Eine neue Fassturbine war nötig

Geschafft: Rudi Ziegler, Georg Unterforsthuber, Alfons Brandl und Andreas Klusch (von links) packten kräftig mit an, um das neue Fass auf die Turbine zu setzen. Foto hsc
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Geschafft: Rudi Ziegler, Georg Unterforsthuber, Alfons Brandl und Andreas Klusch (von links) packten kräftig mit an, um das neue Fass auf die Turbine zu setzen. Foto hsc

Es gibt sie nur noch zwei Mal in Deutschland: Eine Schleiferei mit Fassturbine. Eine steht in Kraiburg und hat jetzt ein neues Fass bekommen. Der Kulturkreis kümmert sich seit dem Jahr 2004 um das historische Industriedenkmal.

Kraiburg - "Jetzt dreht sie sich wieder", sagte Georg Unterforsthuber zufrieden. Er stand mit Fischergummistiefeln im Wasser des Schleiferbachs und reinigte die Turbine der Schuster-Schleif. Erst danach konnte Alfons Brandl mit einem ganz schmalen Minibagger, der normalerweise am Friedhof zum Einsatz kommt, das neue Fass vorsichtig auf die Turbine setzen.

Rund zwei Wochen war der Schreiner und Wagner Andreas Klusch aus Neumarkt-St.Veit damit beschäftigt, aus dicken Eichenbrettern per Hand das rund zwei Kubikmeter große Fass zu bauen. "Nur die unteren beiden Eisenreifen sind noch original, den oberen habe ich erneuern müssen", so Klusch.

Allerdings wird es noch ein paar Tage dauern, bis die Fassturbine wieder einsatzbereit ist: Fass, Turbine und die Gestänge müssen genau ausgerichtet und befestigt werden, damit wieder alles rund läuft.

Am 23. Januar 1885 kaufte Lorenz Schuster die Schleiferei, die im Februar 1930 verlängert wurde. Bis 1987 betrieben die Brüder Hubert und Alois Schuster die Schleiferei. Deshalb bürgerte sich bei der Bevölkerung der Hausname "Schuster-Schleif" ein.

Messer und Scheren, auch die Operationsmesser des Kraiburger Krankenhauses aber auch landwirtschaftliche Geräte wurden dort geschliffen. In der Waldkraiburger Bekleidungsindustrie war man sich einig, dass die bestgeschliffenen Scheren aus der Schuster-Schleif kamen.

Das ist aber mittlerweile bereits lange her. Im Jahr 1987 kam die Schleif in den Besitz von Johanna Haider und im Jahr 2004 kam das technikgeschichtliche Denkmal schließlich durch Schenkung in den Besitz der Marktgemeinde.

Das besondere an der Schuster-Schleif ist eine Fassturbine, die nur noch zwei Mal in Deutschland zu finden ist. Das Wasser des Schleiferbachs, wie er umgangssprachlich genannt wird, wird in das Eichenfass geleitet und treibt dabei die am Boden eingebaute Turbine an. Über ein Gestänge wird der Transmissionsriemen, der sich im Gebäude befindet, in Gang gesetzt und treibt die Maschinen mit den kleinen und großen Schleifsteinen sowie verschiedenen Poliergeräten an.

Doch seit dem Tod des letzten Schleifers nagte der Zahn der Zeit heftig am Gebäude und an der Turbine. Der Kraiburger Kulturkreis bereitete die Sanierung und Konservierung vor, die im Jahr 2005 mit Hilfe von Spenden des Bezirks Oberbayern, des Amtes für Denkmalpflege, der Marktgemeinde und des Kulturkreises vorangetrieben wurde.

Mit tatkräftiger Unterstützung von vielen Mitgliedern und Helfern wurde in vielen Arbeitsstunden die Fassturbine wieder zum Laufen gebracht.

Doch schon im vergangenen Jahr musste sich der Kulturkreis erneut Gedanken um die Restaurierung der alten Fassturbine machen. Jetzt mussten die Mitglieder aktiv werden, da die alte Fassturbine beschädigt worden war: Franz Genzinger erzählt, dass der Zulauf des Baches von Unbekannten ausschließlich über die Fassturbine geführt wurde. Wegen des starken Regens führte der Schleiferbach viel Wasser und so war der Druck auf die Turbine und das Fass zu groß. Die Turbine drehte sich zu schnell und so wurde das Fass in Mitleidenschaft gezogen; einzelne Dauben gingen zu Bruch. Jetzt musste schnell gehandelt werden.

Über die Heimatzeitung erfuhr der Kulturkreis von Andreas Klusch, der nicht nur Schreiner, sondern eben auch Wagner ist und auch gerne half, die Fassturbine zu erhalten. hsc

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