Närrisches Treiben in Waldkraiburg

Ein Verein, dem Corona seinen Zweck raubt: die Faschingsgesellschaft Waldburgia

Auf einen Faschingszug muss die Faschingsgesellschaft Waldburgia heuer verzichten. Die Corona-Pandemie lässt dies nicht zu, aber für die Zeit danach werden schon große Pläne geschmiedet.
+
Auf einen Faschingszug muss die Faschingsgesellschaft Waldburgia heuer verzichten. Die Corona-Pandemie lässt dies nicht zu, aber für die Zeit danach werden schon große Pläne geschmiedet.
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
    schließen

Erst seit knapp 33 Jahren gibt es die Faschingsgesellschaft Waldburgia. Wo sonst die Freude, das Miteinander und das Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt stehen, wird der Verein durch die Corona-Pandemie auf eine Probe gestellt. Doch der Verein lässt sich davon nicht unterkriegen und hat schon Pläne für die Zeit nach Corona.

Waldkraiburg – Als am 11.11.1988, Punkt 11.11 Uhr, ein ganzer Hofstaat ins Rathaus Waldkraiburg einmarschierte, war der damalige Bürgermeister Jochen Fischer sichtlich überrascht. Vor ihm stand der Faschingsadel samt Garde. Bis dahin hatte der Bürgermeister das Zepter in der Hand, doch das sollte sich ändern. Das war die Geburtsstunde der Faschingsgesellschaft Waldburgia.

In Waldkraiburg freundete man sich schnell mit der neuen Tradition an, denn das bunte Treiben das in Gasthäusern, in großen Sälen und auf den Straßen herrschte, sorgte ordentlich für Stimmung. Eines der streng gehüteten Geheimnisse, das erst zum Faschingsauftakt gelüftet wird, ist das neue Prinzenpaar. Bis auf die Vorsitzenden kennt niemand ihre Identität. Das erste Prinzenpaar aus der Saison waren Bianca Stecher und Robert Niedermeier. 29 weitere Paare folgten. In der vergangenen Faschingssaison präsentierte das junge Prinzenpaar Pascal und Sonja den Verein.

Hartes Training und viel Disziplin

Für das Prinzenpaar und ihre Marsch- und Showgarde bedeutet Fasching nicht nur Spaß und Feiern, sondern auch eine Menge Arbeit. Hartes Training, viel Schweiß und Disziplin sind erforderlich, um eine einwandfreie Show hinzulegen. Seit 2012 ist Charly Sallinger Präsident der Faschingsgesellschaft Waldburgia. Er ist schon von Kindesbeinen an mit Leib und Seele „Faschingsnarr“. Sobald die Faschingssaison beginnt, ist sein Verein ständig unterwegs. Die erste große Veranstaltung ist der Inthronisationsball im Haus der Kultur – gefolgt von weiterem buntem Treiben wie Kinderfasching, Faschingsumzügen in Waldkraiburg, Mühldorf und Neumarkt, Gardefestival in Kraiburg, Faschingsbällen und vielen weiteren tollen Veranstaltungen. Am Faschingsdienstag ist dann Kehraus. Da wird der Faschingsprinz beerdigt.

„Das Prinzenpaar gibt dem Verein immer schöne Abschiedsgeschenke wie zum Beispiel Flaschen mit Bildern oder Hefte vom scheidenden Prinzenpaar. Man blickt noch einmal auf eine schöne gemeinsame Zeit zurück. Manche Prinzessin oder mancher Prinz bleibt nach seiner Amtszeit im Verein und tanzt in der Garde weiter“, erzählt der Waldkraiburger. „Am Aschermittwoch machen wir zum Saisonabschluss unser Fischessen und der Bürgermeister ist wieder Regent der Stadt.“

Lesen Sie auch:

Als es noch Matritzen gab: Waldkraiburger Lehrer tauschen sich über Schule damals und heute aus

Wer denkt, dass nach dem ganzen Trubel erst einmal Stille herrscht, irrt sich. „Wir machen sehr viel zusammen. Sommerfeste, Jahresausflüge auf eine Berghütte, eine große Weihnachtsfeier. Wir sind mit unserem Glühweinstand auf dem Christkindlmarkt in Waldkraiburg, unsere Tänzer besuchen jedes Jahr ein Trainingslager und wir werden ständig von Heimatvereinen eingeladen“, sagt der Vorsitzende.

Gemeinschaftsgefühl und Miteinander

Zu Zeiten, als es noch kein Corona gab, seien sie gerne und viel unterwegs gewesen. Und so soll es auch wieder werden. „Natürlich pflegen wir die Freundschaft zu unserem Patenverein, ´Die Zellerieköpp` in Bobenheim“, setzt er fort. An diesen kamen sie durch einen ehemaligen Vereinskollegen. „2014 lud uns der Rheinland-Pfälzer Verein zu seinem Gardefestival ein. Die dachten, sie wären die Besten, aber dann sahen sie uns tanzen und waren sofort begeistert. So entstand unsere Patenschaft, die mit einem jährlichen Hüttenaufenthalt gekrönt wird“, erzählt Sallinger.

Er und seine Mitglieder lieben und leben den Fasching. Dass Corona das Vereinsleben derart stilllegte und die Menschen so sehr einschränkt, bedrückt auch die Faschingsgesellschaft. An Training sei nicht zu denken, weshalb jeder selbst etwas für sich tun müsse, um sich fit zu halten.Sallinger weiß, wie wichtig das Gemeinschaftsgefühl und das Miteinander sind. „Ein guter Verein lebt durch seine Mitglieder.

Lesen Sie auch:

Einst in der Glamour-Welt daheim: Waldkraiburger Mode-Designer berichtet aus einem bewegten Leben

Eines unserer ganz besonderen Ehrenmitglieder ist die ehemalige Stadträtin Inge Schnabl. Sie rief den Faschingsumzug ins Leben, hat bei dessen Organisation mitgeholfen und beim bunten Treiben auf dem Sartrouville-Platz mitgewirkt. Sie war immer sehr aktiv und hat viel bewegt.“ Trotz Corona möchte der Verein jedoch optimistisch bleiben. Sie schätzen den Zusammenhalt und schmieden Pläne für die Zeit danach. „Wir würden gerne wieder eine Männergarde gründen, denn Spaß, Humor und ein bisschen Leichtigkeit tut mit Sicherheit jedem gut“, sagt Faschingspräsident Sallinger.

Der Fasching als große Leidenschaft

Charly Sallinger (57), erster Vorsitzender:

Charly Sallinger

„Seit Januar 2002 bin ich im Verein. Meine erste aktive Funktion dort hatte ich 2003 als Hofmarshall. Ab 2006 war ich dann sechs Jahre lang zweiter Präsident und seit 2012 bin ich erster Vorsitzender. Bevor ich zum Faschingsverein kam, war ich 24 Jahre lang bei der Freiwilligen Feuerwehr in Waldkraiburg aktiv. Damals organisierte die Feuerwehr die legendärsten Bälle. Ich liebte auch das Theaterspielen. Irgendwann war für mich klar, dass ich etwas Neues machen wollte. Die Faschingsgesellschaft Waldburgia wurde sozusagen zu meinem „Kind“. Ich mache meine Arbeit mit Leib und Seele. Als Vorsitzender hat man natürlich eine Menge Verantwortung und Aufgaben zu bewältigen, aber ich gebe immer mein Bestes. Der Verein bedeutet für mich Zusammenhalt, Freude und Spaß, großartige Menschen an meiner Seite und ein starkes Team. Es freut mich immer wieder nach unseren Auftritten lauter strahlende Gesichter zu sehen. Wir hoffen, dass wir bald wieder aktiv werden können.“

Sandra Spitlbauer(48), Tanztrainerin:

Sandra Spitlbauer

„Ich bin seit 1999 im Verein und somit am längsten dabei. Damals sagten meine Schwester Belinda und ich aus der Gaudi heraus: „Wir wollen tanzen.“ So landeten wir in der Tanzgruppe der Waldburgia. Damals musste man beide Tänze beherrschen – Marsch- und Showgarde. Heute braucht man sich nur auf eine Tanzgruppe konzentrieren. Als meine Schwester und ich die Feuerwehrmänner von Waldkraiburg für die Hochzeit eines Kameraden trainierten, kam uns die Idee, eine Männergarde bei der Waldburgia zu gründen. Diese gab es von 2004 bis 2015. Dann gingen uns die Männer aus und es tanzten nur noch die Frauen. Heute gibt es eine gemischte Showgarde, aber wenn es klappt, werden wir in der neuen Saison wieder eine Männergarde auf die Beine stellen. Ich selbst habe einige Jahre die Tanzgarde bei uns trainiert. Heute tanze ich eher nur noch bei den ´alten Hasen`. Ich liebe den Fasching und schätze vor allem auch den Zusammenhalt, den Teamgeist und die Hilfsbereitschaft in unserem Verein“.

Franziska Wajand (22), Gardetänzerin:

Franziska Wajand

„Ich tanze seit meinem 14. Lebensjahr und bin mit dem Fasching groß geworden. Meine Mama ist Kassier bei der Faschingsgesellschaft Waldburgia und mein Papa war zehn Jahre lang Tänzer in der Männergarde. Mein Papa war immer ein großes Vorbild für mich. Ich fand das so toll, wie er in der Garde tanzte, dass ich das unbedingt auch machen wollte. Als ich mit dem Gardetanz anfing, war ich damals das jüngste Mitglied. Die meisten tanzen nur in einer Garde, aber ich bin in der Marsch- und Showgarde, weil es meine große Leidenschaft ist. Im November fahren wir immer in ein Trainingslager nach Inzell. Da wird das ganze Wochenende über hart trainiert und man lernt dort Leute aus anderen Gardegruppen Bayerns kennen. Für mich sind die Auftritte immer ein Höhepunkt. Man hat viele Freunde im Verein, gemeinsam eine Menge Spaß und ist wie eine große Familie. Die Jungen lernen von den Alten und die Alten lernen von den Jungen. Alle halten zusammen und helfen einander.“

Mehr zum Thema

Kommentare