Ein Verein mit viel Idealismus: 50 Jahre Tanzsportclub Weiß-Blau 70 Waldkraiburg

„In den Fängen des Wahnsinns“  heißt das Charakterstück der 19 „Firemoves“, das sie in der vergangen Saison einstudiert hatten.
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„In den Fängen des Wahnsinns“ heißt das Charakterstück der 19 „Firemoves“, das sie in der vergangen Saison einstudiert hatten.

Seit 50 Jahren gibt es den TSC Weiß-Blau 70, aus der Taufe gehoben wurde der Verein aber keineswegs in Waldkraiburg: Seine Geburtsstunde schlug 1970 beim TSV Obertaufkirchen und daher kommt wohl auch die Bezeichnung „Weiß-Blau“.

Von Erika Fischer

Waldkraiburg – Im Beisein von sieben Gründungsmitgliedern, an der Spitze Jürgen Teubert, hatte man sich im Brauereigasthof Kamhuber getroffen, um sich zunächst mit drei Schülerpaaren dem Turniertanzsport zu verschreiben.

Dieses Ziel behielt der Verein über drei Jahrzehnte im Auge, auch als man 1973 unter dem Vereinsnamen TSC Weiß-Blau 70 ins gelb-blaue Waldkraiburg wechselte. Ohne feste Bleibe, aber mit viel Idealismus wurde in Schulturnhallen getanzt, beim BRK und im Haus der Begegnung in Mühldorf, in der Kraiburger Turnhalle, dem Haus der Jugend und im Grünbacher Hof.

Trainingsfleiß und Talent führten bald zu großen Erfolgen: 1978 wurden Wolfgang Wild und Manuela Zandron Bayerischer Meisters in den Standardtänzen, 1986 war man Gastgeber für das Südbayerische Jugend-Tanzfestival und heimste in den Folgejahren regelmäßig erste, zweite und dritte Plätze der Schüler und Junioren ein – neben zahlreichen Turnierabzeichen in den Latein- und Standardtänzen.

Einen Aufschwung erlebte der Verein ab 2012, als mit Anna Kebinger als Vorsitzende und Regina Zinn als Geschäftsführerin eine neue Leitung das Heft in die Hand nahm. „Ich wurde buchstäblich ins kalte Wasser geworfen, wollte nur meine Tochter zu Jazz Modern Dance bringen und dachte nicht im Traum daran, dass ich den TSC zwölf Jahre führen sollte – ein gewaltiger Lernprozess für mich“, sagt Anna Kebinger. Doch das bereichernde Miteinander und ein aktives Orga-Team gaben ihr Rückendeckung. Bei vielen Aktionen der Stadt war der Verein dabei, der nach langer Suche 2017 endlich eine ideale Bleibe in den Räumen des Freiraums 36 fand.

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Hauptaugenmerk jedoch legte die Vereinsleitung auf den Auf- und Ausbau der zehn Kurse mit inzwischen 40 Einzelgruppen und Übungsleiterinnen und Trainern. Schon seit 1997 leitet Corena Strecker-Beitzel den Jazz Modern Dance auf hohem Niveau mit fantastischen Höhepunkten wie der „Dance Odyssee“. Ein Jahr später etablierte sich eine HipHop-Gruppe und aus dem ursprünglichen Turniertanz ging die Sparte Gesellschaftstanz hervor.

Begeisterter Fan des TSC und seiner Arbeit ist Dr. Andreas Holzapfel. Seit September 2002 genießt er mit seiner Frau bei Trainer Markus Klaus die Vielfalt der Latein- und Standardtänze: „Er versteht es unglaublich gut, die verschiedenen Charaktere mit ihren mehr oder minder großen Begabungen unter einen Hut zu bringen.“ Es ist die Freude an Musik, Bewegung und dem gemeinsamen Erarbeiten – für Dr. Holzapfel die beste Paartherapie.

Am Puls der Zeit bleiben

Neben einer Ballettschule wurde eine eMotion Jugendgruppe gegründet – man will ja am Puls der Zeit sein. Dies geschieht beim Fitness Trampolin-Jumping und Pole Dance, bei dem sich die Tänzerinnen mit Kraft, Beweglichkeit und Koordinationsvermögen um eine Stange winden. Immer mehr Zulauf finden – gerade bei Jugendlichen – die Breakdance-Kurse. Regen Zuspruch findet nach wie vor der kreative Kindertanz, der genauso die eigene Körperwahrnehmung fördert wie der Kinder- und Jugend-Gardetanz, bei dem mehr als 80 Tänzerinnen mitmachen. Im Februar präsentierten sie beim Tanzfestival ihre „Creepy Magic Diamonds-Show“. Einer der letzten Höhepunkte war der Ball zum 50-jährigen Vereinsjubiläum mit der „Rocky Horror Gala“ im Haus der Kultur.

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Dann verordnete die Corona-Pandemie dem Verein eine Zwangspause: Übungsstunden fielen aus und die Beiträge der inzwischen 470 Mitglieder wurden zeitweise ausgesetzt. Das Trainerteam und die neue Vorstandschaft mit Manuel Gildi und Anna Kebinger setzen sich jedoch für ein neues Projekt ein: Geplant ist ein Tanztheater, eine bildlich erzählte Geschichte mit Schauspiel und Musik, „die überall und jederzeit aufgeführt werden kann“, wie Regina Zinn voller Zuversicht betont.

„Bindeglied zwischen Jugendlichen und dem Vorstand“

Tänzer, Trainer und Jugendwart – Christoph Berger übernimmt mehrere Aufgaben beim TSC Weiß-blau 70 Waldkraiburg. Im Gespräch mit der Heimatzeitung spricht er darüber, wie für ihn alles beim TSC begann.

Wann und warum bist du dem Verein beigetreten?

Christoph Berger: 2009 gab es an meiner Schule eine Latein-Standard-Tanzveranstaltung, die mich auf Anhieb begeisterte. Daraufhin habe ich mit dem Gesellschaftstanz begonnen, bis in der Saison 2011/12 meine Tanzpartnerin Isabell Gohn und ich sogar Kinderprinzenpaar wurden.

In welchen Gruppen bist Du aktiv?

Berger: Neben dem Gesellschaftstanz fühlte ich mich immer stärker zum Breakdance hingezogen und übernahm 2019 sogar das Training. Außerdem werde ich auch beim Tanztheater mit den Fire Moves dabei sein.

Welche Aufgaben hast du als neu gewählter Jugendwart?

Berger: Ich sehe mich als Bindeglied zwischen allen Jugendlichen im Verein und dem Vorstand. So bin ich natürlich mit verantwortlich für Veranstaltung und Organisation von Jugendtreffs. Mein Ziel ist es, Anregungen und Wünsche der Jugendlichen aufzunehmen und sie mit Nachdruck im Vorstand anzusprechen.

Christoph Berger ist beim TSC Weiß-blau 70 Waldkraiburg Tänzer, Trainer und Jugendwart.

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