seines Blutzuckerspiegels übernimmt ein kleiner Sensor, der quasi auf die Haut am Oberarm aufgeklebt und regelmäßig ausgetauscht wird. „Wenn der Wert deutlich zu hoch oder zu niedrig werden würde, würde es einen Alarm geben“, erklärt Hanesch. Doch so weit sei es noch nicht gekommen. Seine Erfahrung hat ihn noch nie im Stich gelassen.

„Als ich damals die Diagnose bekommen hatte, war mein Gedanke, wie es mit meinem Leben weitergehen soll. Man hatte ja so einiges von Zuckerkrankheit gehört“, sagt der 67-Jährige. Er war früher ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig und weiß, was ein diabetisches Koma ist, was die Folgen sein können. Auch über die spätere Ernährungsumstellung machte er sich seine Gedanken. Doch in beiden Fällen hat er schnell gemerkt, dass die Auswirkungen auf den Alltag für ihn nicht gravierend sind.

Beim Espresso braucht er den Zucker

„Sicherlich muss ich mich einschränken. Chips und Schokolade zum Fernsehabend gibt es halt nicht. Was schade ist: Ich bin ein Brotliebhaber, aber weißes Brot esse ich jetzt kaum noch“, sagt er. Stattdessen gibt es oft Knäckebrot und Dinkelprodukte, Tee und Kaffee trinkt er nur noch ohne Zucker. Wenn er doch mal über die Stränge schlägt, dann nur in Maßen. Ein Marmeladenbrot zum Frühstück oder ein Eisbecher im Sommer – gibt es selten, der Genuss ist umso größer. „Ich frage mich schon immer, ob ich dem nachgeben soll, ob es das wert ist, dass ich eingreifen muss?“ Mit seiner ansonsten konsequenten Ernährungsumstellung kann er seinen Blutzucker-Langzeitwert sei Jahren auf einem konstanten Niveau halten.

„Ich wusste ja, dass der Zucker schädlich für mich ist. Das hat es einfacher gemacht, darauf zu verzichten.“ Bei einer Sache will er aber auf Zucker nicht verzichten: Espresso. „Mit Süßstoff schmeckt er nicht.“ Von kleinen Sünden rät ihm seine Ernährungsberaterin auch nicht ab. „Man soll ja auch als Diabetiker was vom Leben haben“, sagt er.

Rund sieben Prozent sind von Diabetes betroffen

Diabetes mellitus ist ein Überbegriff für eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Die Hauptformen sind Typ 1 und Typ 2. Wie das Bundesgesundheitsministerium informiert, ist in Deutschland bei circa 7,2 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren ein Diabetes mellitus bekannt. Circa 90 bis 95 Prozent davon sind an Typ-2-Diabetes erkrankt. Während der Typ-1-Diabetes durch einen absoluten Mangel des Hormons Insulin verursacht wird und meist im Kinder- und Jugendalter auftritt, beginnt der Typ-2-Diabetes meist schleichend. Es entsteht zum einen durch eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin, zum anderen kann die Bauchspeicheldrüse wegen einer jahrelangen Überproduktion nicht mehr genügend Insulin für den erhöhten Bedarf liefern. Neben einer erblichen Veranlagung gelten Übergewicht und Bewegungsmangel als die wichtigsten Verursacher eines Typ2-Diabetes. Regelmäßige Bewegung, Ernährungsumstellung und ein normales Körpergewicht gelten als wichtige Therapiebausteine.

Kommentare