Eine Rose zu Ehren der Gottesmutter - Traditionelle Kräuterbuschen erinnern an Maria

Kurz vor Mariä Himmelfahrt treffen sich die Frauen vom Obst- und Gartenbauverein, um Kräuterbuschen zu binden. Marlene Schiller, Margarethe Schiller, Marianne Schiller, Erika Anzinger, Rosalia Eggerdinger und Claudia Kifinger (von links) packen mit an.
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Kurz vor Mariä Himmelfahrt treffen sich die Frauen vom Obst- und Gartenbauverein, um Kräuterbuschen zu binden. Marlene Schiller, Margarethe Schiller, Marianne Schiller, Erika Anzinger, Rosalia Eggerdinger und Claudia Kifinger (von links) packen mit an.

Aus Liebe zu Heimat und Tradition: Ebinger Frauen binden seit zehn Jahren Kräuterbuschen. Auch heuer haben sie 50 bunte Sträuße zusammengestellt, die sie am Feiertag Maria Himmelfahrt verkaufen. Allerdings unterliegen auch die Kräuterfrauen den Corona-Beschränkungen.

Mühldorf/Waldkraiburg– „In meinem Auto duftet es ganz wunderbar“, freut sich Margarethe Schiller und öffnet den Kofferraum. Die Vorsitzende des Ebinger Obst- und Gartenbauvereins holt körbeweise verschiedene Kräuter aus ihrem Fahrzeug. Die Pflanzen werden für die Kräuterbuschen an Mariä Himmelfahrt gebraucht. Schließlich legt die Dorfgemeinschaft Wert auf Tradition und Brauchtum.

Das ganze Dorf spendiert Kräuter

Vor ungefähr zehn Jahren entschloss sich der Obst- und Gartenbauverein, die Aufgabe des jährlichen Bindens der Kräuterbuschen zu übernehmen. Lebendiges Brauchtum erhalten, verbunden mit der Achtung der Schöpfung, so sehen Margarethe Schiller und ihre Mitstreiterinnen diesen Dienst für ihre Gemeinde. Die Frauen schwärmen wenige Tage vor Mariä Himmelfahrt aus und suchen in Wald und Flur nach passenden Heilpflanzen.

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„Ich plündere jedes Mal das Gehöft meiner Eltern, da wachsen nämlich rund herum einige passende Kräuter“, sagt Margarethe Schiller. „Bei uns im Dorf halten wir zusammen, so spendieren mehrere Familien Pflanzen und Kräuter aus ihren Gärten.“

Marlene Schiller macht sich aber auch gerne per Rad auf die Suche nach geeigneten Gewächsen. Weit fahren muss sie dafür nicht, denn rund um Ebing blüht und grünt es auf´s Trefflichste. So sind die Schätze der Natur schnell gefunden.

Sieben bis 99 Kräuter in einem Buschen

Wie viele verschiedene Pflanzen in einen Kräuterbuschen gehören, darüber gehen die Meinungen auseinander. Laut Tradition sollen zwischen sieben und 99 Kräuter darin stecken. Die Damen des Gartenbauvereins binden Sträuße mit sieben, aber auch mit 14 verschiedenen Kräutern. Bei einigen Buschen kommt zu Ehren der Gottesmutter Maria eine rote Rose ins Gebinde.

50 Sträuße für den Gottesdienst

Die Ebinger Frauen treffen sich vor dem Vereinsheim und stellen rund 50 Sträuße zusammen, die während des Gottesdienstes an Mariä Himmelfahrt den Segen erhalten. Marianne Schiller und Maria Strasser verteilen anschließend die Buschen gegen eine kleine Spende. Das Geld findet für den Blumenschmuck der St. Martins Kirche Verwendung.

Kopfüber hilft der Kräuterbuschen gegen Krankheiten

Den Kräuterbuschen wird der Legende nach allerhand Mystisches nachgesagt. Der Bund, kopfüber im Wohnhaus oder auch im Stall aufgehängt, soll Mensch und Tier vor Krankheiten und anderem Ungemach beschützen. Rosalia Eggerdinger weiß von ihrer Großmutter, wie mit den Kräuterbuschen des letzten Jahres verfahren wird: „Die muss man verbrennen, das bringt Glück.“

Leider noch kein Kraut gegen Corona

Weil gegen Corona offenbar (noch) kein Kraut gewachsen ist, müssen die Ebinger in diesem Jahr auf eine beliebte Gepflogenheit verzichten, wie die „Schiller-Frauen“ des Vereins erklären: „Normalerweise laden wir am Himmelfahrtstag nach dem Gottesdienst zu einem gemütlichen Frühstück ins Vereinsheim ein. Die Pandemie macht uns jetzt aber einen Strich durch die Rechnung.“

Laut Tradition sollen in einem Kräuterbuschen zwischen sieben und 99 Kräuter stecken. In Ebing sind es bis zu 14, darunter diese sieben. Klinger
Birgit Schmid ist ausgebildete Kräuterfrau und Kräuterpraktikerin

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